Donnerstag, 10. August 2017

Duales Studium Maschinenbau – Semester 2

Hallo ihr Lieben!

Ich habe es geschafft. Was geschafft? Nunja, ich habe das zweite Semester meines dualen Studiengangs überlebt und alle Klausuren geschrieben, sodass ich mich nun in die nächste Praxisphase stürzen kann.

Die Zeit könnte also nicht besser sein, um auch dieses Semester auf dem Blog Revue passieren zu lassen. Daher führe ich mit diesem Post meine Reihe zum dualen Studium der Fachrichtung Maschinenbau fort und knüpfe damit an die Posts zur Kennlern-Phase, dem ersten Semester und der ersten Praxisphase an.

Hinweis
Ich studiere dual nach dem Modell von Studium Plus an einer Außenstelle der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). An anderen Hochschulen und Universitäten sowie auch an anderen Außenstellen der THM läuft das zweite Semester sicher etwas anders ab.

duales Studium Maschinenbau - Semester 2

Die Fächer und Module

Darf man eigentlich noch von Fächern sprechen? Eigentlich sind es ja Vorlesungen… Und davon nicht gerade wenig. 32 Wochenstunden stehen in den Modulblättern vorgeschrieben – aber dazu kommt ja noch, dass wir eigentlich genau so viel Präsenzzeit in Vorlesungen haben wie wir auch zu Hause zusätzlich investieren sollen.

Übrigens herrscht bei uns Anwesenheitspflicht in allen Vorlesungen. Das liegt daran, dass unsere Partnerbetriebe sowohl uns als auch die Hochschule bezahlen – also muss quasi sichergestellt werden, dass wir auch wirklich was lernen.

Aber gut, schauen wir uns mal an, was so in meinem Stundenplan stand:

  • Mathe

    Gähn. Habt ihr meinen Post zum ersten Semester gelesen, in dem ich geschrieben habe, dass ich das meiste, was in Mathe gelehrt wird, aus dem Abitur schon konnte?
    Ein klein wenig besser wurde das im zweiten Semester zwar, aber dafür kam nun ein anderes Problem hinzu: Der Dozent, welcher der gleiche geblieben war, konnte den Stoff einfach nicht verständlich vermitteln – mir zumindest nicht.

    Daher musste ich also die Vorlesungen quasi absitzen und mir dann zu Hause alles selbst beibringen. Nicht optimal und hat nur semi-gut geklappt. Das Skript zur Vorlesung war dabei auch keine Hilfe…

    Wir haben uns über diesen Dozenten übrigens bereits im ersten Semester beschwert, aber da tut sich nichts. Die THM findet angeblich keinen Ersatz – aber Vorschläge hat sie sich abgelehnt.

duales Studium Maschinenbau - 2. Semester

  • Naturwissenschaften

    Für diese Vorlesung hatten wir zwei Dozenten, denn es gab einen Physik-Teil und einen für Chemie.

    Physik fand wieder samstags statt bei dem Mann, der uns bereits im ersten Semester unterrichtete. Er hatte sich unsere Kritik von damals zu Herzen genommen und hat daher ein Skript zur Vorlesung entwickelt. Das fanden wir alle sehr gut.
    Allerdings muss ich sagen, dass ich hier trotzdem fast nur eine Wiederholung meines Abiturstoffes zu hören bekam… Es hätte mir wirklich gereicht, das Skript zu Hause durchzuarbeiten, aber wegen der Anwesenheitspflicht musste ich ja meine Zeit im Hörsaal absitzen.

    Chemie hatten wir bei einem Dozenten, der von einer anderen Hochschule zu uns kam. Die Dozenten der THM haben nämlich auch nicht so viel Lust, an Außenstellen zu lehren… Das ist ihnen einfach zu viel Aufwand.
    Dieser Dozent konnte den Stoff wirklich gut vermitteln, ging auf alle Fragen ein und thematisierte die Grundlagen: Atom-Aufbau, Bindungen, Redoxreaktionen, Salze, Säuren und Basen
    Doof war nur, dass wir immer 6-8 Stunden am Stück hatten und die Vorlesungen erst spät im Semester lagen, sodass kaum Zeit bis zur Klausur blieb, um alles zu lernen.

    Die Klausur in diesem Fach war übrigens einfach zweigeteilt: 50 Bewertungseinheiten auf den vom Physikdozenten gestellten Teil und fünfzig weitere für Chemie. Geschrieben wurde das aber an einem Tag in zwei Stunden.

  • Technische Mechanik

    Dieses Fach hatte ich ebenfalls bereits im ersten Semester, allerdings gab es nun einen neuen Dozenten.

    Dieser kam auch von einer anderen Hochschule zu uns – und konnte gut erklären, rechnete viele Beispiele und Übungsaufgaben mit uns und war freundlich.

    Inhaltlich ging es um Festigkeitsberechnungen, vorwiegend von Trägern. Allerdings merkte ich hier deutlich, dass ich im ersten Semester was nicht wirklich verstanden hatte, denn mit Schnittkräften hatte ich jedes Mal wieder meine Probleme.

    Trotzdem besuchte ich die Vorlesung eigentlich recht gerne, konnte den neuen Stoff gut aufnehmen und blickte zuversichtlich Richtung Klausur (… und ausgerechnet da wurde es bei mir echt knapp.). Ärgerlich war nur, dass die Vorlesungen in Maschinenelemente diese Vorlesung als Grundlage voraussetzen… Mit technischer Mechanik haben wir aber erst wesentlich später im Semester begonnen… Angeblich wird das für kommende Studenten aber besser.

duales Studium Maschinenbau - 2. Semester

  • Maschinenelemente

    Drei Dozenten, ein Fach. Maschinenelemente wurde nämlich aufgeteilt: Ein Professor vermittelte uns neues Wissen, eine Dozentin leitete die Gruppenarbeit, die Voraussetzung für die Klausurzulassung ist, und eine ehemaliger Student leitete die Übungen.

    Inhaltlich ging es in unserer Vorlesung um die Berechnung von Bauteilen und deren Verbindungen. Also lernte ich Zeug über Schrauben, Schweißverbindungen, Löten, Kleben, Nieten und so weiter. Umfangreich war das echt – wir mussten von jeder Verwindungsart die Vor- und Nachteile sowie den Anwendungsbereich wissen und sie berechnen können. Aber immerhin was das Buch mit allen Formeln in der Klausur erlaubt… Das Skript taugte meiner Meinung nach nämlich nicht mal zum Lernen.

    In der Gruppenarbeit ging es um einen
    Kranträger. Belastung und Größe waren vorgegeben, das passende Profil mussten wir bestimmen, nachdem wir zuvor einiges berechnet hatten. Abgegeben wurden dann Zeichnungen von der Konstruktion, Protokolle der Gruppenarbeit und Berechnungen.
    Danach folgte eine weitere Gruppenarbeit, in der wir mit dem Computer eine Skizze und eine Zeichnung erstellen mussten – auf Grundlage der Daten aus der ersten Gruppenarbeit. Hierbei war ich meiner Gruppe leider wirklich keine große Hilfe, da ich mit dem Programm nicht so recht klar gekommen bin.

    Die Übungen dauerten je zwei Stunden lang und waren viel zu knapp. Hier sollten wir nämlich Aufgaben rechnen… Und zwar viele und umfangreiche.
    Aufgrund der knappen Zeit bekamen wir vom netten Übungsleiter viele Dinge nur vorgerechnet und durften diese erst zu Hause bei den Hausaufgaben, die für die Klausurzulassung bewertet wurden, selbst rechnen. Ich muss zugeben, dass ich da meine Probleme hatte und eigentlich jedes Mal Hilfe brauchte und manchmal sogar vor Verzweiflung heulte. Aber der Übungsleiter hat sich echt Mühe gegeben, antwortete seeeehr schnell auf Hilferufe meinerseits per E-Mails und ich war wohl einfach nur zu dumm…
    Gerade vor der Klausur haben wir aber auch in der Übung viel selbst unter Zeitdruck rechnen dürfen.

  • duales Studium Maschinenbau - Semster 2

  • Konstruktion / CAD

    Dieses Fach unterrichtete die Frau, die auch die Gruppenarbeit leitete. Es gab meistens zuerst zwei Stunden Theorie, in der wir hauptsächlich lernten, auf welchen Formalitäten man bei Zeichnungen und Schnittansichten achten muss.
    Anschließend ging es an den PC und mit Solid Works (ein Programm, mit dem man Konstruktionen am PC erstellt) sollten wir Teile konstruieren und Zeichnungen davon ableiten.
    Darin versagte ich übrigens total, denn leider wurden wir da für meinen Geschmack zu sehr ins kalte Wasser geworfen, da nur wenig vorgemacht wurde und wir uns quasi selbstständig in dem komplexen Programm zurecht finden mussten.

