Donnerstag, 14. September 2017

Bundestagswahl 2017: Die Grünen im Interview

Hallo!

So – langsam habt ihr wohl gemerkt, dass diese Woche auf meinem Blog im Zeichen der Bundestagswahl steht – und daher wird es wohl kaum jemanden verwundern, dass ich euch auch heute die Politik ein bisschen näher bringen möchte.

Als ich anfing, diese Beitragsreihe zu den Wahlen zu planen, wollte ich eigentlich alle Parteien in einem kurzen Interview vorstellen und nicht deren Programm so wie das der Grünen gestern zusammenfassen und kommentieren. Das Problem? Ich schickte 6 Anfragen an Parteien heraus und bekam einige Absagen. Manche nahmen sich nicht mal die Zeit, mir zu antworten.

Nur die Tierschutzpartei sagte mir auf Anhieb zu – das Interview gibt es dann in drei Tagen hier zu lesen.

Geschlagen geben wollte ich mich aber noch nicht wirklich, also schrieb ich bei den Grünen und den Linken auch die Ortsgruppe meines Landkreises noch an und fragte dort, ob mir jemand für ein paar Fragen zur Verfügung stehen wolle. Eine Absage kam von den Linken… aber was ist mit den Grünen?

Da zwei Monate ins Land gingen, ehe ich von denen hörte, bereitete ich in der Zwischenzeit den gestrigen Post und auch den Post über das Wahlprogramm der Linken (erscheint morgen) vor – die übrigen Parteien überlasse ich Nicole.

Die nicht vorhandene Antwort der Grünen war für mich zunächst eben ein Zeichen dafür, dass sie wohl kein Interesse hätten… aber falsch gedacht! Vor ungefähr 8 Tagen kam dann doch eine Mail von den Grünen, dass ich mich gern an Bettina Hoffmann wenden und sie ausfragen dürfe. Also habe ich das dann auch getan – und beschlossen, das Interview in einem eigenen Beitrag zusätzlich zum Wahlprogramm zu veröffentlichen, denn sonst wäre der Post gestern doch unheimlich lang geworden.

Wer ist Frau Hoffmann?

Frau Hoffmann ist nicht irgendwer… also sie ist natürlich Parteimitglied der Grünen, sonst hätte das Interview ja wenig Sinn gemacht.

Allerdings ist sie bei dieser Bundestagswahl sogar als Direktmandatin aufgestellt und möchte den Wahlkreis Schwalm-Eder im Bundestag vertreten.

Die Biologin wurde 1960 geboren und ist seit 1997 ehrenamtlich für die Grünen tätig.

Am 16.9.2017 kann man sie vormittags übrigens persönlich in Frankenberg am Wahlstand der Grünen antreffen – ich werde mir das nicht entgehen lassen!

BTW17: Interview mit Bettina Hoffmann von den Grünen

das Interview mit Bettina Hoffmann von den Grünen

1. Wie wollen die Grünen derart viel erneuerbare Energie produzieren und ganztägig verfügbar machen, dass die im Wahlprogramm genannten Ziele erreicht werden können?

Stürme, Überschwemmungen, Dürren… wir sind die erste Generation, die die Folgen der Klimaerhitzung spürt und die letzte, die etwas dagegen tun kann. Die Lösungen sind vorhanden, sie müssen nur politisch umgesetzt werden. Kohle und Öl zerstören auf Dauer unsere Natur und erhitzen das Klima und gefährden damit unsere Lebensgrundlagen. Die Natur bietet uns unerschöpfliche Quellen: In weniger als 30 Minuten strahlt die Sonne mehr Energie auf die Erde als die Menschheit in einem ganzen Jahr verbraucht. Wir haben in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht, grüne Energien zu nutzen. Schon heute gibt es Tage, an denen Deutschland fast seinen kompletten Strombedarf aus Sonne, Wind und Wasser deckt. Den Weg wollen wir konsequent weiter gehen.
Das haben wir vor:

  • Raus aus der klimaschädlichen Kohle: Wir wollen das Ende der Kohleverstromung verbindlich einleiten – jetzt. Wir werden unverzüglich die 20 dreckigsten Kohlekraftwerke vom Netz nehmen und den CO2-Ausstoß der verbleibendenKohlekraftwerke analog zu den Klimazielen deckeln. Wir werden den Kohleausstieg in Einklang zu unseren Zielen 100 Prozent Erneuerbare Energien im Strombereich bis 2030 gestalten. Dazu führen wir jährliche CO2-Obergrenzen(„Budgets“) für die Kraftwerke ein, die entsprechend der steigenden Klimaschutzanforderungen regelmäßig verschärft werden. Die betroffenen Regionen wollen wir über einen neuen Strukturentwicklungsfonds unterstützen, um neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen.
  • Erneuerbare dynamisch ausbauen: Wir wollen den Ausbau erneuerbarer Energien wieder deutlich steigern und an die Klimaziele des Pariser Klimaabkommens anpassen. Wer eigenen Strom erneuerbar erzeugt, soll dafür keine EEG-Umlage mehr zahlen müssen. So erreicht kostengünstiger Ökostrom Mieter, Hausbesitzerinnen und Unternehmen.
  • Bürgerengagement stärken: Wir wollen die Energiewende wieder zu ein gesellschaftlichen Projekt machen, bei dem jeder zum Mitmachen eingeladen wird. Kleinere Wind- und Solarprojekte werden wir komplett von der neuen, bürokratischen Ausschreibungspflicht befreien. Außerdem wollen wir die Direktvermarktung von Ökostrom in der Region wieder erleichtern.
  • Strom, Wärme und Verkehr zusammenbringen: Ökostrom wird verstärkt Einzug halten in die Wärme- und Verkehrswelt. Er heizt dann Wohnungen, Autos fahren mit Batterien und LKW mit ökologisch erzeugtem Wasserstoff. Das spart Geld und senkt den CO2-Ausstoß. Über ein Markteinführungsprogramm wollen wir die dafür erforderlichen Speicher bereitstellen. Denn sie sind die entscheidende Schnittstelle zwischen Strom-, Wärme- und Verkehrssektor.
  • Atomausstieg konsequent vollenden: Atomkraft ist eine unberechenbare Risikotechnologie. Deshalb wird Deutschland richtigerweise bis 2022 aus der Atomkraft aussteigen. Dieser grüne Erfolg ist ein notwendiger Schritt, aber er ist noch nicht hinreichend. Er ist nur eine Zwischenetappe auf dem Weg zum Ende der Atomkraft. Die Mammutaufgabe der Endlagerung radioaktiver Abfälle wird uns noch über Jahrzehnte beschäftigen. Dank grünem Einsatz konnten wichtige Fortschritte durch die Endlager-Kommission erreicht werden. Dies ist jedoch erst der Anfang. Es gilt in einem transparenten Verfahren unter umfassender Einbeziehung der Öffentlichkeit den bestmöglichen Standort in Deutschland zu finden, der eine sichere Lagerung des Atommülls für einen Zeitraum von einer Million Jahren gewährleistet. Zugleich wollen wir dafür sorgen, dass die gefährlichen Alt-AKWs entlang der deutschen Grenze abgeschaltet und die Urananreicherung und Brennelementeherstellung in Deutschland beendet werden.

2. Wie wollen Sie die Massentierhaltung bekämpfen, ohne Bürger zu verärgern, da Preise für einige Lebensmittel zwangsläufig steigen werden?

Lebensmittel sind heute so billig wie nie. Die Agrarindustrie wirft Fleisch, Milch oder Brot oft zu Dumpingpreisen auf den Markt. Dumpingpreise bedeuten mindere Qualität, Tierquälerei und Naturzerstörung. Und sie führen zu ruinösen Wettbewerb in der Landwirtschaft, der vielen Bäuerinnen und Bauern die Existenzgrundlage nimmt.
Viele Menschen haben die Nase voll von Lebensmittelskandalen und Gift im Essen. Sie sind bereit für gutes und gesundes Essen einen fairen Preis zu zahlen.
Es geht nicht um 100% Bio für alle. Wir wollen gutes Essen zu fairen Preisen, das sich Verbraucherinnen und Verbraucher leisten können, und die den Bauern ein Auskommen sichern. Selbst die Gutachten der Bundesregierung zeigen: die nötigen Veränderungen sind bezahlbar, es geht eher um Cent- als um Eurobeträge.
Da wo das Geld besonders knapp ist, kann auch das zu viel sein. Deshalb wollen wir den ALG-II-Regelsatz erhöhen. Davon profitieren gerade Kinder aus armen Familien. Denn Kinder brauchen gesundes Essen. Wir wollen, dass sie gut versorgt sind: mit gutem Essen auch in Schule und Kita.

