nachgedacht: Ich will – ich muss!

Hallo ihr Lieben!

Ich glaube, es war an einem Mittwoch vor zwei Jahren, als mir bewusst wurde, dass ich ganz schön viele Dinge tun muss. Wir wurden gerade praktischerweise wieder mit einem Berg von Hausaufgaben überhäuft. Sport muss ich auch noch machen, die Übungen für den Rücken stehen ebenfalls auf dem Programm. Oh nein, keine Möhre mehr im Haus – Ich muss einkaufen!

Und dann kam der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich das alles gar nicht muss. Die Welt geht nicht unter, wenn ich die Hausaufgaben ignoriere. Die Welt geht selbst dann nicht unter, wenn ich keinen Sport treibe. Die Welt geht verblüffenderweise auch nicht unter, wenn die Übungen für meinen Rücken ausfallen. Ach, und wer hätte es gedacht – die Welt dreht sich auch ohne Möhren weiter.

Es gibt nur ein einziges Problem an dieser Sache. Ich will nämlich irgendwas erreichen.

Ich will- ich mus- Problematik

Ich wollte am Ende des Schuljahres ein Abiturzeugnis in der Hand halten, auf das ich stolz sein kann. Wie das möglich sein soll? Ganz einfach: Gute Noten in möglichst vielen Fächern. Gute Noten kriegt man, indem man im Unterricht geistig anwesend ist und das dem Lehrer vorzugsweise auch noch deutlich macht. Hausaufgaben müssen regelmäßig und ordentlich gemacht werden, für Klausuren lernen wäre auch eine gute Idee.
Tja, dann war ich auch schon wieder bei der Formulierung mit dem “muss”. Wenn ich mein Ziel erreichen will, dann führt an ein bisschen Anstrengung wohl kein Weg vorbei.

Mit dem Sport sieht es ähnlich aus. So faul wie früher möchte ich nämlich nicht wieder werden. Gegen Unsportlichkeit hilft nur Bewegung, also muss ich mich wohl bewegen.

Rückenschmerzen finde ich ziemlich bescheuert. Viel in der Schule zu sitzen, kann ich nicht vermeiden. Die Tatsache, dass mein Rücken auf langes Sitzen mit Rückenschmerzen reagiert, wenn ich nichts dagegen unternehme, kann ich auch nicht ändern. Aber ich kann einfach drei Mal pro Woche 10 Minuten opfern, um diese langweiligen Übungen zu machen. Das alleine reicht, um zumindest auf diesen Punkt bezogen, schmerzfrei zu leben. Ich muss mich also zu Rückenübungen aufraffen, aber nur, weil ich diesen Schmerzen in meinem Leben keinen Platz einräumen möchte.

Ich will Möhren zum Abendessen essen, es sind keine im Haus, also muss ich welche einkaufen. Ganz logisch.

Aber jedes mal ist diese Notwendigkeit, etwas zu tun, nur deswegen gegeben, weil ich irgendwas anderes wirklich will. Ich will dieses Ziel so gerne erreichen, dass ich beschlossen habe, die nötigen Dinge dafür zu tun. Dieser Beschluss führt dazu, dass ich nicht mehr das Gefühl habe, die Dinge tun zu wollen, sondern tun zu müssen.

Es klingt zwar um einiges negativer, aber andererseits macht es mir deutlich, dass ich mir da selbst keine andere Wahl lassen will und dass es wichtig ist. Vielleicht nicht wichtig für die Welt, aber wichtig für mich.

Habt ihr euch schon mal darüber Gedanken gemacht, ob “will” oder “muss” die angemessenere Bezeichnung ist?

8 Gedanken zu „nachgedacht: Ich will – ich muss!“

  1. Sehr klare Worte, liebe Tabea. Finde ich gut, sich auch mal dadrüber Gedanken zu machen, dass man Dinge zwar machen muss aber diese aus bestimmten Gründen tun muss, weil man etwas erreichen will.
    Da ich einen Bürojob habe, habe ich mir so ein Luftsitzkissen gekauft, was meinen Rücken schon wesentlich besser macht. Wir gehen in der Mittagspause immer spazieren und ich geh ins Zumba. Sollte aber auch viel mehr machen (wozu ich mich aber nach 8h Arbeit nicht wirklich aufraffen kann…).

    Dann freue ich mich schon richtig auf Traumprinz 🙂

    Liest deine Omi englische Bücher? Wie süß 🙂

    1. Dass du nach 8 Stunden keine Lust mehr hast, kann ich gut verstehen. Wenn ich so lange in der Schule war, kann ich mich zumindest über Winter auch nicht mehr dazu aufraffen, noch in den Stall zu fahren.
      Ich habe jetzt seit einiger Zeit einen Gymnastikball am Schreibtisch und bin damit auch ganz glücklich – aber in der Schule hilft das halt auch nicht.

      Eigentlich liest sie lieber deutsche Krimis, aber sie hat mitbekommen, wie meine Schwester uns darüber unterhalten haben, dass es echt praktisch ist, auf englisch zu lesen, weil man dann nebenbei lernt. Und da wollte sie es dann auch mal probieren.

      Liebe Grüße

  2. …also willst du das müssen, weil Müssen und Wollen so eng aneinander liegen …wie der Hass und die Liebe 😉
    Vielleicht sollte man versuchen die Dinge zu mögen, die man macht, auch wenn man sie machen muss, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen …du MUSST sie einfach nur mögen 😉 😉 😉 …dann ist das müssen viel einfacher 😉

  3. Muss, sollte, kann, darf, will…
    Ich will Familie, also “muss” ich durchwachte Nächte durchmachen. Ich will zum Babyschwimmkurs, also “muss” ich mir den Montag frei halten. Ich will mehr Zeit für die Familie, also “muss” ich mit weniger Geld klar kommen… Deine Gedanken kann ich gut nachvollziehen und mache mir selbst manchmal solche “muss”-Gedanken. Dann wird zB aus ich-“muss”-mit-weniger-Geld-klar-kommen” schnell ein: ich DARF mit Dannys Gehalt einkaufen gehen, tanken, Urlaub machen, weil wir beide mehr Zeit für uns und die Kids wollen. ich DARF die Nacht durchmachen, weil ich dafür am nächsten Tag vom Baby angelacht werde… Das sind ja alles Entscheidungen, die wir selbst treffen – nicht das Schicksal oder sonst wer.
    Hoffe du blickst durch meine Worte durch…

  4. Ich bin auch der Meinung, dass man öfter mal seine Einstellung den Dingen gegenüber ändern “muss”.
    Wie du schon schreibst, gibt es halt Dinge, die man erreichen will. Und das funktioniert eben doch nie ohne Anstrengung.
    Beim Sport ist es bei mir zum Beispiel ähnlich. Ich war noch nie sonderlich sportlich und so viel Spaß macht mir der Sport nicht, aber wenn ich nichts für meinen Rücken usw tue, leide ich nur bei der Arbeit drunter. Natürlich müsste ich keinen Sport machen, aber irgendwie schon.
    Aber wenn man im Vergleich eben die Schmerzen sieht, relativiert es das Muss dann doch. 😉

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