  • Coaching

    Mein Lieblingsfach! Okay, gelernt habe ich da so gut wie nichts, aber der Dozent war wieder der ehemalige Student, den wir in dieser Vorlesung auch schon im ersten Semester hatten.
    Es wurde wieder viel über Probleme im Studium gesprochen, aber auch Kreativität und Arbeitsmotivation bzw. das richtige Lernen kamen zur Sprache. Allerdings erfuhr man da selten was, was man brauchen kann und nicht bereits vorher kannte – es war also mehr ein nettes Beisammensein.

  • duales Studium Maschinenbau - 2. Semester

  • Ettikette Seminar

    Arg. Das Allerschlimmste für mich, würde ich behaupten.

    Es dauerte einen ganzen Tag lang… Vormittags und nachmittags saßen wir im Hörsaal und lernten, was der Unterschied zwischen Etikette und Benehmen ist. Außerdem erfuhren wir, wer wo in der „Hierarchie“ steht, was man bei geschäftlichen Anlässen als Mann als Kleidung zu tragen hat (Da ich die einzige weibliche Person abgesehen von der Seminar-Leiterin war, ging sie auf Frauen nicht ein, um die Herren nicht zu langweilen.) und wie man sich beim Geschäftsessen zu benehmen hat. Ich fand das alles furchtbar langweilig und muss es mir bei Bedarf eh kurz vorher noch mal anlesen, denn behalten kann man den ganzen Kram, der nicht selbstverständlich ist, meiner Meinung nach eh nicht.

    Abends folgte dann der zweite Teil, damit ich auch ja keine Freizeit oder Zeit zum Lernen an dem Tag kurz vor der Klausurenphase hatte. Wir mussten bei über dreißig Grad in Businessgarderobe erscheinen und ein aus fünf Gängen bestehendes Menü verspeisen. Sterne Restaurant (Die Sonne in Frankenberg), zwei Tische, bis abends um halb zehn.

    Ich saß während des Grußes aus der Küche (Gurkenkaltschale), der Vorspeise (Spargelsalat) und der Suppe mit einer Hälfte meiner Mitschüler am Tisch, danach durfte ich mit der Seminarleiterin vom anderen Tisch tauschen, damit alle meine Mitschüler mal in den Genuss ihrer Gesellschaft kamen.

    Ich jedenfalls war froh über den Tausch, denen an Tisch zwei fühlte ich mich viel wohler und wurde nicht aus den Gesprächen ausgegrenzt. Es gab dann noch Roastbeef als Hauptgang für meine Mitschüler (Risotto als vegetarische Alternative für mich) und Waldmeistersuppe, Panna Cotta, Erdbeereis und Erdbeerschaum zum Nachtisch. Leider hat mir das Essen kein bisschen geschmeckt… Ich mochte die Salatsoße nicht, die Suppe war mir zu salzig, Risotto esse ich nicht gern und der Nachtisch war zu süß… ähm ja, ich bin einfach nicht für solche Restaurants geeignet und fühle mich bei solchen Speisen nur unwohl, auch wenn hier die Qualität des Essens und die Portionsgrößen top waren.

duales Studium Maschinenbau - 2. Semester

Das Organisatorische

Also auf dieser Ebene ist das zweite Semester echt unter aller Sau gewesen. Tut mir ja leid, das so schreiben zu müssen, aber anders kann man es nicht formulieren.

Zunächst mal war der Stundenplan grausam. In den ersten Wochen hatten wir kaum Vorlesungen und daher viel Freizeit. Allerdings konnten wir noch nicht für die Klausuren lernen, da es ja kaum Stoff gab…
Einige Dozenten hatten wir erst nach mehreren Wochen erstmalig… Und so lagen beispielsweise 75% der Chemievorlesungen in den drei Wochen vor der Klausur. Wie sollen wir uns da vernünftig auf die Klausuren vorbereiten?
Und das, was mich daran am meisten ärgert, ist, dass man das einzig und allein mit Platzmangel begründete. Die Studenten des sechsten Semesters, welche früher fertig sein sollten, hätten die Räume blockiert, sodass wir in den ersten Monaten kaum Vorlesungen haben konnten. Allerdings hat die Sparkasse der THM sogar angeboten, Räume zur Verfügung zu stellen. Das hat unsere Außenstelle aber abgelehnt – den Verantwortlichen war es also scheinbar egal, dass wir Studenten so behandelt werden und dann in total Lernstress geraten..

Immerhin unsere Dozenten standen uns zur Seite und halfen mit, die Klausuren zu entzehren. Wir schrieben also nicht alles in der einen dafür vorgesehenen Woche, sondern hatten quasi drei Wochen mit Klausuren.

Tja, und davon, dass wir für die Samstage, an welchen wir ständig in der Vorlesung saßen, einen anderen Tag in der Woche angeblich frei haben sollten, merkten wir auch irgendwie nicht viel. Einige Mittwoche konnten wir uns aber wenigstens selbst freischaufeln, indem wir mit dem Dozenten absprachen, dass wir die Vorlesungen auf einen Tag verlegen, an dem wir sowieso schon Vorlesungen hatten.
Sonst hätten wir nämlich etliche 6-Tage-Wochen gehabt…

Und ihr wollt nicht wissen, wie blöd ich das mit den Samstagen fand. Gerade im Sommersemester waren da oft Veranstaltungen, die ich deswegen verpasst habe – etwa die Tierschau auf dem Frankenberger Pfingstmarkt. Und mein Besuch auf dem Hessentag war auch Stress pur, weil ich bis nachmittags im Hörsaal saß und am frühen Abend schon bei Just 90s sein musste.

Einen Messebesuch bekamen wir auch angeboten… Und da wir alle mitfahren wollten, baten wir darum, dass der Bus, der von Wetzlar nach Hannover fuhr, uns in Frankenberg einsammeln würde. Nach Wetzlar fährt man nämlich von uns aus zwei Stunden, aber Frankenberg liegt auf dem Weg von Wetzlar zur Messe.
Erst hieß es, dass wir einen Bus bekämen und drei Tage vorher wurde uns dann mitgeteilt, dass dieser Bus uns nach Wetzlar fahren würde, damit wir von dort aus dann mit allen nach Hannover fahren können. Zurück geht es dann wieder über Wetzlar. Abfahrt: kurz vor vier, nachts; Ankunft nach der Messe in Frankenberg: 23 Uhr.

Diese Informationen lagen den Leuten, die uns informierten, übrigens schon Wochen vor und dann waren sie auch noch sauer, als wir uns beschwerten. Wir versuchten noch, ihnen klar zu machen, dass wir nicht über Wetzlar fahren wollten, aber da war nichts zu retten.
Abschließend wurden wir als unprofessionell bezeichnet, da wir dann letztendlich nicht zur Messe fuhren und den Bus stornieren ließen. Und genau das ärgert mich, denn wir sind die ganze Zeit über freundlich geblieben, haben augenblicklich reagiert, als wir Informationen erhielten, und der Fehler lag auch ganz klar bei den Leuten im Büro der THM.

Aber noch mehr ist bescheiden gelaufen: Das Etikette-Seminar hätte man sicher zu Beginn des Semesters machen können. So lag das mitten in der Zeit vor den Klausuren, was echt doof war, da es ja von morgens bis abends um zehn dauerte. Die Zeit hätten wir da aber dringend zum Lernen gebraucht.

Zudem müssen wir ja unsere Dozenten zur Mitte des Semesters bewerten. Qualitätssicherung der THM nennt sich das.
Doof nur, wenn man einige Veranstaltungen, wie das Etikette-Seminar, noch gar nicht hatte und auch bei einigen Dozenten bis zu dem Zeitpunkt nur eine Vorlesung besuchen konnte, weil der Stundenplan ja so grausam gestaltet war. Diese Evaluation müsste man also echt anders gestalten.

Auch blöd war es, den Hochschul-Betreuer für die zweite Praxisphase zu wählen, bevor wir die Noten für den ersten Praxisphasenbericht hatten. Ich finde es echt unverschämt, dass ich auch nach 2,5 Monaten noch nichts davon gehört hatte, wie der Dozent von der Hochschule meinen Bericht bewertet hatte. Und per E-Mail durfte mir dieser nicht mal die Punktzahl nennen und machte daher dann nach eben diesen 2,5 Monaten nur Andeutungen, als ich nachfragte. Erst am Semesterende waren die Noten eeendlich online – aber eine Einsicht wie bei Klausuren gibt es hier soweit ich weiß auch nicht.

