Klausurenphasen machen komische Dinge

Hallo ihr Lieben,

das Semester ist schon fast zu Ende, obwohl es sich anfühlt, als wäre es bis “Ende Juli” noch ganz lang. Das Problem: “Ende Juli” ist eigentlich vom 12. bis 17. Juli, denn da liegen meine letzten drei Klausuren. “Ende Juli”, wenn das Semester wirklich zu Ende geht, habe ich frei und fange danach wieder an, in den Betrieb zu gehen.

Soweit, sogut. Das Problem an der Sache? Die Klausuren. Die Tatsache, dass ich in letzter Zeit nicht regelmäßig gelernt habe … das Leben war einfach schöner oder die Motivation im Urlaub. Und aus den Vorlesungen habe ich auch nicht allzu viel mitgenommen.

Die Lern-Vorgeschichte

Das fing eigentlich aber nicht erst gestern an … also das mit den Klausuren.

Eigentlich lagen zwischen dem letzten Hessentags-Tag und meiner ersten Prüfung genau fünf Tage. Fünf Tage, von denen einige mit Vorlesungen schon ordentlich ausgeschmückt waren. Fünf Tage, in denen ich krank war und schon froh gewesen bin, wenn ich die Vorlesungen durchgestanden hatte.
Das Resultat: Ich habe wesentlich weniger für diese Englisch-Prüfung getan, als ich vorhatte. Aber da ich alle Hausaufgaben gemacht habe und eigentlich nach jeder Vorlesung noch mal das Wesentliche zusammengeschrieben hatte, fühlte ich mich trotzdem gut genug vorbereitet. Die Prüfung lief okay – schriftlich hatte ich keine Probleme und mündlich … nunja, ich habe irgendwo ein deutsches Wort verwendet und ab und zu Vokabeln in meinem Kopf gesucht, die nicht da waren. ABER: Erkältet bei über 30 Grad eine Cambridge-Prüfung zu machen ist eben auch nicht das Wahrste. Von daher war ich mit dem, was ich hinbekommen habe, zufrieden. Ergebnisse lassen noch auf sich warten.

Klausurenphase(Leider ist an diesem Foto nichts gestellt. Und: Voll unpraktisch, wenn man immer erst die Bilder über dem Schreibtisch unkenntlich machen muss …)

Dann der nächste Schock: Noch zwei Wochen bis Fluidmechanik. Scheiße, dachte ich. Schockstarre. Erst mal abgewartet bis zur letzten Vorlesung, die eine Woche vor der Prüfung stattfand. Und danach: Okay, ich habe ungefähr 12 Altklausuren und muss ein ganzes Script so komprimiert zusammenfassen, dass ich in der Klausur die Infos finde, die ich suche.
Motivation? Hahahaha.
Disziplin? Na, ich kann ja wenigstens anfangen.
Angst? Die letzten zwei Tage vor der Klausur bis abends gelernt und das echte Leben auf Standby geschaltet.
Ergebnis? Als ich meine Blätter abgab, befürchtete ich, dass es sehr eng wird. Mit 50% wäre ich seeehr glücklich gewesen. ABER: Es wurde eine 1,8. Keine Ahnung, wie ich das geschafft haben soll.

Und dann? Oh, hey, ich hab wieder ein Leben! Leute besuchen, Kuhstall, Sport – was man eben so macht.

Und dann, am 29.6. die Erkenntnis, dass die Klausuren eben nicht “Ende Juli” sind. Verdammt, ich muss lernen. Oh, äh, Geburtstagsfeier, und äh. Upps, schon der 2. Juli.
Jetzt aber wirklich, dachte ich. Und schrieb erst mal einen Lernplan. Den zweiten in meinem ganzen Leben. Den ersten hatte ich damals fürs Abi. Gefühlt schon ewig her; in Wirklichkeit sind es zwei Jahre und ich habe diesen neuen Plan sogar auf die gleichen Post-Its wie damals geschrieben.

