Xanten – 23 Stunden Urlaub

Hallo ihr Lieben,

ich hatte frei. Und ich wollte in den Urlaub.

Ursprünglicher Plan: Mit zwei Fahrrädern und einer menschlichen Begleitung von Korbach nach Xanten radeln und Verwandte besuchen. Dauer: vier Tage Fahrrad, ein Tag Da-Sein, ein Tag Rückfahrt.

Problem: Kreislauf. Hitze.

Ergebnis: Wir sind am Dienstag, den 24.7., nicht losgefahren. Stattdessen habe ich aus Versehen bei 35 Grad Außentemperatur Weihnachtslieder gehört. Upps.

Neue Urlaubspläne

Meine Begleitung und ich wollten unseren einzigen Urlaub dieses Jahr aber eigentlich nicht ausfallen lassen. So beschlossen wir, am Wochenende mit dem Auto zu unserem Onkel zu fahren. Und wenn wir schon das Auto nehmen: Könnte es sein, dass Oma mit will?

Oma gefragt. Onkel gefragt, ob Oma mitdarf. Beschlossen, dass wir mit Oma Samstagmorgen losfahren.

Freitag Abend musste ich dann einsehen, dass ich endlich packen sollte. Das ging auch recht schnell, weil ich keine Zeit hatte, da ich spontan den Mond fotografieren wollte. Aber: Packen ist verdammt schwer, wenn man keinen Plan hat, was man für ein Wochenende braucht. Hab dann einfach alles, was mir “eventuell brauchbar” erschien, eingepackt.

Xanten

Wer Urlaub will, muss anreisen.

Samstag Morgen um 8:15 Uhr startete ich die Reise. Erste Etappe: Frankenberg nach Korbach. Ich muss ja noch den Rest der Truppe einsammeln. Oh, und … äh … nunja – Tanken? Joar, kann man mal machen, wenn das Auto gut 500 Kilometer fahren soll. Meine Tankanzeige verarscht mich ja gern mal und zeigt ewig “voll” und dann plötzlich “fast leer” an.

Um kurz vor neun hielt ich bei Oma in Korbach. Sie verteilte noch schnell ein paar letzte Anweisungen an meinen Opa, damit der auch ja die Fische gut versorgt. Dem Hund sagte sie, dass sie gleich wiederkäme. Und das war dichter an der Wahrheit, als man bei einem Urlaub meinen würde.

Nächster Stopp: Korbach, bei meiner Schwester. Kofferraum auf, Äpfel raus, Schwesterchens Rucksack rein. Schwester auf den Rücksitz und los geht’s.

“Die ersten 130 Kilometer schaffe ich ohne Wegbeschreibung.”, sagte ich. Die A44 zu finden ist nämlich idiotensicher. Auf der A44 100 Kilometer geradeaus zu fahren ebenfalls.

Doch danach musste meine Schwester mir immer wieder vorlesen, was auf dem Zettel stand, den ich ihr in die Hand gedrückt hatte. Meine handgeschriebene Wegbeschreibung … Manchmal war uns nicht ganz klar, was genau ich auf dem Zettel von mir am Steuer wollte.

Xanten

Irgendwann hatten wir Stau. Ich erwürgte mein Auto mal wieder. Es hupte hinter mir. Ich blickte in den Spiegel und erschrak: Der Abstand von meiner Heckscheibe zur Motorhaube des Transporters hinter mir betrug ca. 20 Zentimeter. Meine Schwester stellte dann auch noch fest, dass der Fahrer am Handy rumspielte. Also, sehr gehasster Transporter-Fahrer, ich sehe ein, dass es eher doof ist, wenn ich mein Auto abwürge. Aber wenn du am Handy hängst und mir hinten drauf fährst, dann hast du garantiert kein Recht, mich auch noch anzuhupen!

Letztendlich erreichten wir aber doch heile das Ende der letzten Autobahn. Zwischendurch fuhren wir an vielen Orten vorbei, die wir von der ersten Fahrradtour kannten. Das letzte Stück kam uns auch bekannt vor – trotzdem haben wir uns verfahren und schließlich für die letzten 30 Kilometer doch noch Google Maps angeschaltet. Aber hey – fast hätte es ohne geklappt.

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“Sie haben Ihr Ziel erreicht”

Oma kommentierte die Fahrt mit “Man merkt doch, wie routiniert du bist.” Ich wunderte mich. Woher soll ich Routine haben? Ich fahre doch nur, wenn es nicht anders geht. Und Autobahn meistens sowieso nicht.