Ich glaube, das war nun alles, was ich kritisieren würde an der Organisation… Kommen wir also gleich zum nächsten Problem.

duales Studium Maschinenbau - 2. Semester

Was man nicht lernt

Die Grundlagen aus dem Studium sollte man schon mitnehmen.
- mein Dozent in der Maschinenelemente-Vorlesung

Dieser Satz fiel in einem Gespräch mit einem unserer Dozenten, der ganz irritiert war, als sich mal jemand traute zu fragen, was der Unterschied zwischen h7 und H7 ist. (Nur am Rande für alle, die sich nicht mit sowas beschäftigen: Das hat was mit Passungen von Bolzen und Bohrungen zu tun.)
Da gab es dann nämlich eine Diskussion, dass wir solche Grundlagen ja eigentlich können müssen. Mit stellte sich da allerdings direkt die Frage, wie ich Grundlagen aus dem Studium mitnehmen soll, wenn ich sie gar nicht im Studium lerne.
… Und auf Aufforderung eines Mitschülers wiederholte ich diesen gemurmelten Gedanken sogar so laut, dass der Dozent es hören und darauf reagieren konnte.

Es folgte eine Erläuterung, dass wir eben durch den Bachelor einfach weniger Zeit hätten und man daher die Vorlesungsstunden so gekürzt habe, dass das eben nicht mehr unterrichtet werden könne.
Für mich macht das alles aber wenig Sinn als Begründung. In Mathe kauen wir all das Zeug aus dem Abi ja auch noch mal durch… Kann man da nicht Mathe dann in den Stunden kürzen, sodass wir zu Hause wenigstens die Zeit haben, uns die Grundlagen selbst beizubringen?

Generell ist es nämlich so, dass sich unser Semester etwas spaltet: Leute mit Abitur, die „die Grundlagen“, also Bezeichnungen von Maschinenelementen, Schrauben und sowas, nicht können, und Leute mit Fachabitur und Ausbildung, die zwar „die Grundlagen“ beherrschen, aber dafür in Mathe eben die Vorlesungen auch wirklich brauchen, in denen ich mich langweile.

Mir kommt es allerdings so vor, als sei dieser duale Studiengang da ein wenig unfair – die Leute mit Ausbildung werden bei ihrem Wissensstand abgeholt, die Leute vom Gymnasium nicht. Da besteht meiner Meinung nach wirklich Verbesserungsbedarf. Entweder man strukturiert die Vorlesungen anders oder man streicht auch bei Mathe ein paar Stunden zu Gunsten von Zeit zum eigenständigem Lernen, in denen jeder sich das aneignet, was ihm fehlt. Denn ich kann mir die Sachen, die mir fehlen, gern selbst anlesen, aber dann brauche ich dazu Zeit. Zeit, die ich nicht mal habe, um ausreichend die Vorlesungen nachzuarbeiten und mich auf Klausuren vorzubereiten.

duales Studium Maschinenbau - Semster 2

Fazit zum zweiten Semester

Ich habe gelitten. Wirklich, gerade die letzten 2,5 Monate waren grausam für mich. Ich hatte zu nichts Zeit – nur für mein Pony und ein Sparprogramm beim Blog habe ich sie mir genommen. Ansonsten musste ich ständig lernen und hatte permanent Angst, die Klausuren nicht zu bestehen. Hausübungen brauchten mich zum Heulen…
Ach ja und meiner Oma und meinem Onkel musste ich einen Besuch zum Kuchen essen auch mehr als ein Mal ausschlagen, weil ich Unterricht hatte oder für Klausuren pauken musste. Das hat mich echt mitgenommen…

Ich bin daher wirklich froh, nun wieder im Betrieb zu sein, wo man eben wirklich frei hat, wenn der Arbeitstag zu Ende ist. Außerdem fühlen sich zwei Tage Wochenende wie purer Luxus an!!!

Trotzdem… Ich bereue nicht, diesen Studiengang gewählt zu haben. Jedes andere Studium würde mir inhaltlich sicher auch nicht leichter fallen. Ich weiß ja genau, warum ich dual studieren wollte – damit ich einen Job habe, wenn ich fertig bin, und auch jetzt schon Geld verdienen. Und genau darüber bin ich immer noch froh, denn sonst hätte ich mir nicht kurz vor dem Beginn des Semesters das Pony kaufen können. Dafür brauchte ich einfach die Sicherheit, dass ich es aus finanziellen Gründen nicht spätestens am Ende des Studiums wieder abgeben muss, weil ich blöderweise keinen Job finden kann.

Also: Es ist die Quälerei wert, weil ich mir damit den Traum vom eigenen Pony verwirklichen konnte und etwas mache, was eigentlich auch ganz interessant ist.

Und, seid ihr mit dem, was ihr gerade macht, glücklich? Oder zieht ihr das gerade nur durch, weil ihr einen Traum oder ein Ziel habt, wofür das eben nötig ist?


Dieser Post ist Teil einer Reihe über mein duales Studium der Fachrichtung Maschinenbau. Bisher erschien ein Post als Überblick über das Studium und es sind weitere geplant zu den einzelnen Semestern und Praxisphasen.
Hier geht es zu allen erschienen Posts.

- geschrieben von Tabea -

duales Studium Maschinenbau - Semester 2

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Dienstag, 11. Juli 2017

Duales Studium Maschinenbau – Praxisphase 1

Hallo ihr Lieben!

Vor einer Weile habe ich ja damit begonnen, euch von meinem dualen Studium zu berichten. Erst gab es eine Übersicht, dann Erfahrungen aus der Kennlernphase und dem ersten Semester. Daher ist heute die erste Praxisphase dran. Diese Praxisphasen sind nämlich ein ganz wesentlicher Bestandteil der dualen Studiengänge, nicht nur im Maschinenbau.

Duales Studium Maschinenbau - erste Praxisphase

Wann gibt es Praxis?

Duales Studium bedeutet ja, dass Theorie und Praxis verknüpft werden. An der THM erfolgt daher nach Semester eins, zwei und drei jeweils eine Praxisphase, die zwischen 8 und 12 Wochen lang ist. Nach dem vierten Semester darf man dann mal wirklich lange in seinem Partnerunternehmen bleiben, denn das komplette fünfte Semester wird dort verbracht.
In anderen Hochschulen und Universitäten, die nicht nach dem System von Studium Plus das duale Studium durchführen, kann das aber natürlich vollkommen anders aussehen. Es gibt zum Beispiel auch Varianten, bei denen man jede Woche einige Tage studiert und die restliche Zeit im Betrieb verbringt und praktische Fähigkeiten erwirbt.

Wann hat man frei?

Da ich in den Semesterferien im Unternehmen arbeite und Erfahrungen sammle, habe ich logischerweise nicht wie andere Studenten wochenlang frei, sodass sich die Frage stellt, wann ich mich denn mal ausruhen darf.

Ganz so viel Freizeit wie meine Freunde an den Unis habe ich nicht, schätze ich. Während des Semesters gibt es einige vorlesungsfreie Tage über Weihnachten und Silvester. Außerdem ist die Woche nach den Klausuren frei. Während der Zeit im Betrieb darf ich mir zudem noch ein paar Tage Urlaub nehmen, wann ich möchte. Die Anzahl dieser Tage wie irgendwie abhängig von der Länge der Praxisphasen pro Kalenderjahr festgelegt, sodass ich für die erste und zweite Praxisphase insgesamt elf Tage verplanen durfte.

duales Studium Maschinenbau - Praxisphase 1

Die erste Praxisphase

Vorbereitung

Im Vorfeld habe ich meinem Betrieb ca. einen Monat vor Semesterende eine E-Mail geschrieben, um abzuklären, wann ich am ersten Tag wo erscheinen soll. Außerdem habe ich mich gleich erkundigt, ob bereits feststeht, an welcher Aufgabe ich arbeiten werde. Man bekommt nämlich für jede Praxisphase ein Projekt, dass möglichst auch in der Zeit abgeschlossen werden sollte. Daran arbeitet man zu zweit oder auch allein, so wie es bei mir der Fall war. Da ich die einzige Studentin im ersten Semester gewesen bin, die der Betrieb hat, war das bei mir von vornherein klar. Einige meiner Mitschüler aus der Uni, die in anderen Unternehmen angestellt sind, haben aber auch gemeinsam mit anderen dualen Studenten gearbeitet.

Für mich stand damals noch nicht konkret fest, was mich erwarten würde. Daher wurde ich gebeten, die bisherigen Inhalte aus dem Studium aufzulisten, damit mein Betreuer aus den möglichen Themen eines auswählen konnte. Dieses Thema bekam ich dann grob mitgeteilt, aber konnte damit noch nicht viel anfangen. Da aber sowieso eine Besprechung meiner Aufgabe direkt am Morgen des ersten Tages geplant war, ließ ich das einfach auf mich zukommen.

In der Hochschule wird die Praxisphase auch vorbereitet. In den Choaching-Vorlesungen konnten wir alle möglichen Fragen loswerden und bekamen auch Tipps zu dem Bericht, der am Ende jeder Praxisphase geschrieben werden muss und über die Note entscheidet.
Zusätzlich zu dieser Vorbereitung mussten wir online noch einen Betreuer auswählen, bzw. drei Stück. Man hat nämlich einen Betreuer von Seite des Unternehmens, der die Aufgabe stellt, und einen von Seite der Hochschule, der letztendlich ebenso wie der Betreuer im Unternehmen den Bericht bewertet und dafür sorgen soll, dass die Studenten im Unternehmen sinnvoll beschäftigt werden. Aus den drei angegeben Professoren wurde uns dann in der letzten Vorlesungswoche einer zugeteilt und ich hatte Glück und bekam meine Erstwahl.