Wir Grüne kämpfen für gutes und gesundes Essen ohne Gift, Gentechnik und Tierquälerei.
Wir wollen eine grüne Landwirtschaft, die sich an der Gesundheit der Menschen
und dem Schutz unserer Umwelt ausrichtet. Sie muss Milliarden Menschen ernähren
und die Lebensgrundlagen von morgen erhalten. Darum wollen wir aus der industriellen
Massentierhaltung aussteigen und die industrielle Landwirtschaft umbauen.
Tierleid, Güllefluten, verschmutztes Wasser, zunehmend unfruchtbare Böden, Artensterben,
Gift auf dem Acker und im Essen sind ihre Folgen. Deshalb kämpfen wir für eine grüne Agrarwende.

Das haben wir vor:

  • Raus aus der industriellen Massentierhaltung: Wir wollen die industrielle Massentierhaltung in den nächsten 20 Jahren beenden. Mit schärferen Gesetzen sorgen wir für eine artgerechte Tierhaltung, so dass Tiere mehr Platz, Auslauf,L icht und Beschäftigung bekommen. Wir beenden Kükentöten, Amputationen und Qualzucht. Schweine dürfen ihren Ringelschwanz behalten. Puten dürfen nicht mehr so gezüchtet werden, dass sie unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen.
  • Mehr Geld für Grüne Landwirtschaft: Wir wollen die Fördergelder für die Landwirtschaft umschichten. Öffentliches Geld nur noch für gesellschaftliche Leistungen. Statt agrarindustriellen Fleischfabriken fördern wir eine bäuerlich- ökologische Landwirtschaft ohne Ackergifte, Tierleid und Gentechnik. 1 Mrd. € jährlich könnte man schon heute schnell umleiten.
  • Kein Gift und keine Gentechnik in der Landwirtschaft: Glyphosat ist ein Ackergift, mit dem heute Unkraut bekämpft wird. Es ist gesundheitsgefährdend und es ist heute einer der größten Killer der Artenvielfalt im ländlichen Raum. Neonicotinoide sind Insektengifte, mit denen Schädlinge bekämpft werden. Sie verursachen massenhaftes Bienensterben. Solche Stoffe wollen wir abschaffen. Für alle Pestizide brauchen wir striktere Zulassungsverfahren. Nur für Mensch und Natur wirklich unbedenkliche Stoffe dürfen eingesetzt werden. Wir wollen den Einsatz von Pestiziden (Insekten und Ackergifte) eindämmen, fordern eine Abgabe auf Pestizide und fördern die Forschung zu einer pestizidarmen Landwirtschaft. Wir werden ein Gentechnikgesetz auflegen, das unsere Äcker und unsere Teller frei von Gentechnik hält, auch wenn sie sich als „neu“ tarnt.
  • Lebensmittel für die Verbraucherinnen und Verbraucher besser kennzeichnen: Wir kennzeichnen tierische Produkte (Fleisch, Wurst, Milch, Käse) so, dass die Bürgerinnen und Bürger wissen, was sie kaufen. Wir tun das klar und verlässlich so wie es bei Eiern schon erfolgreich ist. Künftig muss daher auf der Packung gut sichtbar sein, wo und wie die Tiere gehalten wurden: „0“ für ökologische Tierhaltung, „1“ für mehr Platz und Zugang ins Freie, „2“ für mehr Platz und höhere Anforderungen an den Stall, „3“ für die gesetzlichen Mindeststandards.

3. Wie soll das Rentenniveau unserer alternden Bevölkerung stabilisiert werden?

Wir Grüne wollen eine Alterssicherung, die für alle Menschen funktioniert und in der alle solidarisch füreinander einstehen. Alle sollen sicher sein können, dass sich die Rentenbeiträge auszahlen und im Alter keine Armut droht. Dafür stabilisieren wir das Rentenniveau und bauen die gesetzliche Rente zu einer Versicherung für alle Bürgerinnen und Bürger um. Wir führen eine Garantierente gegen Altersarmut ein. Frauen unterstützten wir dabei, eine eigenständige Altersvorsorge aufzubauen.
Wir machen Betriebsrente und private Vorsorge (Riester) attraktiver – besonders für Geringverdienende.

Das haben wir vor:

  • Wir stabilisieren das Rentenniveau. Dabei achten wir darauf, dass die eingezahlten Beiträge zur Rentenversicherung und die ausgezahlten Leistungen in einem angemessenen Verhältnis stehen. Damit kann auch die junge Generation weiter Vertrauen in die Rentenversicherung haben.
  • Eine Rente für alle: Mit der Grünen Bürgerversicherung wollen wir die bestehenden Ungerechtigkeiten beenden. Alle Bürgerinnen und Bürger werden unter der Berücksichtigung aller Einkunftsarten in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen. So sind sie gut abgesichert und versorgt und beteiligen sich entsprechend ihres Einkommens an der Finanzierung. Vor allem für viele Selbständige ist das ein Riesenschritt hin zu mehr sozialer Sicherheit. Und langfristig sorgt es dafür, dass die Rentenversicherung stabil und verlässlich finanziert ist. Mit der Grünen Bürgerversicherung in der Rente ließe sich eine starke positive Wirkung auf Rentenniveau und Beitragssatz erreichen. Wir wollen in einem ersten Schritt zur Bürgerversicherung die nicht anderweitig abgesicherten Selbständigen, Minijobberinnen und Minijobber, Langzeitarbeitslose und Abgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen.
  • Bessere Altersvorsorge für Frauen: Frauen sollen sich im Berufsleben genauso verwirklichen können wie Männer. Das ist gerecht und es schützt Frauen vor Armut im Alter. Dazu muss Familien- und Erwerbsarbeit besser vereinbar werden. Frauen dürfen am Arbeitsmarkt nicht länger benachteiligt werden. So wird es ihnen möglich eigene Renten zu erarbeiten und sich eigenständig sozial abzusichern.
  • Wir wollen eine „Garantierente“ einführen, die Altersarmut verhindert: Langjährig Versicherte, also Menschen, die den größten Teil ihres Lebens gearbeitet haben, Kinder erzogen, andere Menschen gepflegt oder sonstige Anwartschaften in der Rentenversicherung erworben haben, sollen im Alter eine Rente beziehen, die oberhalb der Grundsicherung liegt – ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Anrechnung von betrieblicher und privater Altersvorsorge.
  • Wir wollen auch die private und betriebliche Altersvorsorge stärken. Kapitalgedeckte Altersvorsorge kann man deutlich billiger und deutlich gewinnträchtiger machen als das heute geschieht. Wir wollen deshalb einen „Bürgerfonds“ in öffentlicher Verwaltung einführen, den wir für die betriebliche wie auch die private Vorsorge öffnen. Alle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sollen künftig ihren Beschäftigten eine Betriebsrente anbieten und sie dabei mit einem eigenen Arbeitgeberbeitrag unterstützen. Die öffentliche Förderung der privaten Altersvorsorge soll in Zukunft vor allem Geringverdienenden zugutekommen.
  • Flexible Übergänge in die Rente: Grundsätzlich halten wir an der Rente mit 67 fest. Wir wollen aber, dass Menschenselbst entscheiden können, wann sie in Rente gehen wollen. Dazu fördern wir eine echte Altersteilzeitdurch eine attraktive Teilrente ab 60 Jahren, die insbesondere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in belastenden Berufen zugutekommt. Für Menschen, die länger arbeiten wollen, soll sich das lohnen – u.a. durch bessere Hinzuverdienstregeln. Wer allein aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in Rente gehen muss, darf nicht mehr durch Abschläge bestraft werden.

4. Welche konkreten Maßnahmen hat Ihre Partei zur Förderung von Familien und insbesondere Alleinerziehenden und sozial schwachen Familien geplant?

Familien sind so vielfältig wie das Leben. Wir Grüne unterstützen alle Familien – ob mit oder ohne Trauschein, alleinerziehend oder verpartnert. Familien leisten viel. Viele sind mit ihrem Alltag und Leben zufrieden. Doch immer mehr Eltern machen sich finanzielle Sorgen oder ihnen droht zwischen Familie und Beruf die Puste auszugehen. Mit unserem grünen Familienbudget wollen wir Familien mit zusätzlich 12 Milliarden Euro pro Jahr entlasten und die Kinderarmut verringern. Wir schaffen in den nächsten Jahren weitere 350.000 Krippen- und Kitaplätze und regeln gesetzlich, dass ausreichend Erzieherinnen und Erzieher für unsere Kinder da sind.