Mittagessen sollte es draußen geben, aber da wir unserem Onkel auch einen Kofferraum voller Regentropfen mitgebracht hatten, mussten wir das nach drinnen verlegen. Es folgte eine Führung über das Grundstück. Und es war heiß!
Wir beschlossen, an die Nordsee zu fahren. Also die Xantener Nordsee, einen Baggersee vom Kiesabbau. Der Weg führte uns von dort an den Rhein. Sofort musste ich an Mama denken, mit der ich bei unserem ersten Besuch in Xanten stundenlang Schiffe beobachtet hatte. Oma wollte unbedingt den Rhein anfassen – dabei sind die Füße auch nass geworden. Upps.
Ich schickte Mama noch ein seeeehr hässliches Selfie und schon ging es zurück durch die Herbstlandschaft.

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Ja, Herbstlandschaft. Ich wusste ja, dass die Trockenheit den Pflanzen und Landwirten zu schaffen macht, aber ich hatte nicht auf dem Schirm, dass es in NRW so viel schlimmer als bei uns ist. Dort sind die Felder nämlich nicht braun-grün, sondern quasi leuchtend gelb. Wie Stoppelfelder. Und von den Bäumen regnet das Laub.

Torte, Muffins, Labern, Abendessen gehen. Praktisch, dass mein Onkel und seine Frau ein veganes Restaurant ausgesucht haben, weil Xanten vom “Petersielchen” abgesehen angeblich nicht viele tolle Restaurants zu bieten hat.
Bestellt haben wir 3 feuerspeiende Gerichte und zwei normale. “Feuerspeiend” nenne ich sie, weil sie SEHR scharf waren. Ich mag ja scharf, mein Essen war auch extra als “scharf” gekennzeichnet, aber irgendwie unterschätzt man das ja doch gern mal. Und als einer der anderen scharfen Reste noch zu meinem Onkel geschoben wurde, war Oma plötzlich die einzige, die kein Feuer speien konnte.

Als Drachen liefen wir durch die langsam abkühlende Stand. Uns begegneten bunt angemalte Kästen und die Mühle. Und der Dom. Am Selfie-Point machte ich Fotos, nur kein echtes Selfie. Denn das “Schwestern”-Selfie ließ ich meine Tante machen, damit der Dom im Hintergrund ganz drauf passt.

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Wieder zurück im Haus warteten wir auf die Schleiereulen. Die wohnen nämlich mit meinem Onkel zusammen auf dem Grundstück. Und pünktlich um viertel nach zehn verlassen sie den Kasten und zeigen sich. Sehr spannend.

Aber dann war es auch Zeit zu schlafen. Ich war echt müde! Unser Onkel warnte uns zwar vor dem Krach der Schleiereulen, doch ich habe NICHTS gehört. (Er übrigens schon, meine Schwester auch nicht, meine Tante schon und meine Oma wieder nicht.)

Am nächsten Morgen klingelte ein Wecker. Meiner. 6:15 Uhr. Schnell ins Bad und fertig machen, denn wir wollten ins Naturschutzgebiet “Bislicher Insel” fahren und Vögel angucken. Vögel beobachten zählt nämlich zu den Hobbys meines Onkels und seiner Frau. Meine Schwester scheint es auch interessant zu finden, meine Oma vielleicht auch? Nur ich … ich passte mich dann eben an und hoffte, dass die Kühe im Naturschutzgebiet auch wieder da sind.

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Nunja, wir haben die Vögel, die wir sehen wollten, nicht gesehen. Die Kühe waren auch nicht richtig da. Aber: Ein Eisvogel! Mensch, ich dachte, die Viecher sind größer.
Und: Vögel fotografieren ist nicht mein Fall. Zu schwierig. Und Mensch, das Objektiv, das meine Tante für sowas benutzt, wiegt auch eine halbe Tonne. Nee danke, dann doch lieber wieder der blöde Mond.

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Nachdem alle Vögel bestaunt waren, gab es Frühstück. Wir laberten noch ein wenig, streichelten den Hund und … packten unsere Sachen.

Wer in den Urlaub fährt, muss auch wieder nach Hause.

Um halb 11 verließ mein Auto das Grundstück; meine Oma, meine Schwester und ich waren an Bord. 22,5 Stunden haben wir bei meinem Onkel verbracht und das war doch ein ganz netter Urlaub. Nur etwas länger hätte er sein dürfen.

Die Rückfahrt war unspektakulär. Nur dieser Wind – verdammt, was soll das? Der hat ständig an meinem Auto gerüttelt. So schlimm hatte ich das noch nie …
Und diese Idioten, die rechts überholen. Hallo, geht’s noch? Und diese Leute, die mit 100 km/h den linken Fahrstreifen auf einer fast-leeren Autobahn benutzen …

Naja, am Ende waren wir doch recht schnell zu Hause. Also in Korbach, meine ich. Oma kommentierte diese Fahrt mit: “Die ist gefahren wie ein Gewitter!”; Mama lachte und schob das auf mein Auto; meine Schwester war wieder zu Hause. Im nächsten Schritt tauschte ich meine Oma gegen einen Eimer Äpfel.