Schade finde ich bei dieser Wahl nur, dass man kaum Professoren kennt, da viele unserer Dozenten eben nicht den Professorentitel tragen und daher nicht als Betreuer gewählt werden dürfen. Mein Betreuer hatte mich aber in meinem Lieblingsfach im ersten Semester mit seine lockeren Art überzeugt.

Das war es dann aber auch an Vorbereitung.

duales Studium Maschinenbau - Praxisphase 1

Zeit im Betrieb

Morgens erschien ich pünktlich im Büro meines Betreuers. Der hatte mir die Aufgabenstellung noch mal ausgedruckt und einiges an Material zusammengestellt.

Nun erklärte er mir, wie er sich meine Zeit im Betrieb vorstellte: Ich sollte mit Excel ein Tool entwerfen, dass Herstellkosten kalkulieren kann. Das Unternehmen produziert nämlich diverse Scheiben für die Nutzung in der Landwirtschaft. Da diese sich aber im Durchmesser, in ihrer Randgestaltung (Zacken, Schneide), dem Durchmesser, dem Lochbild und dem Material unterscheiden, kostet natürlich nicht jede Scheibe in der Herstellung den gleichen Preis. Meine Aufgabe war es nun, zu untersuchen, wie die Parameter sich auf den Preis auswirken, denn auch wenn die Firma schon viele unterschiedliche Scheiben im Sortiment hat, fragen ab und zu eben doch noch Kunden nach neuen Varianten.
Hier soll dann das Tool zum Einsatz kommen und grob die Kosten ausgeben, denn bisher war es verdammt aufwändig, die Kosten abzuschätzen bzw. zu bestimmen.

Als mit klar wurde, dass ich da verdammt viele Dinge berücksichtigen und raus finden muss, war ich zunächst erschlagen.
Allerdings unterhielt ich mich noch eine Weile mit meinem Betreuer und dabei wurde deutlich, dass das Tool wirklich nur grob arbeiten muss. Viele Dinge, die mir kompliziert erschienen, sollte ich also von vornherein vernachlässigen.

Ich machte mich also an die Arbeit und strickte in Excel zunächst ein Grundgerüst.

In den kommenden Wochen sammelte ich dann bei diversen Mitarbeitern Daten zusammen, um die Zusammenhänge zwischen Parametern und Kosten in dem Tool abbilden zu können. Mein Betreuer stand mir hierbei aber immer zur Seite und lieferte auch selbst Anregungen, wie man manche Dinge lösen könnte.

Nebenbei schrieb ich bereits am Bericht, denn mein Betreuer hatte auch angeboten, diesen mehrmals Korrektur zu lesen und in der letzten Woche las auch eine meiner Kolleginnen noch mal drüber.

Der Professor sollte wie vorgeschrieben einen Besuch bei mir an der Arbeit machen. Außerdem waren seine Wünsche bezüglich der formalen Dinge im Bericht entscheidend, sodass ich ihn direkt in der ersten Woche per E-Mail kontaktierte, um den Termin und die Gliederung meines Berichts abzuklären.
Allerdings antwortete er nicht, sodass ich sogar bei Studium Plus nachfragte. Generell ist dieser Professor scheinbar sehr beschäftigt, weswegen man teils über eine Woche auf seine Antworten warten muss.

Nach ungefähr fünf Wochen, in denen ich einfach alle meine Fragen an ihn sammelte, kam er dann zum verabredeten Besuch.

Mit dem Tool war ich zu diesem Zeitpunkt schon recht weit und es stand nur noch Feintuning und die Testphase an. Auch mein Bericht stand bis auf das Fazit schon und somit hatte ich lediglich ein paar formale Fragen. Hierbei merkte ich, dass ich eindeutig den richtig Professor gewählt hatte, denn meist hieß es: Mach das, wie du möchtest, wenn es keine offizielle Vorgabe gibt.

Ansonsten war er beeindruckt davon, dass ich so weit gekommen war, da andere Studenten wohl wesentlich größere Probleme hatten, die Schwerpunkte ihrer Arbeit in dem Bericht darzustellen und herauszuarbeiten. Wir diskutierten daher zu dritt, also beide Betreuer und ich, eine Stunde lang eher über die Relevanz des Kalkulationstools und auch über die Scheibenherstellung und Optimierung in der Produkt. Das war wirklich interessant.

In der letzten Woche schloss ich dann alles ab, testete mein Programm, indem ich die Daten mit Schreiben aus dem Sortiment verglich, einen Fehler ausbesserte und das Fazit verfasste. Die Formatierung und das Korrektur lesen haben noch mal ordentlich Zeit gekostet und was Korrekturen angeht, hat mein Betreuer mich tatkräftig unterstützt. Ganz zum Schluss druckte ich alles aus und räumte meinen Platz im Büro.

duales Studium Maschinenbau - Praxisphase 1

Der Bericht

Der Bericht muss nach den Richtlinien für wissenschaftliches Arbeiten verfasst werden. Man schreibt also eine Einleitung zum Thema, erläutert die Aufgabenstellung und die Vorgehensweise, fasst die Ergebnisse zusammen und muss natürlich auch auf einen Haufen Formalitäten achten.

Zehn bis zwanzig Seiten Text inklusive Abbildungen sollten wir schreiben, doch ich kam auf um die dreißig. Dazu kommen dann noch die Verzeichnisse von Tabellen, Abbildungen, Abkürzungen, Inhalt und Literatur sowie der Anhang.
Alles muss gebunden werden, Spiralbindung war aber ausreichend.

Dieser Bericht wird dann am Ende der Praxisphase in der Hochschule in zweifacher Ausführung und zusätzlich ein Mal im Betrieb abgegeben. Anschließend bewerten beide Betreuer Inhalt, Struktur, Sprache und wissenschaftliche Arbeitsweise. Beide erreichten Punktzahlen werden gemittelt und liefern dann die Note für die Praxisphase. Bei gerade mal zwei Credit Points für diese Phase fällt das aber nicht wirklich ins Gewicht, was die Gesamtnote des Studiums angeht, finde ich.

Mir bereitete anfangs die Sprache echt Probleme. Ich schreibe generell eher umgangssprachlich und da musste ich mich an den nüchternen Stil erst gewöhnen. Nach den ersten Seiten war das alles aber kein Problem mehr.
Es ist nur immer schwierig, einzuschätzen, wie viele Fachwörter man erläutern muss. Die Professoren haben ja wenig Vorwissen und sollen trotzdem alles verstehen. Da haben mir meine Korrekturleser auch wieder sehr geholfen.

Zum Bericht kann ich also nur sagen, dass ich mehrere komplette Arbeitstage dafür benötigt habe und anfangs Hemmungen hatte, anzufangen. Nachdem der erste Absatz geschrieben war, versank ich beim Tippen aber manchmal völlig in meine Arbeit.

duales Studium Maschinenbau - Praxisphase 1

Die Bewertung

Wie gesagt, nur zwei Credit Points bekommt man für diese lange Zeit. Von Mitte Februar bis Anfang April waren wir nämlich im Unternehmen. Im Anschluss daran hatten wir noch eine Woche während des Semesters, um die Berichte fertig zu stellen, danach mussten sie im Sekretariat abgegeben (2 Exemplare) und dem Unternehmen zugesendet werden (1 Exemplar).

Die Bewertung von meinem Betreuer aus dem Unternehmen erhielt ich recht schnell per E-Mail, nämlich Anfang Mai. Vom Unternehmen wird nicht nur der Bericht bewertet, sondern auch das Verhalten im Betrieb. Während ich gerade in den Bereichen Kommunikationsfähigkeit und Teamfähigkeit noch leichte Schwächen aufwies, war ich dennoch rundum zufrieden. Für das Verhalten gab es also 80/100 und für den Bericht sogar 94/100. Na, wenn das fürs erste Mal sich nicht sehen lassen kann, dann weiß ich es auch nicht.
Außerdem fließt nur die Wertung für den Bericht ins Endergebnis ein. Dennoch wird mir mein Betreuer noch mal persönlich erläutern, was ich in der nächsten Praxisphase besser machen kann – das finde ich echt nett von ihm.

Der Professor ließ mit seiner Bewertung länger auf sich warten und erst Ende Juni erhielt ich von ihm eine Rückmeldung. Und in dieser E-Mail stand auch nur, dass der Bericht ihm ähnlich gut gefallen hat wie meinem betrieblichen Betreuer. Keine Punktzahl – denn die darf er mir nicht direkt mitteilen, sondern muss sie in Wetzlar melden, wo die Verwaltung der dualen Studiengänge sitzt. Die Leute da laden dann irgendwann die Noten im Online-Portal von Studium Plus hoch… irgendwann.