  1. Wir werden ein Familienbudget von jährlich 12 Mrd. Euro auflegen, um Familien insgesamt stärker zu fördern und Kinderarmut zu lindern. Das Familien-Budget besteht aus drei Reformteilen
    • Mit uns werden die Regelsätze für Kinder in der Grundsicherung so bemessen, dass sie dentatsächlichen Bedarf decken, auch den für Teilhabe am sozialen Leben, an Bildung, Kultur und Mobilität.
    • Mit unserem Kindergeld-Bonus garantieren wir, dass Kinder in Familien mit geringem Einkommen und von Alleinerziehende bekommen, was sie zum Leben brauchen – und zwar aus einer Hand und ohne es beantragen zu müssen. Eltern mit geringen Einkommen erhalten den Kindergeld-Bonus in voller Höhe. Bei höherem Einkommen der Eltern wird der Betrag abgeschmolzen.
    • In der Kindergrundsicherung werden Kindergeld und Steuerfreibeträge für Kinder zusammengefasst. Damit beenden wir die Ungerechtigkeit, dass sich die staatliche Unterstützung für Kinder am Einkommen ihrer Eltern bemisst, und wir entlasten Familien mit mittlerem Einkommen. Diese neue Kindergrundsicherung sollte mit der Einführung einer Individualbesteuerung mit einem übertragbaren Grundfreibetrag verknüpft werden. Eltern, die heute bereits verheiratet oder verpartnert sind, können zwischen dem alten Ehegattensplitting und dem neuen Familientarif plus Kindergrundsicherung wählen. Der Familientarif sieht eine individuelle Besteuerung der Partner mit doppeltem Grundfreibetrag vor. Das heutige Bildungs- und Teilhabepaket erreicht sein Ziel nicht und soll deswegen abgeschafft werden. Wir wollen stattdessen die bisherigen Leistungen für die betroffenen Kinder zum Teil durch einen vom Bund finanzierten kostenfreien Zugang zu den entsprechenden Angeboten und zum Teil im Regelsatz gewähren.
  2. Wir wollen verhindern, dass Eltern die Puste ausgeht. Daher wollen wir
    • mit unserer KinderZeit Plus das Elterngeld weiter entwickeln, flexibilisieren und verlängern: Jeder
      Elternteil hat Anspruch auf acht Monate Unterstützung. Weitere acht Monate können die Eltern frei
      untereinander aufteilen. Im ersten Lebensjahr des Kindes können beide Eltern – nacheinander oder
      gleichzeitig – vollständig aus dem Beruf aussteigen. Danach wird eine Reduzierung der Arbeitszeit
      finanziell abgefedert. Um sich das Mehr an Zeit für die Familie leisten zu können, gleichen wir das
      geringere Einkommen mit einer Lohnersatzleistung aus;
    • das bestehende Recht auf Teilzeit um ein Rückkehrrecht auf den alten Stundenumfang ergänzen;
    • das Recht auf Home-Office als Ergänzung zum Büroarbeitsplatz einführen.
  3. Mit uns Grünen wird es mehr und vor allem wirklich gute Kita-Angebote und Schulen geben.
    • Unser Ziel sind gute Kitas überall. Mindeststandards für die Qualität wollen wir gesetzlich festlegen –. Damit Erzieherinnen und Erzieher ausreichend Zeit für die Kinder, für Vor- und Nachbereitung und Elterngespräche haben. Eine Erzieherin oder ein Erzieher sollen künftig höchstens drei Kinder unter drei Jahren bzw. höchstens zehn ältere Kinder betreuen.
    • Kinder sollen ab dem zweiten Lebensjahr bis zur Einschulung einen Rechtsanspruch auf ein ganztägiges Angebot frühkindlicher Bildung und Betreuung bekommen.
    • Grundsätzlich ist unser Ziel, beitragsfreie Bildung von Anfang an zu ermöglichen– so auch in Kitas. Da es aber noch vielerorts an Angeboten mangelt und die Qualität so verbesserungsbedürftig ist, wollen wir zunächst sicherstellen, dass keinem Kind wegen der Kita-Gebühren der Zugang zu Bildung verwehrt wird.
    • Wir wollen deutlich mehr Ganztagsschulen schaffen, um weiterhin gute Betreuung zu gewährleisten bzw. einen Anspruch auf Hortbetreuung schaffen.
    • Der Bund soll dafür mit den Ländern zusammenarbeiten dürfen und diesen Ausbau mitfinanzieren
      (Abschaffung des Kooperationsverbots).

5. Was möchten Sie persönlich als Direktmandatin für den Landkreis Waldeck-Frankenberg im Bundestag bewirkten?

Ich stehe für Lebensqualität auf dem Land mit neuen Arbeitsplätzen, schnellem Internet und gutem öffentlichen Nahverkehr. Und für ein gutes Miteinander in einer bunten Gesellschaft mit gleichen Verwirklichungschancen für alle Menschen!

Abschließende Worte meinerseits

Wie ihr seht, habe ich Frau Hoffmann nur wenige Fragen gestellt. Woran das liegt? Ursprünglich wollte ich das Interview einfach noch an den gestrigen Beitrag anfügen, da ich einer Partei nur ungern mehr Aufmerksamkeit schenken wollte als den anderen beiden.

Da Frau Hoffmann sich allerdings voll ins Zeug gelegt hat und so umfangreich geantwortet hat, hat sie nun doch ihren eigenen Post bekommen. Immerhin habe ich die Chance zu einem Interview ja allen Parteien gegeben – selbst Schuld, wenn die Linken das nicht nutzen wollen!

Frau Hoffmann danke ich jedoch noch mal herzlich dafür, dass sie sich die Zeit für mich und diesen Blog genommen hat. Ich hatte wirklich nicht mehr mit einer Antwort gerechnet – und dann auch nicht damit, dass man so schnell noch was in diesem Umfang auf die Beine stellen kann.

Ich hoffe, für euch waren meine Fragen interessant – und Frau Hoffmanns Antworten natürlich ebenfalls 😉.

Habt ihr euch eigentlich schon über die Kandidaten eures Landkreises für die Direktwahl (Erststimme) erkundigt?


Das Foto von sich hat Frau Hoffmann mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt – ich finde es ja immer schöner, wenn man zu einer Person auch ein Bild vor Augen hat.


P. S.: Dieser Post hier ist Teil eines Specials von mir und Nicole zur Bundestagswahl 2017 in Deutschland.

Bisher habe ich einen Beitrag darüber, warum man auch kleine Parteien wählen sollte, verfasst und euch das Programm der Grünen vorgestellt. Morgen gibt es eine Vorstellung des Programms der Linken und abschließend habe ich am Sonntag ein Interview mit einem Vorsitzenden der Tierschutzpartei für euch.

Nicole schreibt darüber, warum es so wichtig ist, sich an den Wahlen zu beteiligen und geht auf die Programme der SPD, der CDU und der FDP ein.

Noch mehr Blogposts über die Thematik „Bundestagswahlen 2017“ gibt es bei #BloggerfuerBTW.

- geschrieben von Tabea -

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6Kommentare


Mittwoch, 13. September 2017

Bundestagswahl 2017: Das Programm der Grünen

Hallo ihr Lieben!

Bald ist es soweit… dann dürfen wir alle am Sonntag, dem 24.9.2017 in unser Wahllokal rennen und dort Kreuze auf einem Zettel machen. Eigentlich schon fast komisch, dass man diesen Prozess noch nicht digitalisiert hat, oder?

Naja, aber das soll heute gar nicht das Thema sein, denn nachdem Nicole und ich euch in unserer Beitragsreihe zu den Bundestagswahlen 2017 schon gesagt haben, warum ihr unbedingt wählen gehen solltet und vielleicht sogar einer Kleinstpartei eure Stimme schenken solltet, wollten wir euch natürlich auch die Wahlprogramme einiger Parteien vorstellen. Wir haben uns bewusst auf eine Auswahl beschränkt – denn manche Parteien möchten wir nicht unterstützen oder deren Relevanz erscheint uns einfach nicht groß genug. Ihr habt ja aber alle Internet und könnt euch daher selbst zu weiteren Parteien, die antreten, informieren. Alle Parteien findet ihr auf der Seite zur BTW17.

Ich möchte daher heute mit euch das Wahlprogramm der Grünen durchgehen: Zuerst gibt es eine Übersicht über die Ziele der Grünen und dann meine Meinung zu den Programmpunkten – und morgen folgt noch ein Interview mit einer Kandidatin von dieser Partei! In zwei Tagen geht es dann bei mir mit der Linken weiter und in vier Tagen komme ich dann noch mal auf die Sache mit den kleinen Parteien zurück, indem ich ein Interview mit Herrn Ebner von der Tierschutzpartei führe. Nicole kümmert sich derweil um SPD, CDU und FDP und rundet die Serie schließlich mit einer tollen Kolumne ab.