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Nur noch 30 Kilometer bis zu Hause, dachte ich. Und auf diesen 30 Kilometern haben mich die anderen Verkehrsteilnehmer echt am allermeisten genervt. Ich meine, ich hatte drei Motorräder (die ich ja sowieso aus diversen Gründen hasse wie sonstwas) vor mir. Zusätzlich dazu einen komischen Audi (auch gegen die haben ich was … aus Gründen! :D). Und was machen diese vier? Na, sie fahren konstant zwischen 60 und 80 km/h. Und das auf meiner Lieblingsstrecke, auf der man problemlos mit 100 km/h durch jede Kurve kommt. Danke, Leute. Was soll das?

Aber irgendwie habe ich auch das überlebt. Und dann war ich wieder zu Hause. Ponychen besucht, Fotos sortiert, Text getippt, was man eben so macht.

Und jetzt? Jetzt, ein paar Tage später, sitze ich wieder allein in Frankenberg und soll arbeiten gehen. Mensch, was werde ich das mobile Internet von Xanten & Umgebung vermissen. Warum zum Teufel hat mein Onkel mitten im Nirgendwo perfektes Internet und ich habe im Wohngebiet vor meiner Haustür nicht mal so viel Empfang, dass ich eine WhatsApp-Nachricht versenden kann?

7 Gedanken zu „Xanten – 23 Stunden Urlaub“

  1. Besser ein kurzer Urlaub als gar keiner! Und dass du eine schöne Zeit mit deiner Familie hattest, klingt richtig gut. 🙂

    Bei deiner Ankündigung in einem anderen Beitrag neulich hatte ich ja erst befürchtet, dass ihr den Urlaub wegen Kreislaufkollaps oder sowas früher hättet abbrechen müssen. Bei dem Wetter wäre mir eine Radtour aber auch zu krass geworden…

    Ja, es ist heftig, wie ausgetrocknet hier alles ist. Die Wiesen sind hellbraun und die Maiskolben sind nur halb so groß, wie sie sein sollten. Eventuell soll es nächste Woche ein paar Gewitter geben – vielleicht kommt dann ja auch etwas Regen bei rum.

    Liebe Grüße
    Anne

    1. Nee, der Kreislauf hat schon vor Antritt der Tour gestreikt. Wir waren aber beide doch traurig, weil die Fahrradtouren immer irgendwie cool waren.
      Hier kriegt der Mais gar keine Kolben und sie fangen jetzt an zu hechseln, damit nicht alles vertrocknet 🙁

      Also wünsche ich uns allen Regen. In Massen. Aber bitte nur nachts, weil ich die Sonne trotzdem liebe 😉

      Liebe Grüße

  2. Das klingt doch nach einem sehr netten Ausflug! Wenn ihr gleich am ersten Tag aufs Auto umgestiegen wert, hättet ihr dort auch mehr Zeit verbringen können, 😉

    Einen Eisvogel habe ich noch nie sehen können.. obwohl es hier in Hamburg auch welche geben soll. Naja irgendwann vielleicht mal.

    Die Trockenheit hier ist ein riesen Problem. Die Pflanzen und Bäume gehen ein. Einige junge Bäumchen sind in meinem Wohngebiet schon tot. Auf dem Land müssen die Bauern schon Futter ankaufen, um ihre Tiere versorgen zu können. Ein Milchbauer berichtete, dass seine Kühe, die normalerweise durchschnittlich 28 L Milch am Tag geben, nur noch ca. 10 Liter am Tag Milch geben können…

    Ich hoffe es regnet bald mal richtig. In den letzten 3 Monaten hat es zusammengerechnet getade einmal ca. 2-3 Stunden geregnet.

    Lieben Gruß, nossy

    1. Wenn wir am ersten Tag das Auto genommen hätten, wären die Türen meines Onkels verschlossen gewesen. Er ist nur am Wochenende da. Außerdem habe ich auch seit Monaten Kreislaufprobleme und habe mir kurzerhand einen Arzttermin deswegen besorgt, als ich wusste, dass die Fahrradtour ausfällt. Der war dann Freitag. Daher konnten wir nicht früher los. Außerdem sollte mein Opa nicht so lang allein zu Hause sein. 😉

      Ja, das mit dem Wetter ist dieses Jahr echt ein Problem. Hier klagen auch alle. Aber ich glaube, ich lebe vielleicht doch in einer grünlichen Oase im Vergleich zum Rest.
      Kühe haben aber allgemein mit Temperaturen von 30 Grad und mehr starke Probleme. Ich springe ja auch gern mal in Kuhställen rum … Bei dem Wetter tun sie einem dann alle leid.

      Liebe Grüße

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