Beide Bewertungen kommen also in einen Topf, werden durch zwei geteilt und ergeben folglich also irgendein Ergebnis, was ich euch bei meinem ersten Bericht noch nicht sagen kann, weil die Leute in Wetzlar das noch nicht online gestellt haben.

Tja, und das war es dann auch mit der Praxisphase. Bald erscheint sie in meiner Leistungsübersicht und schon seit mehreren Monaten habe ich eher das aktuelle Semester und den aktuellen Stoff im Kopf – denn gerade stecke ich mitten in meiner Klausurenphase des zweiten Semesters und die ist alles andere als lustig.


Dieser Post ist Teil einer Reihe über mein duales Studium der Fachrichtung Maschinenbau. Bisher erschien ein Post als Überblick über das Studium und es sind weitere geplant zu den einzelnen Semestern und Praxisphasen.
Hier geht es zu allen erschienen Posts.

- geschrieben von Tabea -

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Dienstag, 16. Mai 2017

Duales Studium Maschinenbau: 1. Semester

Hallo ihr Lieben!

Weiter geht es mit der Postreihe über mein Studium! Ich habe euch ja bereits einen Überblick über den Ablauf von der Bewerbung bis zum Abschluss gegeben und von der Kennlernphase im Unternehmen erzählt – also ist heute das erste Semester dran.

Dieses begann bei mir Mitte Oktober 2016, nachdem ich einige Brückenkurse zur Vorbereitung absolviert hatte. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Alltag für Studenten an anderen Hochschulen und Unis ganz anders aussieht als bei mir an der Außenstelle der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM).

Duales Studium Maschinenbau - Erstes Semester

Der Stundenplan

Ich durfte mir nun nämlich jeden Freitag einen neuen Stundenplan downloaden. Es gab zwar jedes Mal einen, der bis zum Semesterende reichte, aber fast jede Woche kamen eben Änderungen hinzu. Meine Fächer fanden auch nicht jede Woche zur gleichen Zeit statt, zumindest einige. Somit musste ich den aktuellen Plan immer zur Hand haben, wenn ich Termine absprechen wollte… und nicht mal dann wusste ich sicher, dass ich nicht kurz vorher doch wieder was verschieben und absagen muss, weil immer wieder Vorlesungen hinzukamen, verschoben und verlegt wurden. Das hat mich manchmal wirklich genervt.

Übrigens: Die Woche geht an der THM sechs Tage lang. Wir hatten an ca. zwei von drei Samstagen Vorlesungen und dafür dann ab und zu unter der Woche mal einen Tag frei. Grundsätzlich hatte ich aber wohl immer 5 oder 6 Schultage, auch wenn ich an manchen nur 4 Stunden Unterricht hatte.

Nett war da, dass es sehr oft frühstens um 9:50 Uhr losging – also konnten wir immer recht ausgeschlafen in dem kleinen Hörsaal antanzen. Nur samstags sollten wir immer bereits um 8 erscheinen, wenn da Unterricht war. Wo ist da nur die Logik?
Mein Semester besteht nur aus 23 oder 24 Studenten, von denen ich das einzige Mädchen bin, und auch in den anderen Jahrgängen sieht es nicht großartig anders aus. Daher passen auch nur um die 30 Leute in unsere Hörsäle und in einige sogar nur 15 bis 20 Personen.

Die Fächer

So,… kommen wir mal zu den Fächern. Was wird denn so im ersten Semester Maschinenbau unterrichtet?

Mathe

Mathe zählt zu den wichtigeren Fächern, fürchte ich. Denn davon waren einige Wochenstunden abzusitzen, viel mehr als in manchen anderen Fächern. Inhaltlich war hier für mich nur sehr wenig neuer Stoff dabei, aber von meinen Mitschülern hatten einige doch zu kämpfen. Woran das lag? Es wird ziemlich viel behandelt, was man auf dem Weg zum hessischen Zentralabitur in der Oberstufe zur Genüge durchkaut. Teilweise konnte ich sogar meine Lernzettel vom Abitur wieder herauskramen und damit lernen.

Wenn man allerdings ein Fachabitur gemacht hat, dann kann es leicht passieren, dass einem nicht alles zufällt und man sich viel von seinen Mitschülern erklären lassen muss, um die Aufgaben lösen zu können.

Unser Dozent war leider nicht wirklich einer der besten… eigentlich nicht mal Mittelmaß. Ja, er besaß Begeisterung für die Mathematik. Mehr aber auch nicht, denn erklären konnte er gar nicht und vieles setzte er eben einfach voraus, was für ein paar meiner Mitschüler ziemlich unpraktisch war. Der Schwierigkeitsgrad seiner Aufgaben schwankte zudem enorm und man wusste daher nicht, was einen in der Klausur erwarten würde. Die Probeklausur half da auch nicht, da diese sehr einfach war und die eigentliche Klausur am Semesterende es dann laut meiner Mitschüler voll in sich hatte. (Bei mir war es komischerweise so, dass ich mit der auch keine Probleme hatte, aber bei der Probeklausur zu viele Punkte wegen Ungenauigkeiten verlor.)

Was hier vielleicht noch erwähnenswert ist: Mathe zählte zu den Vorlesungen, bei denen wir immer ein bis zwei Stunden Theorie hörten (wie gesagt wenig verständlich dargelegt) und anschließend ein Übungsblatt rechnen mussten, dass dann verglichen wurde. Die strikte Trennung von Vorlesung und Übung, so wie meine Freundin sie im Mathestudium hat, gibt es bei uns an der THM in Frankenberg also nicht.

Englisch

Deutsch steht nicht auf dem Plan, Englisch aber schon. Da wir ja alle Ingenieure werden wollen, müssen wir eben ein klein wenig Buissness-English und auch Technical-English beherrschen, falls wir später mal im Ausland eingesetzt werden oder Kontakt zu internationalen Partnern haben.

Während in der Schule also früher Vokabeln, Grammatik und Interpretieren im Vordergrund standen, waren es nun technische Vokabeln und das Verstehen von technischen Texten sowie das Schreiben von seriösen Dokumenten. Ich lernte also noch ein paar neue Wörter kennen, schrieb „geschäftliche“ Mails und formale Berichte und las Texte über Raketen und Autos. Okay, ein bisschen Grammatik haben wir dann doch wiederholt, denn manche Mitschüler hatten ja schon seit Jahren kein Englisch mehr gelernt oder überhaupt irgendwie im Alltag gebraucht.

Insgesamt hatte ich mit diesem Fach eher wenig Probleme. Es nervte zwar, wieder Vokabeln lernen zu müssen, aber das Schreiben und das Diskutieren haben mir sogar etwas Spaß gemacht.

Zusätzlich zur Klausur mussten wir hier übrigens auch in Partnerarbeit eine Präsentation zu einem technischen Thema vorbereiten und halten. Erst hatte ich davor ziemlich Angst, doch mein Partner war Gold wert: Er wählte für uns das Thema „Trochaidales Fräsen“ aus. Dazu findet man ganz gut Information im Netz und wir stellten dann einen Vergleich mit herkömmlichen Fräsen an und zeigten Vor- sowie Nachteile auf. Die Präsentation sollte auch nicht mal 10 Minuten dauern, sodass das alles kein Problem war. Als wir dann alles präsentiert hatten, fürchteten wir nur beide, dem anderen die Note verdorben zu haben – und bekamen schließlich beide eine fast identische Punktzahl, mit der wir sehr zufrieden waren.

Duales Studium Maschinenbau - Erstes Semester

Fertigungstechnik

Jetzt aber mal zu einem Fach, das ich noch nicht aus der Schule kannte. Hier hatten jetzt all die Leute einen Vorteil, die bereits eine Ausbildung absolviert hatten.

In diesem Fach lernten wir diverse Fertigungsverfahren kennen – und mit divers meine ich, dass das sicher an die 100 Stück waren. Und zu jedem bekamen wir einige Kennwerte geliefert (Geschwindigkeit, rentable Stückzahlen, Preis,…) und sollten die dann in der Klausur am Ende wissen. Nur die Erklärung, wie ein Verfahren funktioniert, habe ich häufig vermisst, da ich eben nicht so wirklich eine Ahnung hatte, was z.B. Tiefziehen ist und wie ich mir das vorzustellen habe. Wie gesagt, mit Ausbildung war man im Vorteil.