Die Einleitung zum Wahlprogramm

Veränderung braucht es laut den Grünen, um uns allen in Europa auch in Zukunft ein gutes und vielleicht sogar noch ein besseres Leben ermöglichen zu können. Sie betonen, wie wichtig es ist, gemeinsam zu arbeiten, damit für alle am Ende das Beste dabei raus kommen kann.

Bundestagswahl 2017 - Die Grünen

Das Wahlprogramm

Leben

Die Ehe für Alle soll erhalten bleiben und für das Adoptionsrecht geöffnet werden.

Wer in Deutschland geboren wird, gilt bei den Grünen zukünftig als deutscher Staatsbürger. Eine Erziehung hin zu unserem Grundgesetz und unseren Grundwerten soll dafür sorgen, dass auch jeder Einwanderer hier in Frieden mit allen zusammenleben kann. Geflüchtete Leute sollen ihre Familie zu sich nach Deutschland holen dürfen, da dies angeblich die Integration fördert. Verschärfte Asylgesetze oder Obergrenzen der Flüchtlingszahlen lehnen die Grünen ab.

Statt also Obergrenzen einzuführen, möchten die Grünen die Fluchtursachen in den Herkunftsländern bekämpfen. Dies bedeutet auch, dass Agrarsubventionen gestrichen werden, damit die Menschen in ihren Herkunftsländern von ihrer Arbeit leben können und nicht mehr flüchten müssen.

Arbeit

Die Angst vor Arbeitslosigkeit soll gemindert werden und Selbstständige sollen besser abgesichert werden.

Frauen und Männer sollen die gleiche Bezahlung erhalten, wenn sie das Gleiche leisten. Außerdem sollen alle Eltern das Recht haben, nach einer Auszeit oder Arbeit in Teilzeit in die Vollzeitbeschäftigung zurückkehren zu dürfen.

Mittels Quoten soll zudem sicher gestellt werden, dass auch Frauen gut bezahlte Jobs erhalten.

Bundestagswahl 2017 - Die Grünen

Steuern

Die Grünen möchten sich gegen Steuerbetrug einsetzen und auch dafür sorgen, dass Preise die ökologische Wahrheit sagen – also klimaschädliche Dinge sollen bei den Grünen stärker besteuert werden, um Anreize zum ökologischen Handeln zu schaffen. Auch umweltschädliche Subventionen für Flugbenzin, Dienstwagen und Diesel werden abgebaut – das Geld soll in den Klimaschutz fließen.

Europaweit abgestimmte Mindeststeuersätze sollen dabei den Steuerwettbewerb der Länder mindern und es wird eine Offenlegungspflicht angestrebt, sodass Steuerehrlichkeit gefördert wird.

Zusätzlich eingenommene Steuern sollen mittels Familienförderung, den Kindern unseres Landes zu Gute kommen; wobei hier Nachteile von unverheirateten Paaren und Alleinerziehenden abgebaut werden sollen. Gerade Familien mit geringem Einkommen sollen dann von zusätzlichen Boni profitieren können.

Ansonsten soll der Grundfreibetrag für alle steigen, um Geringverdiener zu entlasten. Große Vermögen dagegen werden ebenso wie Erbschaften besteuert.

Familie

Die Chancen aller Kinder sollen gleich gut sein und verbessert werden: Daher wird Kinderarmut bekämpf und Alleinerziehende sollen besser unterstützt werden. Die Qualität von Kitas und Schulen soll steigen.

Für Eltern soll es eine bessere Familienförderung geben, die auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frau sicher stellt.

Renten

Altersarmut soll die Bevölkerung nicht mehr bedrohen und jeder soll somit am sozialen Leben teilhaben können – konkret heißt das, dass die Grünen das Rentenniveau beibehalten wollen und diese gesetzliche Rente durch Betriebsrenten und private Vorsorgen ergänzt werden soll. Die Grundsicherung soll zudem angehoben werden und Renten in Ost und West gleich hoch ausfallen.

Betriebe werden damit dazu verpflichtet, Mitarbeitern eine Betriebsrente anzubieten; Private Vorsorge soll gefördert werden. In die gesetzlichen Rentenkassen sollen alle einzahlen – also auch Beamte, Freiberufler, Politiker und Selbstständige.

Flexiblere Rentenmodelle, etwa die Teilrente ab 60, sollen verstärkt ermöglicht werden.

Bundestagswahl 2017 - Die Grünen

Gesundheit

Das System von gesetzlicher und privater Krankenversicherung wird durch eine einzige Versicherung, die alle versichert, ersetzt, damit alle Menschen gleich gut versorgt werden. Arbeitgeber sollen zudem wieder den gleichen Betrag einzahlen wie ihre Arbeitnehmer.

Wichtig ist den Grünen auch, dass die Krankenkassen mehr Geld in die Renovierung und Modernisierung der Kliniken stecken.

Mindestmengen an Operationen in Krankenhäusern befürwortet die Partei nur bei komplexen Eingriffen, damit die weniger komplizierten Eingriffe nicht unnötigerweise durchgeführt werden, um die nötige Anzahl an Operationen zu erreichen.

Um dem Ärztemangel auf den Land zu begegnen, sollen Anreize geschaffen werden, die die Ärzte aufs Land locken. Eine Art Verpflichtung, dass manche Studienplätze nur vergeben werden, wenn man anschließend auf dem Land arbeitet, finden die Grünen aber kontraproduktiv.

Für die Pflege soll der Bedarf genau ermittelt werden, da die Grünen enttäuscht sind, dass die große Koalition in diesem Bereich bisher nicht mehr erreichen konnte. Wie allerdings mehr Leute dazu motiviert werden sollen, diesen Beruf zu ergreifen, bleibt offen.

Nach neuen Medikamenten soll öffentlich geforscht werden, damit auch eher weniger rentable Dinge, wie Antibiotika, erforscht werden. Wenn Pharmaziefirmen neue Medikamente auf den Markt bringen, soll der Preis an den Zusatznutzen dieser neuen Stoffe gekoppelt werden und auch rückwirkend angepasst werden, sobald Studien zu eben diesem Nutzen vorliegen. Zudem soll es eine Preisbremse geben, die festlegt, wie viel die Firma maximal mit einem neuen Medikament in ersten Jahr verdienen darf.

Den Versand von Medikamenten befürworten die Grünen, um ausländischen Versandhandel nicht weiter zu stärken.

Umwelt

Die Umwelt ist für die Grünen ein wichtiger Aspekt: Bis 2050 wollen sie erreichen, dass die komplette Energie (auch für Mobilität) ausschließlich aus erneuerbaren Energien stammt; der Strom soll aber bereits 2030 nur noch aus erneuerbaren Energien stammen. Dazu sollen die Ausgaben für das Vorantreiben der Energiewende erhöht werden und Klimasünden durch finanzielle Strafen geahndet werden. Auch der Kohleausstieg ist für die Grünen folglich wichtig.

Auch bei der Mobilität soll sich zu Gunsten des Klimas einiges ändern: Abgasfreie Autos (Verbrennungsmotoren sollen ab 2030 nicht mehr neu zugelassen werden), Bus und Bahn mit Strom betrieben und bessere Fuß- und Radwege.

Der öffentliche Fern- und Nahverkehr soll ausgebaut werden und E-Autos werden steuerlich begünstigt.

In der Landwirtschaft streben die Grünen eine Bewirtschaftung der Böden ohne Gifte und Gentechnik an. Massentierhaltung soll zudem innerhalb von 20 Jahren komplett verschwinden. Neue Tierschutzstandards und die Haltungskennzeichnung auf Tierprodukten ergänzen den Umschwung in der Tierhaltung.

Insgesamt sollen Gelder so ausgeschüttet werden, dass die umwelt- und tierschonendsten Landwirte am besten verdienen.

Bundestagswahl 2017 - Die Grünen

Sicherheitspolitik

Innerhalb von Deutschland soll die Sicherheit, welche durch Rechtsextremismus und islamistischen Terrorismus bedroht wird, gestärkt werden. Auch Frauen, die Gewalt zum Opfer fallen, sollen besser geschützt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, soll die Polizei besser ausgestattet werden und Sicherheitsbehörden grenzüberschreitend zusammenarbeiten.

Überwachung soll jedoch nur gezielt und nicht im Allgemeinen stattfinden.