Lernen mit dem neuen Lernplan

Und mit dem Plan fing es dann erst richtig an: Plötzlich wurde mir bewusst, was das Lernen mit mir macht. Komische Dinge passieren …

Das fängt schon damit an, dass dieser glorreiche Lernplan unvollständig ist: Es fehlt die Präsentation, die ich demnächst halten werde, und der Aufsatz, der auch noch abgegeben (und vorher getippt) werden muss. Super, klebe ich eben noch zwei Zettel daneben, die diese Punkte abdecken.

Post-Its tauchten in den Scripten auf, obwohl diese schon längst bedeutungslos geworden sind. Weg damit.
Oh, und andere Scripte sind ja unvollständig. Dumm gelaufen – ich hoffe noch, dass das Internet mir helfen wird, wenn ich bei diesen fehlenden Themen ankomme. Aber ich fürchte: In diesem besonderen Fach ist das Internet sowieso hilfreicher als das, was der Dozent mir im Unterricht erzählt.

Klausurenphase

Wenn ich lerne, schreibe ich übrigens gerne eine Zusammenfassung meiner Unterlagen. Dabei passierte es, dass ich “Portofolio” schrieb und mich anschließend wunderte, warum das Wort “Portfolio” plötzlich so viele Os hat.
Meine Freunden beruhigte mich, denn als Germanistikstudentin schrieb sie auf ihre Lernzettel Wörter wie “Hellichkeit“. Die Klausurenphase ist also die Zeit, in der Rechtschreibung verlernt wird.

Doch das ist noch nicht alles: Mir fiel auch auf, dass ich komische Abkürzungen nutze. Mal “Kap. 1“, mal “K1” und gelegentlich auch “Ch. 1” oder nur die Zahl. Wenn dann noch “MPC” und “AuR” auf dem Zettel stehen, weiß außer mir wahrscheinlich niemand mehr, wovon ich rede. Gut so – denn dann hält der Rest der Welt meinen Lernplan für komplex?

Aber es wäre sowieso besser, wenn niemand meine Lernzettel in die Hand bekommt, denn:

  1. ich erfinde neue Buchstaben: Eine längere Schlangenlinie ist in der Regel ein “mm” oder ein “nm” oder “um” oder “un” oder “um“; komische Schnörkel könnten ein “G” darstellen und merkwürdige Dinger über mehrere Zeilen sind in der Regel meine persönlichen Abwandlungen von griechischen Buchstaben.
  2. ich erfinde neue Wörter: Schon mal von “Bewung” gehört? Das passiert, wenn ich nach drei Stunden gerne fertig werden will und meine Hand deswegen Buchstaben spart. Doof nur, dass mich dann irritiert, dass das Wort “Bewegung” plötzlich so komisch aus sieht. Da malt mir mein Hirn gleich eine gedankliche, rote Schlangenline drunter.
  3. ich … äh … mische Sprachen. Script sagt “Management by Objectives“, ich schriebe “Management bei Objek…” – halt, verdammt! Außerdem passiert bei mir oft eine Sache “for” der anderen. Es nimmt gruselige Ausmaße an, glaubt mir. Übrigens: Aufgrund dieser Macke steht auch überall in diesem Post “Script” statt “Skript“. Lasse ich jetzt so, aus Gründen der Authenzität oder vielleicht auch, weil ich zu faul zum Ändern bin.
  4. ich schreibe überall. Auf dem Blattrand, zwischen den Zeilen, über die Löcher des Blattes hinweg. Jeder Perfektionist würde einen Anfall kriegen, wenn er das sieht.