Der Dozent prädigte immer wieder:

Fertigungstechnik darf man nicht auswendig lernen, das muss man verstehen.
- Mein Dozent für Fertigungstechnik

Meine Mitschüler und ich waren da aber anderer Meinung. Klar – verstehen muss man, warum welches Verfahren für welchen Zweck geeignet ist oder eben nicht, aber all die Zahlen und Namen kann sich doch niemand einfach so merken! Wir lernten wie blöd auswendig und ich auch auf Lücke, denn anders ging es einfach nicht. Und eigentlich muss ich die Schnittgeschwindigkeit beim Laserschneiden auch nicht aus dem Kopf wissen, da die in der Praxis sowohl von der Maschine, als auch vom Material abhängt und nachgeschaut werden kann…

Unser Dozent wollte mit uns übrigens unbedingt eine Betriebsbesichtigung machen. Das war zwar eigentlich eine schöne Idee, aber blöderweise setzte er die in der stressigen Zeit vor den Klausuren.

Angesehen haben wir uns bei der Firma Bretthauer, die Kunststofftechnik herstellt, wie deren Produkte entstehen und worauf sie in der Kunststoffverarbeitung achten müssen. Alles in allem fand ich das doch ganz interessant – wer hätte gedacht, dass Sitzlehnen im Flugzeug aus Kunststoff wegen der enormen Sicherheitsanforderungen nur von gerade dieser Firma gefertigt werden können, da diese das passende Konzept entwickelt haben?

Werkstofftechnik

Mein Lieblingsfach! Hier lernt man alles, was in Metallen vor sich geht und wie diese geprüft werden, würde ich sagen.

Also angefangen hat es mit dem Aufbau eines Metalls, dann ging es über den Zugversuch und den Schwingversuch zu weiteren Werkstoffprüfungen und anschließend beschäftigten wir uns damit, wie Schmelzen von zwei unterschiedlichen und miteinander gemischten Stoffen erstarren.

Ich fand das alles unheimlich spannend, denn hier wurde mir klar, wie man ermitteln kann, ob ein Material für den Einsatzzweck geeignet ist. Auch habe ich gelernt, wie überprüft werden kann, ob ein Bauteil noch in Ordnung ist, und der Gitteraufbau und das Erstarren von Schmelzen war für mich sowieso total spannend, da meine Firma ja Metall verarbeitet und dieses dabei auch erhitzt, um es zu formen und vergüten. Es ist für mich also gut zu wissen, was während dieser Prozesse im Metall vor sich geht, finde ich.

Meine Mitschüler, die eher in anderen Bereichen arbeiten werden und nicht so viel mit Metall zu tun haben, fanden das Fach aber eher blöd. Es war eben teilweise nicht alles einfach zu verstehen und unser Dozent hatte Persönlichkeit. Was ich damit ausdrücken will? Er ist durchaus ein super netter Mensch, er kann gut erklären, aber seine Art muss man eben mögen. Ich fand sie super, aber manche eben nicht.

Trotzdem war dieses Fach eins, dass mir wochenlang Panik bereitete wegen der Klausur. Um diese Klausur schreiben zu dürfen, musste man vorher nämlich einige Onlinetests im Moodle der Hochschule zu 100% richtig abgeschlossen haben. Grundlage für diese Tests waren eigentlich die Vorlesungen und die Laborpraktika, welche auch Teil des Stundenplans waren.

Dummerweise waren die Laborpraktika erst recht spät angesetzt, sodass die Zeit eher knapp war. Außerdem wurde in den Vorlesungen kaum was zu vielen der Multiple-Choise-Fragen gesagt und im Internet waren Informationen auch schwer zu finden. Im Praktikum wurden auch nicht alle Fragen angesprochen… und zudem musste man jeden Test, bei dem man zwar viele Versuche hatte, komplett von vorne beginnen, wenn irgendwas falsch war. Und das, obwohl die bei mir meist 2-3 Stunden dauerten; an einem saß ich insgesamt dann sicher 15 Stunden, bis ich es endlich geschafft hatte.

Somit hatte ich bis kurz vor der Klausur Angst, an diesen Tests zu scheitern. Und ohne Klausur werden ja auch die Credit Points nicht gewertet…

Am Ende hat aber alles hingehauen, sogar mit Traumnote 🙂.

Technische Mechanik

Und vom besten Fach kommen wir dann auch gleich zu dem, dass mir die größten Probleme bereitete. Technische Mechanik beschäftigt sich mit Kräften, die auf und im Inneren von Tragwerke wirken. Da kann man eine Menge berechnen; und genau das sollten wir in diesen Vorlesungen lernen.

Verstanden habe ich zwar, wie man rechnen soll, aber gerade dann, wenn ich Kräfte im Inneren der Tragwerke selbst bestimmen sollte, bin ich eigentlich immer gescheitert. Ich weiß einfach nicht, woran das lag, und hoffe nur, dass ich mit den beiden noch kommenden Semestern, in denen dieses Fach auf dem Plan steht, besser klar komme.

Achja, Mittelpunkte von Linien, Flächen etc. mussten wir auch berechnen und Kräfte durften ebenfalls addiert werden.

Gut gefallen hat mir aber die Struktur der Vorlesungen: 2 Stunden Vortrag vom Dozenten, in dem er uns Beispiele vorrechnete und uns mit einbezog, waren gefolgt von 2 Stunden, in denen wir rechneten. Die Lösungen gab es immer direkt dazu auf der Rückseite des Übungsblattes und der Dozent ging während dieser Zeit durch die Reihen und half jedem, der nicht weiter kam. Wirklich, auch wenn er schon längst das Rentenalter erreicht hat – dieser Mann hatte es drauf zu unterrichten!

Naturwissenschaften

Man hätte dieses Fach auch Physik nennen können. Zunächst ging es um Bewegungen (mit und ohne Beschleunigung, Wurfbewegungen), dann kamen Kräfte hinzu und schließlich ging es um Gase und Flüssigkeiten (Die werden auf „schlau“ dann Fluide genannt… 😉).

Wirklich interessant war das alles nicht, da ich vieles schon aus den Abiturvorbereitungen kannte. Gerade die Bewegungen am Anfang waren pure Wiederholung und die Kräfte kannten wir alle schon aus der Technischen Mechanik.

Achja, das hier war übrigens wieder ein Fach, dass Vorlesung und Übungen kombinierte: Allerdings nicht getrennt, sondern immer 5-10 Minuten zuhören, eine Aufgabe rechnen, vergleichen. Und wir waren alle furchtbar genervt davon, dass es kein fertiges Skript gab, sondern wir alles von an die Wand geworfenen Blättern abschreiben durften. In allen anderen Fächern hatten wir nämlich ein gedrucktes Skript, dass wir nur mit Anmerkungen und Markierungen ergänzten.
(Aber jetzt, wo ich im zweiten Semester beim gleichen Dozenten den zweiten Teil von den Naturwissenschaften habe, hat er auch ein Skript ausgeteilt, da er sich unsere Kritik zu Herzen genommen hat.)

Duales Studium Maschinenbau - Erstes Semester

Coaching

Das hier ist so ein Fach, was nicht so ganz ernst zu nehmen ist, finde ich. „Unterrichtet“ wird es von ehemaligen dualen Studenten, die bereits Fuß gefasst haben im Berufsleben. Am Anfang jeder Vorlesung soll man kurz sagen, wie man mit dem Studium zurecht kommt und wo es Probleme, beispielsweise mit den Dozenten, gibt.

Danach stehen dann Themen wie „Lernstrategien“, „Höflichkeitsetikette“, „Tipps zum Praxisphasenbericht“ und „Motivation und Ziele“ auf der Agenda… also eigentlich alles sinnvolle Themen, aber leider sind die so oberflächlich aufbereitet, dass man da kaum was Neues mitnehmen kann.

Dafür ist der Unterricht aber auch entspannt und es wird in der Mittagspause gemeinschaftlich Essen bestellt. Und eine Klausur am Ende gibt es auch nicht – nur anwesend muss man eben gewesen sein, um die Credit Points zu bekommen.

Technik-Modul

Kein richtiges Fach ist das Technik-Modul gewesen. Es fand in einer anderen Außenstelle der Hochschule statt und dauerte ganze zwei Tage. Am Ende gab es dann eine Teilnahme-Urkunde und die Credit Points… aber Spaß hatte ich da nicht so recht.

Am Morgen des ersten Tages fuhr ich erst mal nach Biedenkopf, also ca. 35 Minuten Fahrzeit im Schnee. Danke. Und dann dauerte das Modul bis abends… es ging um Kurvenfahrten und das Fahrverhalten. Aus anderen Außenstellen (Hersfeld, Biedenkopf, Limburg…) waren auch noch Leute aus den Ingenieurs-Studiengängen da und wir wurden in Gruppen (gemischt) eingeteilt. Nun galt es als Team ein Lego-Auto zu bauen, dass möglichst schnell eine gerade Strecke fährt und rechtzeitig nach einer Linie anhält (ein Mal bei bekannter Streckenlänge und ein Mal, bevor ein Hindernis kommt). Außerdem sollte das Auto danach noch 10 Mal um eine Pylone fahren, ohne diese zu verschieben – natürlich auch so schnell es geht. Zusätzlich mussten wir noch pro Gruppe einen Vortrag zu drei Auto- oder Konstrukitonsthemen an diesen zwei Tagen aus dem Hut zaubern.