Das Waffenrecht soll verschärft werden und die Ausgaben für die Verteidigung sollen deutlich reduziert werden.

Was Rüstungsexporte angeht: Die sollen in einem Rüstungsexportgesetz geregelt werden, um Konflikte in den Bezugsländern nicht weiter anzuheizen und zu unterstützen.

Europa

Europa wird bei den Grünen groß geschrieben. Sie glauben daran, dass die EU Frieden, Wohlstand und Sicherheit für alle europäischen Länder erst ermöglicht, weswegen mehr auf europäischer statt auf nationaler Ebene entschieden und auch die Flüchtlingsproblematik gemeinsam angegangen werden soll.

Statt weiterhin eine Sparpolitik zu betreiben, möchten die Grünen sich auf europäischer Ebene für Modernisierungen zugunsten der Ökologie einsetzen und auch die Digitalisierung vorantreiben. Dadurch soll die Arbeitslosigkeit verringert werden.

Auch die Bekämpfung von Steuerdumping und Geldwäsche soll angegangen werden. CETA wird von den Grünen klar abgelehnt.

Alle Entscheidungen, die europaweit getroffen werden, sollen jedoch den Bürgern transparenter als bisher offengelegt werden.

Abschließende Erklärung der Grünen

Das in 10 Punkten zusammengefasste Wahlprogramm schließen die Grünen mit einem Text ab, in dem sie betonen, dass ihr Fokus auf den erneuerbaren Energien, Klimaschutzzielen, der Europapolitik, der Absicherung gegen Armut, der Gleichberechtigung von Mann und Frau und der Flüchtlingspolitik liegt. Sie sind bereits, mit allen Parteien – außer der AfD – zusammen an der Verwirklichung dieser Ziele zu arbeiten, auch, wenn sie noch einige weitere Anliegen haben, die sie gern umsetzen würden.

Bundestagswahl 2017 - Die Grünen

Meine Meinung zum Wahlprogramm

Ich habe mir im Folgenden zu den einzelnen Punkten des Wahlprogramms mal ein paar Gedanken aufgeschrieben und das Ganze ein wenig beurteilt. Ich möchte euch mit diesem Text nicht beeinflussen – ich will nicht dazu raten, die Grünen zu wählen oder es zu lassen. Ich finde es nur wichtig, dass man manche Punkte in Wahlprogrammen auch mal hinterfragt und möchte euch dazu Denkanstöße liefern.

Weil mir allerdings Transparenz wichtig ist, möchte ich vorab sagen, dass ich aus einem Geringverdiener-Haushalt stamme. Ich selbst verdiene aktuell so viel wie ein gut verdienender Azubi (859 Euro im Monat im Westen1) und werde aber auch im Anschluss an mein Bachelorstudium wahrscheinlich nicht zu den Top-Verdienen zählen. Mein Vater unterstützt mich während des Studiums aber noch gerne finanziell, indem er mir ein Pony und das Auto ermöglicht, da mein Gehalt nur für die Wohnung und die alltäglichen Ausgaben reicht.

Dass Selbstständige besser abgesichert werden sollen, finde ich sehr vernünftig, da ich das Gefühl habe, dass Selbstständigkeit heute immer öfter die Arbeitnehmerschaft ersetzt. Und man hört ja immer wieder, dass viele Blogger z. B. an total viele Dinge denken müssen, wenn sie selbstständig werden… Versicherungen, Rücklagen bilden… und was passiert, wenn man krank wird?

Auch die Rentenpolitik der Grünen klingt in meinen Ohren gar nicht mal so schlecht. Ich finde es nämlich wichtig, dass man Arbeitszeiten im Alter reduzieren kann – vor allem bei kräftezehrenden Berufen, die man aber trotzdem gerne macht. Ich denke, es ist dennoch vernünftig, keine Rentenerhöhungen zu versprechen, denn aufgrund unserer Altersstruktur in der Bevölkerung würde damit die Belastung der Erwerbstätigen zu sehr steigen.

Die Steuerpolitik der Grünen begrüße ich außerdem auch… ich finde es einfach wichtig, dass soziale Gerechtigkeit gestärkt wird, indem reichere mehr zahlen als die Leute, die eh schon wenig haben.

Ansonsten bin ich aber gerade was die Klima- und Energiepoltik betrifft ziemlich skeptisch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir mit der Technik uns so rapide entwickeln, dass es möglich ist, 2030 nur noch erneuerbare Energien zu nutzen. Vor allem dann, wenn auch die Mobilität vollständig auf Strom basiert, steigt unser Bedarf an Strom ja noch an, obwohl wir momentan schon unseren Bedarf nur mit Hilfe von Kohlekraftwerken decken können.

Verstärkte Zusammenarbeit in Europa finde ich begrüßenswert, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass vielen Problemen heutzutage eher begegnet werden kann, wenn man das gemeinsam regelt (oder es wenigstens versucht). Gerade bei Umweltfragen sind die Probleme ja meist so angelegt, dass sie größere Landstriche betreffen. Auch dem Problem, dass Länder ihre Umweltauflagen nicht verschärfen, da sie die Abwanderung in Länder mit lockereren Reglungen fürchten, wird begegnet, wenn Europa gemeinsam Ziele festlegen würde.

Was ich am Wahlprogramm allerdings kritisieren würde, ist, dass der Fokus doch zu sehr auf dem Klima und der Energiewende liegt. Die anderen Punkten schneidet die Partei in der Kurzfassung des Wahlprogramms leider sehr knapp an (und ich denke, die lange Fassung wird wohl kaum ein normaler Wähler studieren)… es sind war lobenswerte Ansätze als Ziel formuliert, aber deren Umsetzung wird nicht angesprochen. Somit stellt sich mir immer und immer wieder die Frage: „Und wie wollt ihr das erreichen?“

Insgesamt lässt sich also festhalten, dass die Grünen eine Partei sind, die europaweite Zusammenarbeit und erneuerbare Energien fördern will. Auch der Flüchtlingskrise und zunehmenden Verarmung einzelner Bevölkerungsgruppen möchte sie begegnen, aber mir erscheinen gerade die Ziele bezüglich des Klimaschutzes doch ein wenig hoch gegriffen und utopisch.


P. S.: Dieser Post hier ist Teil eines Specials von mir und Nicole zur Bundestagswahl 2017 in Deutschland.

Bisher habe ich einen Beitrag darüber, warum man auch kleine Parteien wählen sollte, verfasst. Morgen erscheint ein Interview mit Frau Hoffmann von den Grünen und übermorgen gibt es eine Vorstellung des Programms der Linken. Abschließend habe ich ein Interview mit einem Vorsitzenden der Tierschutzpartei für euch.

Nicole schreibt darüber, warum es so wichtig ist, sich an den Wahlen zu beteiligen und geht auf die Programme der SPD, der CDU und der FDP ein.

Noch mehr Blogposts über die Thematik „Bundestagswahlen 2017“ gibt es bei #BloggerfuerBTW.


Du möchtest die Grünen lieber in bewegten Bilder (also als Video) kennen lernen? Ich finde „Die Grünen erklärt | Bundestagswahl 2017“ von MrWissen2go ziemlich gut.


Quellen

1 Schülerbarometer zum durchschnittlichen Gehalt von Auszubildenden, abgerufen am 27.8.2017s

„Zusammen-Fassung in Leichter Sprache“ und „Wofür wir Verantwortung übernehmen wollen“ von Bündnis 90 / Die Grünen, heruntergeladen am 3.8.2017

Bündnis 90 / Die Grünen zu Steuern, abgerufen am 24.8.2017

Bündnis 90 / Die Grünen zu Rente, abgerufen am 24.8.2017

Apotheken-Umschau über steigende Arzneimittelpreise, abgerufen am 27.8.17

Apotheken-Umschau über Krankenhäuser, abgerufen am 27.8.17

Apotheken-Umschau über Probleme in der Pflege, abgerufen am 27.8.17

Apotheken-Umschau über Krankenversicherungen , abgerufen am 27.8.17

Die gezeigten Wahlplakate wurden mir von den Grünen für diesen Post zur Verfügung gestellt.

- geschrieben von Tabea -

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Montag, 11. September 2017

Bundestagswahl 2017: Warum kleine Parteien wählen?

Hallo ihr Lieben!

Am 24. September ist es soweit, dass ich zum allerersten Mal wählen gehen darf.
Ja, richtig gelesen: Ich darf. Ich muss das nicht tun, aber es gibt einige gute Gründe dafür, dass jeder, der dazu berechtigt ist, auch eine Stimme abgeben sollte.