Klausurenphase

Weitere Effekte davon, dass ich von Bulimie-Lernen zu strukturiertem Bulimie-Lernen übergegangen bin:

  • Als ich etwas visualisieren wollte – vielleicht damit es sich besser einprägt – war mein Schaubild unübersichtlicher als die Aufzählung im Script. Zweck der Visualisierung knapp um Meilen verfehlt!
  • Postit-Verbrauch -> Unendlich. Upps.
  • Prokrastination. Ich war nie jemand, der sich vom Lernen ablenken lässt. Wenn ich gelernt habe, habe ich gelernt. Nichts anderes. Und jetzt? Haha. Mal schnell den nächsten Hirn-Fehler per WhatsApp an die Freundin schicken. Und kurz in Twitter schauen. Und im Kopf den Blogpost – halt, Stopp! Das ist jawohl das Schlimmste: Lernen produziert so viele dumme Fehler, dass ich auf die Idee kam, diesen Post zu schreiben. Doof nur, dass die Idee hartnäckig war und mich genervt hat, bis ich mir endlich die Zeit für diesen Text nahm.
  • Freizeit? Darf ich nicht. Wenn ich jetzt “Zeit habe”, d. h . sobald ich zu Hause bin, muss ich lernen. Sonst ermordet mich mein schlechtes Gewissen. Es ist schließlich Klausurenphase. Deswegen habe ich auch erst noch das Handout für die vergessene Präsentation getippt, bevor ich mit diesem Text angefangen habe. Und fast hätte ich auch noch … nein. Abends um neun ist irgendwann auch mal Feierabend; da muss man ja ins Bett.
  • Ich stelle fest: Ich kann Integralzeichen, griechische Buchstaben und Vektorpfeile nicht leiden. Kreuzprodukte sind der Horror … und bloß nicht diese komische dX/dt-Schreibweise für Ableitungen. Das Problem: Einige meiner Scripte bestehen zu 70% aus den oben genannten Widerlichkeiten.
    Vielleicht bin ich doch nicht zum Ingenieur geboren worden? Für mich ist das “L” nämlich immer noch ein Buchstabe, den man in Wärtern wie “Lampe” verwendet – keine physikalische Größe, unter der ich mir nicht im Geringsten was vorstellen kann.
  • Ich stelle mir Fragen, die ich mir sonst nie stelle. Finanzen und Kosten – gibt es da einen Unterschied? Müsste man mal googeln … Nein! Nicht schon wieder das Handy. Meine Güte, Tabea, reiß dich zusammen. Okay. Dann lerne ich den Unterschied halt nicht …

Festgestellt habe ich auch, dass mein Lernplan wirklich Mist ist. Da sind Tage, an denen ich 8 Seiten Skript eingeplant habe – ACHT! Da lohnt es sich ja kaum, den Ordner aufzuschlagen. Das kommt davon, wenn man sich die Kapitellängen nicht anschaut, wenn man Pläne macht.

Auch Lernen ist irgendwie erträglich

ABER: Ich habe was gefunden, dass das Lernen erträglich macht: meinen Schimpfwortduden. Den hat mir eine wunderallertollbestige Freundinnen letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt – eine weniger edle Variante davon haben wir in der 11. Klasse im Matheunterricht verfasst. Denn so schlecht wie der Unterricht war, mangelte es uns bald an Schimpfworten, um auszudrücken, wie furchtbar diese Stunden sind. Also haben wir neue kreiert. Und diese neuen Schimpfworte liegen jetzt in Buchform immer auf dem Tisch, wenn ich lernen. Dann kann ich immer mal eben ein Wort suchen, wenn ich jammern will, wie sehr ich das alles hasse.
Außerdem findet man in Scripten auch gern mal ein Wort, dass in diesen besonderen Duden aufgenommen werden kann. So schickte mir eine Freundin letztens z. B. das Wort “Endnullfehler”. Ich finde, das klingt gemein – auch wenn ich keine Ahnung habe, was das nun wirklich für ein Fehler sein soll.

Außerdem habe ich festgestellt, dass man nie allein ist. Egal, was die Freunde studieren: Wenn es um die Klausurenphase geht, leiden alle gleichzeitig und gleichstark und an ähnlichen Problemen. Da jammert es sich gleich viel besser.

Klausurenphase

Und: Verdammt, also ohne Eiscreme geht hier GAR NICHTS. Aber mit einem Eis in der Hand … ja, schon erträglich.