Übernachtet haben wir in einer gammeligen Jugendherberge… geschlafen haben wir nicht, weil es da furchtbar laut war (und meine Mitschüler schliefen auch teilweise nicht, weil sie dafür gesorgt haben, dass die Kneipen in Biedenkopf mal ein bisschen Umsatz machen 😉).

Am nächsten Morgen war also niemand mehr gut gelaunt und wir wollten nur nach Hause. Meine Gruppe hatte die Motivation und die Hoffnung auf den Sieg gegen die anderen Gruppen eh schon verloren, nachdem unser Auto am Vortag im Test bestens funktionierte und dann beim Rennen völlig versagte. Trotzdem, wir kämpften uns durch und eigentlich war zumindest die Gesellschaft gut 🙂 Froh waren wir, als wir abends endlich ins Auto springen und wegfahren durften.

Wissenschaftliches Arbeiten

Wieder so ein Modul, aber es dauerte nur 8 Stunden am Stück. Da lernten wir, wie man richtig zitiert und welche Bestandteile eine wissenschaftliche Arbeit aufweist (Vorwort, Inhaltsverzeichnis, Einleitung, Fazit,… Ihr wisst schon, was ich meine.).
Das war wichtig, damit wir in der kommenden Praxisphase dann am Ende unseren Bericht über diese verfassen können – denn der entscheidet über die Benotung der Praxisphase. Spannend war es zwar nicht, aber gut war es schon, da mal ein paar Fragen stellen zu können und dann das Skript zu haben, wo man später alles nachschlagen kann. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass ich seitdem wirklich zitieren kann – denn ich muss alles nachschauen und bin mir manchmal trotzdem unsicher.

Allgemeines zu den Vorlesungen

Das waren sie also, meine Fächer im ersten Semester. Bei jeder Vorlesung herrscht im Übrigen in unserem dualen Studiengang Anwesenheitspflicht, die anhand einer Unterschriftenliste auch jedes Mal kontrolliert wird. Dies finde ich verständlich, da unsere Betriebe ja alle eine Menge Geld an uns selbst in Form von Gehalt und zusätzlich auch noch an die THM zahlen, damit wir dieses Studium machen können. Da darf man verlangen, dass wir uns die Vorträge der Dozenten auch anhören.

Ist studieren anders als Schule?

Jein. Also ich denke, das sieht bei „normalen“ Studiengängen ohne duale Verknüpfung und eventuell sogar an anderen Hochschulen schon ganz anders aus, aber bei mir war die Umstellung von Oberstufe auf Hochschule eher gering. Wir waren ja in jeder Vorlesung nur 18-24 Leute und die Lehrer haben uns eigentlich alle in den Unterricht mit einbezogen. Klar, die Mitarbeit wurde nicht mehr benotet, aber trotzdem eben noch eingefordert. Mit 32 Wochenstunden lag ich auch ungefähr auf dem Niveau, dass ich im Abitur am Ende zu stemmen hatte.

Der größte Unterschied für mich lag daran, dass wir ein Fach meist 4-6 Stunden am Stück hatten, weil die Dozenten eine weitere Anfahrt hatten und meist eben nur ein Semester unterrichten. Außerdem gab es eben das Skript, sodass ich wesentlich weniger selbst schreiben musste. Dafür musste ich mich aber nach jeder Vorlesung zu Hause noch mal hinsetzen und mir eine Zusammenfassung schreiben, weil man eben sehr viel in der kurzen Zeit durchspricht und im Kopf behalten soll.

Die Klausurenphase kam mir auch stressiger vor als damals in der Schule, weil eben alle Klausuren quasi die Note für ein halbes Jahr „Arbeit“ sind… sonst hatte ich ja immer noch das Mündliche und die zweite Klausur zum Ausgleichen, falls mal was schief geht.

Grundsätzlich bin ich aber das ganze Semester über gern in die Hochschule gegangen, weil meine Mitschüler eben so nett sind und wir uns gegenseitig immer weiter geholfen haben.

Hast du sonst noch Fragen zu ersten Semester? War dein Studium ganz anders oder stellst du dir das Studieren vielleicht auch allgemein ganz anders vor?

- geschrieben von Tabea -

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Dienstag, 21. Februar 2017

Duales Studium Maschinenbau – ein Überblick

Hallo ihr lieben Menschen vor dem Bildschirm!

Ich denke, die meisten von euch wissen, dass ich seit dem vergangenen Sommer auch zu den Studenten zähle. Da sich nun aber Nicole gewünscht hatte, dass ich mal mehr über diesen Teil meines Lebens erzähle, möchte ich das natürlich tun.
So kommt es also, dass ich diesen Post hier getippt habe, um euch eine Übersicht darüber zu geben, was ich studiere und wie der grobe Ablauf des Studiums aussieht. Ich studiere nämlich nicht wie viele meiner Freunde einfach an einer Universität und lebe von Bafög, Geld meiner Eltern oder einem Nebenjob, sondern mache ein duales Studium.

Duales Studium Maschinenbau Überblick

Was studiere ich? Und warum?

Bachelor of Engineering nennt sich der Abschluss, den ich in insgesamt 6 Semestern erreichen will. Dahin soll mich ein dualer Studiengang der Fachrichtung Maschinenbau führen.

Gewählt habe ich gerade diesen Studiengang, weil mir schon seit ich denken kann alle naturwissenschaftlichen Fächern Spaß machen und ich auch in Mathe meist sehr gute Noten hatte, ohne das Fach zu mögen oder viel dafür zu lernen. All die geisteswissenschaftlichen Fächer oder Sprachen haben bei mir viel mehr Einsatz erfordert, um gute Noten erzielen zu können. Da ich nun aber eine eher faule Person bin, habe ich dann überlegt, für welchen Studiengang man hauptsächlich Mathe und Physik und Chemie braucht und anfangs fiel mir da nur Maschinenbau ein. Ein Mal die Beschreibung des Studiengangs durchgelesen… Sie klang ganz ansprechend. Und dann habe ich meine Suche nach dem passenden Studium auch schon beendet, denn warum sollte ich weiter suchen, wenn Maschinenbau gut klingt?

Duales Studium Maschinenbau Überblick

Warum dual?

Ich bin kein Mensch, der Spaß daran hat, jahrelang Theorie zu lernen und sie so gut wie nicht anzuwenden. Dann kann ich mir die Inhalte nur schwer merken und habe das Gefühl, ich würde nur unnützes Zeug lernen. Ihr kennt dieses Gefühl sicher alle auch noch aus der Schule – sei es nun von Interpretationen im Lateinunterricht oder Vektoren in Mathe.

Ein duales Studium löst dieses Problem, da man ja immer wieder Zeit in seinem Partner Unternehmen verbringt und dort Aufgaben erledigt, die an die Lerninhalte anknüpfen.

Aber es gab noch einen weiteren wichtigen Grund dafür, dass für mich kein gewöhnliches Studium in Frage kam. Eher hätte ich eine Ausbildung begonnen, als mich an einer Uni einzuschreiben. Ich wollte nämlich eigenes Geld verdienen.
Mein Papa hätte mir zwar ohne zu zögern sicher auch das komplette Studium finanziert, aber ich nehme nicht gern so viel Hilfe an, bei der ich mich zu größtem Dank verpflichtet fühle.

Achja, und ich gehöre übrigens zu den Menschen, die große Angst vor Arbeitslosigkeit haben. Nach dem Studium vielleicht keinen Job zu finden, war einer meiner größten Albträume.
Dieses Problem löst ein duales Studium natürlich auch, denn man ist meistens für ein paar Jahre verpflichtet, in dem Partnerbetrieb zu arbeiten. Die investieren ja nicht zum Spaß so viel Geld in die Ausbildung von jungen Leuten, sondern wollen dann auch von qualifizierten Arbeitskräften profitieren. Mir kommt das sehr entgegen, wenn ich nach dem Studium zumindest nicht unmittelbar auf Jobsuche gehen muss.

Einen Nebenaspekt möchte ich auch noch nennen: Ursprünglich wollte ich nicht bei meiner Mama ausziehen. Ich habe unseren Frauenhaushalt einfach geliebt und es sah damals, als ich mir in der 9. Klasse in den Kopf setzte, dual zu studieren, so aus, als könnte ich währenddessen weiterhin bei ihr wohnen. Letztendlich kam es zwar anders, aber damals war das für mich auch ein Pro-Argument.

Duales Studium Maschinenbau Überblick

Wie bin ich an den Studienplatz gekommen?

Vielleicht könnt ihr es euch schon denken, aber an einer Hochschule oder Universität habe ich mich gar nicht bewerben müssen, sondern direkt bei Unternehmen.