Nachdem das Thema Wahlen im Politikunterricht in der Schule nicht gerade kurz abgehandelt wurde, möchte ich daher auch euch, meinen Lesern, kurz erläutern, wie ich diesen Wahlen gegenüberstehe. Irgendwie ist Politik ja am Ende doch etwas, was enormen Einfluss auf unser Leben hat.

Die Aufgabe einer Wahl

Okay, wir fangen kurz mit den Grundlagen an. Ich habe zwar nicht Politik studiert, aber im Groben und Ganzen kann ich ja mal kurz erläutern, was Wahlen sind und welche Folgen das Kreuz auf dem Stimmzettel hat.

Grundsätzlich wird mit der Wahl nämlich festgelegt, welche Leute in den Bundestag einziehen und dort dann für vier Jahre gemeinsam mit den anderen Abgeordneten folgende Aufgaben übernehmen:

  • Gesetzgebung
  • Regierung kontrollieren
  • Über den Bundeshaushalt entscheiden
  • Über Bundswehreinsätze entscheiden
  • Kanzler wählen

Da Deutschland eine Demokratie ist, dürfen die Bürger wählen, welche Leute sie im Bundestag haben wollen. So wird sichergestellt, dass im Bundestag Leute sitzen, die die Interessen der Bürger vertreten.

Bundestagswahl 2017: Kleine Parteien wählen

Nun hat jeder wahlberechtigte Bürger genau zwei Stimmen. Die erste nutzt er dazu, um einen Kandidaten aus seinem Wahlkreis zu wählen. Der Kandidat mit den meisten Stimmen aus einem Wahlkreis kommt dann in den Bundestag… Die anderen Kandidaten haben von ihren erhaltenen Erststimmen nichts.

Die Zweitstimme bestimmt dann, wie viele Sitze die Parteien insgesamt bekommen. Also sollte man hier die Partei wählen, die am ehesten die Ziele hat, die man gut findet.
Allerdings gibt es da noch die Sache mit der 5 Prozent Hürde… Denn wenn eine Partei weniger als fünf Prozent aller Zweitstimmen erhält, dann bekommt sie keine Sitze im Bundestag, es sei denn, mindestens drei Kandidaten, die in dieser Partei sind, wurden mit der ersten Stimme zum Sieger in ihrem Wahlkreis gewählt. Ihr seht also, das ist alles ein wenig kompliziert.

Warum man wählen sollte

Es liegt auf der Hand, dass das Abgeben einer Stimme hauptsächlich dazu dient, zu bestimmen, welche Partei wie viele Abgeordnete im Bundestag hat. Dadurch, dass Gesetze zum Beispiel nur umgesetzt werden können, wenn eine Mehrheit für diese stimmt, ist es also für jede Partei erstrebenswert, so viele Abgeordnete wie möglich zu erhalten. Dadurch kann sie nämlich eher ihre Ziele umsetzen.
Mit eurer Stimme unterstützt ihr also die Partei bei der Umsetzung ihrer Ziele, sodass die Ziele der Partei logischerweise sich mit euren eigenen decken sollten. Denn nur so drückt ihr mit der Stimme auch aus, wie ihr zu den aktuellen politischen Themen steht.

Mein Problem bei der Wahl

Jedoch kann es furchtbar schwer sein, sich für eine Partei zu entscheiden. Jede Partei hat ja deutlich mehr als ein einziges Ziel, da es eben so viele Bereiche gibt, mit denen sich die Politik beschäftigen muss. Da ist die Wahrscheinlichkeit also verschwindend gering, dass man mit einer Partei in allen Punkten die gleiche Ansicht vertritt.

Bundestagswahl 2017: Kleine Parteien wählen

Richtig schwer wird es vor allem dann, wenn man wie ich bei brisanten Themen öfter mal die unpopuläre Meinung vertritt. Erinnert ihr euch noch daran, als der Mindestlohn das Wahlkampfthema schlechthin war (2013)? Damals gab es nicht eine Partei, die meine Positionen zu dieser Frage und den übrigen Themen vereinen konnte.
Ich war nämlich gegen Fracking, gegen den Mindestlohn und für den Umweltschutz…

Auch dieses Jahr stellt sich also wieder die Frage, welche Partei auch nur annähernd meine Meinung vertritt…

Zudem macht so eine Wahl natürlich echt Arbeit… Nicht nur für die Parteien!
Klar, man muss zum Wahllokal gehen und kurz seine beiden Kreuze setzen, aber das meine ich nicht.
Ich meine die Zeit, die man investieren muss, um herauszufinden, für was welche Partei steht. Die Zeit, in der man sich über die brisanten Fragen der aktuellen Politik informiert, um zu entscheiden, welche Richtung man mit seiner Stimme unterstützen möchte.

Das Internet bietet einem dabei sicher eine gute Hilfe… Aber dennoch dauert es schon lange, sich über die Wahlprogramme der größeren Parteien, die auch eine Chance haben, nicht an der 5 Prozent Hürde zu scheitern, zu informieren. Wenn man bei der letzten Partei angelangt ist, hat man sicher schon fast den Überblick verloren, was die vorherigen Parteien erreichen möchten.
Auch spezielle Angebote wie den Wahlomat gibt es. Den durfte ich in meiner Schulzeit mal ausprobieren für den Unterricht, aber seitdem bin ich von diesem Ding nicht mehr uneingeschränkt überzeugt. Es gewichtet die Themen einfach anders, als ich das tun würde und ordnete meine Ansichten daher bei Parteien ein, die ich nie wählen würde.

Bundestagswahl 2017: Kleine Parteien wählen

Tja, und wenn man nun nicht gerade CDU oder SPD wählen will, dann ist ja oft auch noch die Frage offen, ob die Partei ausreichend viele Stimmen erreichen wird. Denn wenn sie das nicht tut, dann hat man seine Stimme doch gefühlt verschwendet und unterstützt damit ohne es zu wollen am ehesten die größte Partei, da alle abgegebenen Stimmen natürlich mehr zählen, wenn eure für die Mandatsberechnung nicht mehr zählt.

Also: Wähle ich das, was mich wirklich überzeugt, auch, wenn die Partei eh nicht in den Bundestag einzieht? Oder will ich lieber einen Kompromiss wählen, der wenigstens etwas Einfluss ausüben kann auf die Politik der kommenden vier Jahre?

All diese Problemfragen ergeben sich also für mich…

Warum es Sinn macht, auch Parteien zu wählen, die nicht in den Bundestag einziehen

Durch eure Wahlbeteiligung zeigt ihr, dass ihr Demokratie wichtig findet.

Dadurch, dass ihr eine Partei wählt, sieht man, welche Interessen ihr habt. Wenn ihr euren Stimmzettel ungültig macht, ist das nicht der Fall, denn dann zeigt ihr nur, dass euch kein Wahlprogramme ansprechen konnte oder ihr euch nicht informiert habt / kein Interesse an Politik habt. Ihr zeigt also bestenfalls, dass ihr die aktuelle Politik nicht gut findet, wenn ihr ungültig wählt – aber das könnt ihr auch, indem ihr eine kleine Partei wählt. Nur die Wahl einer kleinen Partei gibt mehr Aufschluss über eure Meinung.

Die Partei wird gestärkt, da sie eine Vergütung für jede erhaltene Stimme erhält, sofern wenigstens 0,5 Prozent aller Stimmen für sie abgegeben werden – vielleicht kann sie mit dem Geld sich selbst im nächsten Wahlkampf eher durchsetzen oder zwischendurch kleine Ziele verwirklichen?

Bundestagswahl 2017: Kleine Parteien wählen

Und zu guter Letzt: Wenn alle Menschen mutig genug wären, wirklich die Partei mit dem am ehesten den eigenen Vorstellungen entsprechendem Programm zu wählen, dann würden vielleicht auch kleine und neue Parteien öfter mal im Bundestag landen und die großen, etablierten Parteien müssten zittern. Nur, weil „eure“ Partei bisher noch nie fünf Prozent erreicht hat, heißt das ja nicht, dass sie es nicht dieses Jahr Dank euch schaffen könnte, oder?

Ich finde, das alles sind gute Gründe, wählen zu gehen, selbst wenn man mit dem Programm der großen Parteien nicht auf einen Nenner kommt.
Bis vor Kurzem war mir nämlich noch gar nicht klar, dass es viel besser ist, kleine Parteien zu wählen statt den Stimmzettel ungültig werden zu lassen.