Manchmal schaltet mein Kopf dann doch um. Dann hält mich nichts mehr auf … Dann fange ich schon mal an, vorzuarbeiten. Seiten durcharbeiten, die erst für kommende Tage eingeplant waren, weil keine vom aktuellen Tag mehr übrig sind. Oder ich mache etwas für die Schule, was auf meinem voll ausgereiften Lernplan leider vergessen wurde. Mal eben eine Präsentation und zugehöriges Handout fertigstellen, nur so als Beispiel.

So, und jetzt? Ich gehe mal schlafen, in die Schule und weiterlernen. Auf Dauerschleife bis … äh … “Ende Juli“. Und danach zerreiße ich meine Lernzettel (ok, vielleicht erst, wenn ich weiß, ob ich bestanden habe …) und fahre weg. Urlaub … endlos lang. Zumindest fast. Also gut, eineinhalb frei Wochen müssen reichen.

*Gähn*

P. S.: Der Kugelschreiber hat vor mir aufgegeben. Ich verbuche das als Erfolg! 🙂

4 Gedanken zu „Klausurenphasen machen komische Dinge“

  1. Oha, ich drück dir ganz fest die Daumen, dass du den ganzen Krimskrams in dein Hirn gestopft bekommst. Das klingt wirklich nach irre viel Zeug! Aber ich stell’s mir cool vor, dass dann alles zu wissen. 🙂

    Haha, mit diesen Summenzeichen und ihren Freunden stehe ich auch auf Kriegsfuß. 12 Jahre nach dem Abi habe ich komplett vergessen, wie man die Dinger ausspricht und wenn ich jetzt für irgendwas Formeln brauche, lese ich mir die selber mit etwas, eh, kreativen Bezeichnungen wie Tüddelchen, i im Sinn und so weiter vor.

    Finanzen ist afaik übrigens der Überbegriff; Kosten sind nur der Teil, wo du Ausgaben hast (sprich, das Gegenteil von Einnahmen bzw. Nutzen).

    Und herzlichen Glückwunsch natürlich zur 1,8 – den Rest rockst du auch! 🙂

    Liebe Grüße
    Anne

    1. Du stellst es dir cool vor, das alles zu wissen? Schade, dass es mir nicht so geht. Mich interessiert das, was ich lernen muss, nämlich nicht im geringsten. Wenn ich etwas lernen wollen würde, was mich interessiert, hätte ich Biologie oder Medizin studieren müssen – aber die Berufe haben mit Menschen zu tun und mit Menschen kann ich nicht umgehen 🙁

      Also die Namen der meisten Symbole, die öfter auftauchen, kann ich noch (ist ja auch nicht so lange her), aber bei dem griechischen Eta und Ceta … nunja, da weiß ich nie genau, wie die aussehen und wer wer ist.

      Danke für die Erklärung. Ich glaube, den Rest rocke ich eher nicht – aber bestehen würde mir auch reichen. 😉

      Liebe Grüße

  2. Haha, dieses Phänomen, dass die Hand Wörter zusammenkürzt und man direkt danach draufschaut und irritiert ist, was man da geschrieben hat, kenne ich auch… und: Ich finde, der Moment, wo der Kugelschreiber, dieses Schreibwerkzeug, dass gefühlt ein Leben lang hält, tatsächlich LEER ist, ist ein sehr großartiger Moment! 😀

    1. Ein großartiger Moment?
      Wenn ein Kugelschreiber leer ist, dann liegt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es einer meiner allerliebsten Kugelschreiber war, bei 90%. Sonst würde ich das Ding ja nicht so viel benutzen, dass es mal leer werden kann. Und genau aus dem Grund, dass das verdammt noch mal ein toller Stift war, ist es immer mega traurig, wenn sie den Geist aufgeben. Zumal sich gerade in die allerbesten Kugelschreiber auch nicht einfach eine neue Miene stopfen lässt … 🙁

      Liebe Grüße

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