Ich habe also die örtliche Tageszeitung durchforstet nach Anzeigen von Betrieben, die duale Studiengänge anbieten und das auch noch im Bereich Maschinenbau. Grundsätzlich fiel mir hierbei auf, das Maschinenbau eine gute Wahl gewesen ist, denn dieser Studiengang wird relativ oft angeboten, von diversen Industriebetrieben.

Nun schrieb ich Bewerbungen, manche versendete ich per E-Mail, manche musste ich online ausfüllen und einreichen. Das tat ich übrigens in den Sommerferien vor meinem letzten Schuljahr, denn bei dualen Studienplätzen gilt: Die sind schnell weg. Man bewirbt sich daher immer ein Jahr vorher.

Anschließend bekam ich einige Einladungen zu Einstellungstests, von manchen Betrieben aber auch gar keine Rückmeldung. Nach einem Einstellungstest wurde ich sogar am 6. Oktober zu einem Vorstellungsgespräch – meinem allerersten überhaupt – eingeladen. Das lief allerdings nicht so gut und man wollte mich eher überzeugen, Elektrotechnik zu studieren… Danach hörte ich von der Firma wochenlang nichts.
Und in diesen Wochen war ich bei einem weiteren Einstellungstest, der aber direkt am nächsten oder übernächsten Tag von einer Absage im Mail-Postfach gefolgt wurde.

Fast hatte ich schon die Befürchtung, dass ich einfach nicht gut genug sei, um einen Platz zu ergattern. Doch dann kam ein Anruf – völlig unerwartet von einer Firma, die ich schon wieder vergessen hatte. Man sagte mir, dass man keinen Einstellungstest machen wolle, da meine Noten zeigen würden, dass ich das Zeug dazu habe, das Studium zu schaffen. Stattdessen bekam ich eine Einladung zum Vorstellungsgespräch!
Ihr glaubt nicht, wie froh ich darüber war!

Das Vorstellungsgespräch lief ganz anders als das erste. Hier versuchte man, mir den Betrieb näher zu bringen und mich zu überzeugen, dass er für mich geeignet ist. Man zeigte Interesse an meinem Leben, meiner Persönlichkeit und wies mich aber auch auf Dinge hin, die mich bei meiner zukünftigen Arbeit nicht stören durften. Der Betrieb ist nämlich etwas lauter und dreckiger – er stellt Verschleißteile für Landmaschinen her.

Bereits eine Woche später bekam ich die Zusage – es war inzwischen Mitte November. Anfang Januar flatterte der Arbeitsvertrag in den Briefkasten, ich unterschrieb und war erleichtert, endlich sicher zu wissen, wie es nach dem Abitur weiter geht.

Duales Studium Maschinenbau Überblick

Und mit dem Arbeitsvertrag kümmerte sich das Unternehmen dann darum, dass ich einen Hochschulplatz bekam – bei der technischen Hochschule Mittelhessen in der Außenstelle Frankenberg, welche nur 25 Minuten mit dem Auto vom Betrieb entfernt ist und gerade mal knapp unter hundert Studenten hat.
Es gibt allerdings noch eine ganze Menge weiterer Außenstellen von dieser Hochschule in Hessen und zusätzlich die Standorte der THM, an denen ein ganz normales Studium ohne Praxisbezug angeboten wird. Somit kann man das duale Studium in Hessen an sehr vielen verschiedenen Ecken beginnen.

Übrigens hat man mir immer erzählt, man bräuchte wirklich gute Noten im Abitur, um von einem Unternehmen genommen zu werden. Durch Gespräche mit meinen Mitschülern habe ich aber Folgendes erfahren: Das Abitur kann auch mittelmäßig ausfallen, wenn man dafür vor Studienbeginn noch eine Ausbildung in einem passenden Beruf absolviert hat. Jemand, der nun Elektrotechnik in meinem Semester studiert, hat zwar nur einen Schnitt von 2,5 (oder etwas in dem Dreh) gehabt, aber da er vorher Elektroniker gelernt hat, bekam er statt jemandem mit einem 1,0er Abitur den dualen Studienplatz in seinem Unternehmen. Also – es kommt da nicht nur auf schulische Noten an, sondern auch darauf, was man sonst noch gemacht hat.
Und so kommt es, dass mein Semester zwar nur aus Leuten zwischen 18 und 25 besteht, aber darunter eben einige sind, die direkt nach dem Abitur angefangen haben und andere haben eine Ausbildung und Fachabitur. (Ich komme übrigens direkt vom Abitur… aber das ist ja schon durchgeklungen, stimmt’s?)

Wie sieht der grobe Ablauf aus?

Also zunächst möchte ich noch anmerken, dass dieses duale Studium unter dem Namen „Studium Plus“ von der THM angeboten wird. Es gibt auch noch andere Modelle von dualen Studiengängen, die anders ablaufen.
Mein Studium ermöglicht es mir, in 6 Semestern einen Bachelor zu erreichen – wobei das in allen kommenden Jahrgängen auf 7 Semester erhöht wird.

Begonnen habe ich am 1. August mit einer Kennlernphase, die im Unternehmen stattgefunden hat. All meine Mitschüler hatten in ihren Betrieben auch eine solche Phase, doch wie die gestaltet ist, variiert von Unternehmen zu Unternehmen.
Ich lernte also in den Wochen bis zum Semesterbeginn im Oktober fast alle Abteilungen kennen und hatte dabei die in meinem Betrieb übliche Wochenarbeitszeit von 35 Stunden.
Brückenkurse, die von der Hochschule als Vorbereitung auf das erste Semester angeboten wurden, fanden allerdings auch in dieser Zeit statt.

Am 10. Oktober begannen dann meine Vorlesungen und von da an war ich bis nach Ende des ersten Semesters nicht mehr im Betrieb.

Nun hat gerade eine Praxisphase begonnen, in der ich mein neu erlerntes Wissen anwenden soll. Dazu muss ich dann auch einen Bericht verfassen.

Und in den kommenden Jahren erwartet mich zwischen dem zweitem und dritten Semester und zwischen dem dritten und vierten Semester noch eine weitere Praxisphase mit Bericht und sogar einer Präsentation dazu. Das fünfte Semester ist allerdings komplett praktisch – da bin ich nur in meinem Partnerunternehmen und muss ein Projekt bearbeiten und darüber einen Bericht verfassen. Und nach dem sechsten Semester mit Thesis bin ich dann fertig – und habe meinen Bachelor. So sieht der Plan aus.

Duales Studium Maschinenbau Überblick

Wie ist das mit dem Geld?

Ich hatte ja vorhin erwähnt, dass ich auch wegen der finanziellen Unabhängigkeit ein duales Studium interessant finde. Also sollte ich euch wohl auch verraten, woher meine Geld zum Leben kommt.

Also, bei Studium Plus läuft das so: Jeder Betrieb zahlt seinen Studenten monatlich ein Gehalt aus. Die Höhe davon liegt aber im Ermessen des Betriebes.

Bei mir bedeutet das, dass ich so viel bekomme, wie die Azubis in meinem Betrieb. Mit knapp 750 Euro nette stehe ich da im Vergleich zu meinen Mitschülern auch gar nicht schlecht da.
Manche Betriebe übernehmen zusätzlich dazu aber noch die Semesterbeiträge – meiner auch. Und sogar Weihnachtsgeld habe ich erhalten.

Trotzdem muss ich nicht nur von diesem Geld leben, denn mein Vater hat mir angeboten, weiterhin etwas Unterhalt zu zahlen, und von meiner Mama bekomme ich einen Teil des Kindergeldes, da ich die meiste Zeit des Monats in meiner eigenen Wohnung lebe. Somit habe ich knapp über 1000 Euro jeden Monat zur Verfügung, von denen ich meine Miete, den Strom, das Essen, den Sprit und all die Kleinigkeiten bezahle. Das reicht bei mir wirklich gut und es bleibt jeden Monat eine meiner Meinung nach recht große Menge übrig, die ich für Urlaube spare.

Und sonst so?

Ich habe es bisher keinen Moment bereut, diesen Weg gegangen zu sein – auch, wenn ich nun mal keine wochenlangen Semesterferien habe.

Von der Kennlernphase, den Praxisphasen und auch den Semestern werde ich euch dann also in den nächsten Monaten immer mal wieder berichten. Ich hoffe, euch interessiert das überhaupt, aber bis jetzt war es immer so, dass meine Freunde und auch die Familie des Öfteren nach Details zu meinem Studium gefragt haben 😉.

Habt ihr auch in irgendeiner Art studiert oder plant das in Zukunft? Und falls ja, in welche Richtung geht/ging es bei euch?


Dieser Post ist der Teil einer Reihe über mein duales Studium der Fachrichtung Maschinenbau.
Hier geht es zu allen bereits erschienen Posts dazu.

- geschrieben von Tabea -

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