Fazit

Also, meine lieben Leute, ich hoffe, ihr geht alle zur Wahl. Ich hoffe, ihr nutzt eure Möglichkeiten, um euch vorab zu informieren und eine Partei zu finden, die eure Ansichten vertritt. Und falls das nicht der Fall ist, dann hoffe ich, dass ihr wenigstens ungültig wählt, um zu zeigen, dass euch die aktuelle Politik gegen den Strich geht!

Ich jedenfalls freue mich, erstmalig wählen zu dürfen, und bin daher in die Unweiten der Wahlprogramme abgetaucht – und werde meine in Erfahrung gebrachten Informationen auch gerne in den kommenden Tagen hier in einem Wahl-Special mit euch teilen.

Und, wie sieht es aus? Dürft ihr wählen gehen? Werdet ihr es tun und wisst ihr schon, wo einer Kreuz landet?


Dieser Post ist der Auftakt einer Beitragsreihe von Nicole und mir zu den Bundestagswahlen 2017 in Deutschland.

Von mir werdet ihr daher im Laufe der Woche das Programm der Grünen und Linken vorgestellt bekommen und könnt ein Interview mit einem Vorsitzenden einer kleinen Partei, der Tierschutzpartei, lesen. Auch die Grünen habe ich spontan noch interviewt.
Nicole schreibt darüber, warum es so wichtig ist, sich an den Wahlen zu beteiligen und geht auf die Programme der SPD, der CDU und der FDP ein.

Noch mehr Blogposts über die Thematik „Bundestagswahlen 2017“ gibt es bei #BloggerfuerBTW.

Und falls du dein Wissen über die Demokratie auffrischen willst, empfehle ich dir den Post zum Tag der Demokratie von Hans.


Quellen

Bundestagswahl 2017: ParteienübersichtStand 2.9.2017
Mnementh: Warum man kleine Parteien wählen sollStand 2.9.2017
Bundestag.de, Stand 2.9.2017
Heft einfach POLITIK: Bundestagswahl 2017 der Bundeszentrale für politische Bildung

- geschrieben von Tabea -

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21Kommentare


Samstag, 9. September 2017

Bücher: Letztens gelesen – Nr. 3

Hallo ihr Lieben!

Es sind wieder drei Monate ins Land gezogen, seit ich euch das letzte Mal verraten habe, welche Lektüre ich verschlungen habe (Hier zu „Letztens gelesen – Nr. 2“).

Nachdem ich ja im Juni noch über eine Leseflaute klagte, sah das ab meinem Geburtstag ganz anders aus. Denn da schickte meine Oma mit ein Buch, dass schon länger auf meiner Leseliste stand und ich begann direkt mit dem Lesen. Und wenn man erstmal angefangen hat, dann hört man eben so schnell nicht wieder auf, wenn das Buch gut ist.
Und als ich dann die letzte Seite des ersten Buches abgeschlossen hatte, da hatte ich auch wieder genügend Routine im Lesen, um in Bücherei zu spazieren und Nachschub zu holen. Also – ich bin über Sommer endlich wieder unter die Leseratten gegangen.

So – auf zu den angeschlossenen Büchern:

28 Tage lang

Historischer Roman von David Safier
2015 im rowohlt-Verlag erschienen

Handlung

Wir befinden uns in Warschau zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Die Protagonistin Mira lebt mit ihrer Familie im Judenghetto und versucht alles, um ihre Familie zu schützen. Als Teenager trägt sie die Verantwortung und wird dabei natürlich durch die Deutschen, judenfeindliche Polen und Kollaborateure in immer schwierigere Situationen gebracht. Es stellt sich täglich die Frage, was im Leben wirklich wichtig ist und wer noch wie lange überleben kann.

Wie ich auf das Buch aufmerksam wurde

Als ich für Tami meinen Gastpost schrieb, in dem ich meinen Lieblingsautor, also David Safier vorstellte, informierte ich mich natürlich über alle Bücher, die er bisher verfasst hat. Neben den humorvollen Werken, von welchen ich schon einige las und genial fand, hat er aber auch dieses eine ernste Buch verfasst. Da gerade sein Schreibstil so wundervoll zu lesen ist, stand für mich also fest, dass dieses Buch auf meine Leseliste gehört, denn auch das Thema Holocaust interessiert mich. Zudem liegt dieses Werk David Safier sehr am Herz, sodass ich es nicht ignorieren wollte.
Meine Oma, die mir gern Bücher von der Leseliste schenkt, schickte das Buch dann zu meinem Geburtstag vorbei und ich begann auch direkt mit dem ersten Kapitel.

(Als ich meiner Schwester erzählte, dass ich das Buch bekommen hatte, konnte die übrigens nur eine Empfehlung aussprechen und meinte, ich solle es nicht abschließend nach dem Lesen verkaufen, da sie es gern für ihr Regal mit den wirklich guten Büchern hätte. Das will was heißen, oder?)

Schreibstil

Locker flockig zu lesen ist das Buch, obwohl das Thema ernst ist. Also versteht mich nicht falsch… Ich will damit nur ausdrücken, dass man sich nicht wie in einem nüchternen Sachbuch von Absatz zu Absatz kämpft, sondern gefesselt wird und gerne weiter liest. Safier schreibt eben sehr verständlich.

Die Kapitel haben eine gute Länge und ich bin froh, dass es sie gibt, denn sonst wäre es mir noch schwerer gefallen, das Buch zwischendurch wegzulegen.

Die Gedanken von der Protagonistin werden sehr schön eingebunden, da David Safier in ihre Rolle schlüpft und aus ihrer Sicht schreibt. Gerade bei dieser Handlung ist das wirklich gut gewählt, denn man kann dadurch viel eher ein Bild vom Leben als Jüdin zu der Zeit bekommen, als ein Geschichtsbuch uns das je vermitteln würde.
Zudem hat man das Gefühl, dass es wirklich echte Menschen mit echten Gefühlen und Gedanken sind und eben nicht nur Nummern – denen das waren Juden ja für ihre Vernichter.

Zudem ist Mira eine wirklich beeindruckende Persönlichkeit und es hat mich immer wieder umgehauen, wie sehr solche grausam Lebenssituation so junge Menschen doch formen und auch stark machen… Denn stark muss man wohl doch sein, um im Ghetto länger als ein paar Wochen zu überleben.

Fazit

Ich mag allein schon, was im Vorwort steht. David Safier will eine Brücke zwischen Generationen spannen, will Wissen vermitteln und trotzdem ein gut zu lesendes Buch bieten. Das hat er geschafft, wirklich. Bereits die ersten Seiten haben mich gefesselt und mitgerissen.

Die Protagonistin, Mira, war mir unheimlich sympathisch, gleich vom ersten Moment an. Ob das wohl daran liegt, dass sie so stark, mutig und in gewisser Weise auch aufopfernd ist? Ihr Herz sitzt einfach da, wo es gern bei mehr Menschen sitzen sollte… Und das zeigt noch deutlicher, wie grausam der Holocaust ist, denn er brachte solche liebenswerten Leute ums Leben.

Während der gesamten Lesezeit war ich total gebannt… Und hatte immer Angst um Mira. Und bis zur letzten Seite war ich mir nicht sicher, ob sie sterben oder leben wird… Das schafft nicht jedes Buch.

Als ich die letzte Seite gelesen hatte, war ich so begeistert von diesem Roman, dass ich auch die zusätzlichen Seiten, in denen David Safier die Hintergründe der Story erläutert, noch verschlungen habe. Und selbst wenn meine Oma meint, zum Thema Judenvernichtung im zweiten Weltkrieg hätte sie schon zu oft was gelesen, so habe ich ihr das Buch doch empfohlen. Denn dieses Buch ist wirklich eines der allerbesten, das ich je gelesen habe. Und obwohl ich die witzigen Romane, die David Safier sonst schreibt, sehr gut fand, würde ich dieses Werk doch als sein Bestes bezeichnen.

Bewertungsskala - Fünf Hühner

A long way down

Jugendbuch von Nick Hornby
2006 im Penguin Verlag erschienen
auf englisch gelesen, auf deutsch unter gleichem Titel erhältlich

Handlung

Vier Leute treffen sich an Silvester zufällig auf der Dachterrasse eines Hochhauses. Und warum? – Weil sie sich alle umbringen wollen. Jedoch halten sie sich dann gegenseitig irgendwie davon ab und nutzen die Nacht, um das Problem der einen Person aus dem Weg zu schaffen. Sechs Wochen geben sie dem Leben danach noch, da der Valentinstag ihnen als Datum für ihren Selbstmord schöner erscheint als ein gewöhnlicher Tag im Jahr, denn die Silvesternacht hatten sie ja nun verstreichen lassen. Doch in sechs Wochen kann ja noch ein bisschen was passieren,… Und danach vielleicht auch?

Wie ich auf das Buch aufmerksam wurde

Ich stöberte durch die Bücherei, als ich merkte, dass 28 Tage lang kaum noch ungelesene Seiten für mich bereit hält. Da stand ich nun vor dem kleinen Regal mit englischsprachigen Büchern und musste enttäuscht feststellen, dass es da fast nur Abenteuerromane und Krimis gibt. Aber immerhin dieses Buch klang ganz interessant – nicht zuletzt, weil ich bereits zwei gute Bücher von dem Autor in deutscher Übersetzung gelesen habe.

Letztens gelesen: A long Way Down

Schreibstil

Der Schreibstil hat mir hier irgendwie so gar nicht gefallen. Ich weiß aber nicht, ob es daran lag, dass ich zu lange nicht mehr auf Englisch gelesen habe, oder ob Nick Hornby hier tatsächlich nicht so flüssig geschrieben hat. Jedenfalls konnte mich das Buch daher nie so sehr mitreißen, dass ich mehr als 10-20 Seiten am Stück gelesen habe.

Immerhin die Kapitel haben aber eine sehr gute Länge und nach jedem Kapitel wechselt die Perspektive. So lesen wir hier aus der Sicht aller vier Protagonisten, sodass man gut den Überblick über die gesamte Handlung behält. Verwirrung ist auch ausgeschlossen, da der Name des Protagonisten, aus dessen Perspektive wir im Folgenden lesen, immer die Überschrift des Kapitels darstellt.

In die Geschichte konnte ich mich aber sonst auch recht schnell reinfinden, nur die Wortwahl und Satzkonstruktionen erschwerten mir eben das Lesen.

Fazit

A long Way Down ist kein Buch, was mich mitgerissen hat. Gerade die Botschaft, die das Buch aber in der zweiten Hälfte und besonders auf den letzten Seiten vermittelt, gefällt mir sehr gut und ich bereue es daher kein bisschen, dass Buch gelesen zu haben. Leichte Sommerlektüre ist es aufgrund des Themas sicher nicht, aber es regt zum Nachdenken an und das ist doch auch was wert, oder?

Ob ich das Buch weiterempfehlen würde, weiß ich aber nicht… Und ob ich weitere Werke von Nick Hornby lesen mag, steht auch in den Sternen.

Bewertungsskala - Zwei Hühner

Von Null auf Papa

Roman von Mark Schürman
2010 im deutschen Taschenbuchverlag erschienen

Handlung

Ein Mann genießt sein Leben als Single, da er die Freiheit liebt. Doch dann lernt er eine Frau kennen, es funkt ein bisschen und dann hat er plötzlich nicht mehr so richtig die Wahl, ob er Lust auf eine Beziehung hat…
Also: Zusammenziehen und Papa werden. Welche Gedanken dem Mann dabei so durch den Kopf geistern, erfahren wir in diesem Buch.

Wie ich auf das Buch aufmerksam wurde

Bei dem Gang durch die Bücherei streifte ich dann doch wieder durch die Regale mit den deutschen Romanen, weil das englische Regal eben nichts Ansprechendes mehr zu bieten hatte.
Auf Liebesromane hatte ich aber keine Lust, Abenteuer, Krimis, Thriller und Fantasy sind eh nichts so meins… Und dann sprang mir dieser Titel ins Auge. Klingt lustig und nach Unterhaltung. Genau das, was ich gerade brauchen kann… Also nahm ich es mit, ohne überhaupt den Klappentext zu lesen.

Letztens gelesen - Von Null auf Papa

Schreibstil

Hach, leichte Sommerlektüre würde ich das nennen. Einfache Sprache, flüssig zu lesen. Keine exorbitanten Fremdwörter.

Die Kapitellänge gefiel mir außerdem auch bestens… So um die zwanzig Seiten, sodass ich das Buch immer nach 15-20 Minuten wieder aus der Hand legen konnte.

Geschrieben wird hier aus Sicht des Mannes, der Vater wird. Das finde ich doch irgendwie gut gewählt, da gerade seine Gedankengänge das Buch so lesenswert und unterhaltsam machen.

Fazit

Von Null auf Papa ist ein Buch, dass man super zwischendurch weglesen kann. Es wirkt weder überzogen romantisch noch dramatisch – vielmehr steht hier im Fokus, dass man Situationen so nehmen muss, wie sie kommen und eigentlich immer auch was Positives an ihnen finden kann. Und genau das mag ich an dem Buch – es scheint eine echte Geschichte zu erzählen und regt teils doch zum Nachdenken an.
Und der lockere Schreibstil macht es da ein netter Bonus.

Bewertungsskala - Vier Hühner

Playlist meiner miesen Entscheidungen

Jugendbuch von Michael Rubens
2017 bei dtv erschienen

Handlung

Ein Jugendlicher muss im Sommer eigentlich für die Nachprüfung in Mathe pauken… Aber stattdessen trifft er ein paar schlechte Entscheidungen und versaut sich damit die ein oder andere Chance, die er sich vorher nahezu erarbeitet hat.
Musik spielt eine Rolle, Feinde des Jungen und auch seine Freunde kommen vor; Familien- und Beziehungskriesen kommen ebenfalls nicht zu kurz.

Wie ich auf das Buch aufmerksam wurde

An einem Tag, an dem es keine Minute trocken war, schlenderte ich zwischen den Regalen der Bücherei herum und entdeckte das Buch in Jugendbuchabteilung. Miese Entscheidungen? Das klingt doch interessant, denn vielleicht kann ich ja aus diesem Buch was lernen…

Schreibstil

Der Schreibstil ist ein Traum! Leicht verständliche Sätze, die man gerne hintereinander weg ließt… Ich konnte das Buch nicht immer so ganz leicht wieder aus den Händen legen.

Kapitel gibt es aber auch, jedes Mal eingeleitet durch zwei, drei Liedzeilen, was gut zum Buch selbst passt, in dem Musik so eine große Rolle spielt. Die Länge der Kapitel ist ganz angenehm, aber in ihnen finden sich auch immer weitere „große“ Absätze, an denen man eine Pause machen könnte. Optimal also, falls man das Buch zwischen Tür und Angel lesen will.

Was die Perspektive betrifft: Austin heißt der Jugendliche und aus seiner Sicht ist auch die ganze Geschichte geschrieben. Hier finde ich das sehr sinnvoll, da man nur so genügend Einblicke in sein verwirrendes, aufregendes Leben mit all den Pannen erhält. Würde man die Gedanken der anderen Figuren ebenfalls kennen, würde irgendwie wohl auch zu viel Spannung verloren gehen.

Fazit

Das Buch ist echt eines der besten, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Es war an keiner Stelle langweilig und ich konnte die Wendungen nie vorhersehen. Austins Probleme sind eigentlich gar nicht mal so ungewöhnlich, weswegen das Buch auf mich noch realitätsnah wirkte.

Gut gefallen hat mir neben dem lockeren Schreibstil auch, dass das Buch Botschaften vermittelt: Es spricht gegen Drogen und Vertrauensbrüche und das im Stich lassen von Person – aber eben auf subtile Art. Und es zeigt, dass manche Menschen einfach nur eine Chance brauchen, um ihre freundliche Seite zu zeigen.

Achja und nicht zuletzt gefällt mir das Ende sehr gut. Warum mag ich nicht verraten, aber es passte einfach zu dem Buch und beendet es wundervoll.

Bewertungsskala - Vier Hühner

So, meine lieben Leute, das war also das, was ich gelesen habe. Und es war auch der letzte Post dieser Art… Ich glaube, Bücher sind mir einfach nicht so wichtig, dass ich ihnen regelmäßig einen Platz auf Habutschu einräumen möchte. Zukünftig werde ich gelesene Bücher wohl eher kurz im Monatsrückblick in zwei Sätzen bewerten und sonst meine Zeit lieber darein investieren, andere Beiträge zu tippen, an denen ich mehr Spaß habe. Ja – lesen ist ein tolles Hobby, aber Bücher bewerten, dass macht mir doch nicht so viel Freude und andere Leute können es sowieso besser. Ich denke, ihr versteht meine Entscheidung.


Die Reihe „gelesen in letzter Zeit“ erschien bei mir ca. alle drei Monate, vorzugsweise am 9. Tag des Monats. In den Beiträgen stellte ich dann gesammelt alle Bücher vor, die ich in der Zwischenzeit gelesen habe, und sprach entweder eine Empfehlung aus oder rate euch begründet von einzelnen Werken ab.
Gesammelt findet ihr hier alle bisherigen Posts dazu.

- geschrieben von Tabea -

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