Hessentag – MO, 28.5.18

MOOOIN!

Tag 4 vom Hessentag war ein Montag. Normale Leute mussten also arbeiten und in die Schule – ich erwartete also, von meiner Schwester wachgetrampelt zu werden. Komischerweise wachte ich jedoch von selbst auf und bekam einen Schrecken: Es ist hell! Meine Güte, dieser Sommer gibt mir einfach zu oft das Gefühl, verschlafen zu haben.

Naja, auf in die Küche. ICH BRAUCHE KAFFEE. 8 Tassen sollten reichen, oder? Zumindest, wenn ich etwas mehr Pulver als sonst nutze. Kurz beim Schwesterchen angeklopft. Die war sogar wach … und ich dachte schon, sie würde auch verschlafen. Da merkt man dann, dass ich sonst nie zu Hause bin und gar nicht weiß, wann sie normalerweise aufsteht.

„Kochst du Kaffee? Kann ich auch was haben?“
„Ist aber stark.“
„Ist mir egal. Ich will den mit in die Schule nehmen.“

Und so war ich schon um eine Tasse ärmer und sie um eine reicher. Hoffentlich reichen auch 7 Tassen für mich.
Mama kam in die Küche, obwohl sie ausschlafen könnte. Aber bei Mama ist eben auch 7 Uhr schon ausschlafen.
„Oh, kochst du Kaffee?“
„Ja, aber der ist zu stark für dich. Ich füll den Rest gleich in meine Flasche, dann kannst du dir neuen machen.“
(Man will ja nicht, dass Mama zu viel Koffein kriegt … oder wollte ich nur nicht teilen?)

Feststellung: Total schön, mal wieder zusammen zu frühstücken. Machen wir ja fast nie.
Aber Schwesterchen hatte höchstens noch 3 Minuten … oder warte … „Soll ich dich fahren?“ Ich musste doch eh ungefähr in die Richtung und auch bald los. Und so blieb das Schwesterchen noch ein bisschen, bevor wir ins Auto stiegen.
„Mensch, sind wir alt.“, stellte sie fest. Jep. Mit 19 Jahren bin ich alt, weil ich meine Schwester zur Schule fahre.

Auf dem Weg zu meinem Arzttermin wurde mir dann doch etwas schlecht. Zu wenig geschlafen? Zu viel Kaffee auf nüchternen Magen? Wie konnte ich so blöd sein, einen Arzttermin in die Zeit vom Hessentag zu legen?

Nach dem Arzt dann das Mittagessen und der Versuch, ins Fitnessstudio zu gehen. Versuch, denn es wurde nicht viel daraus … weil: Mensch ist mir schlecht! (Nein, ich war nicht betrunken oder von Alkohol verkatert!)

Also ging ich nach Hause und sagte der Verabredung, dass ich vielleicht doch nicht vorbeikomme. Als ich im Bett lag kamen die Fotos von der letzten Nacht an … und ich schlief ein. Eine Stunde später war ich der Meinung, dass die Welt von meinem Bett aus wieder okay aussieht. Also doch noch jemanden besuchen. Wäre sonst auch schade.

Und nach dem Besuch? Auf zum hr-Treff nach Korbach. Meine Schwester ist schon da – und an diesem Tag wollten wir doch endlich mal zusammen feiern.
Ähm, ja. Wir wollten. Denn als ich da ankam, sperrt die Security gerade das Gelände ab. Überfüllt. Eine Whatsapp-Nachricht an die Kirmes-Crew, ob irgendwer irgendwo ist. Kirmes-Crew Mitglied Nr. 2 wollte aufbrechen und schlug Rock & Soul bei der Bundeswehr vor. Irgendwann trafen wir uns. Eine Mami war auch dabei. Leider war bei der Bundeswehr eher nichts los, obwohl die Musik okay war. Also liefen wir die Hessentagsstraße entlang und trafen gefühlt alle 10 Meter jemanden. Der hr-Treff blieb geschlossen. Radio Bob klang gut. Das Mädchen von der Vornacht tauchte auf. Wir schauten noch mal bei der Bundeswehr. Kirmes-Crew Mitglied Nr. 2 verschwand samt Mami.

Montag, Hessentag, Radio Bob Bühne

Wir beide machten uns wieder auf den Weg zu Radio Bob.
Jemand kam und meinte: „Ich kenn dich.“
Ein komischer Blick von mir.
„Du bist die Halbschwester von ***“
Ein weiterer komischer Blick.
„Ich bin xxx.“
„Oh, dann kannte ich dich ja auch mal.“

Ein bisschen feiern, dann verschwand auch das Mädchen nach Hause. Ich suchte kurz die Zugverbindung für den nächsten Morgen. Nur für alle Fälle. Und dann quatschte ich die Fotoscoutin, die an der Bühne stand, an. Wenn man sonst schon niemanden kennt.

Sie: „Bist du allein hier?“
Ich: „Eben hatte ich noch Freunde, aber die sind müde.“
Sie: „Ach, und dann haben sie mal eben die Freundschaft gekündigt?“
Wir lachen. Ich mag solche Leute.

Der Mensch von eben kam wieder. Wir unterhielten uns über diesen Tag, an dem wir uns mal kannten. 8. Klasse. Wandern. Krieg mit Kletten. Zelten und merkwürdige pinke Bücher lesen. Und dann wollte er wissen, ob ich allein da bin.

„Ja. Meine Freunde sind nach Hause gegangen, aber ich komm nicht extra her, um um 11 Uhr schon schlafen zu gehen.“
„Also Abrocken!“

Ein Nicken von mir. „Joar.“
„Aber dafür hast du noch nicht genug getrunken.“
„Ich muss morgen früh fahren. Aber ich kann mich auch nüchtern wie betrunken benehmen.“
„Ich kann mich nur betrunken wie betrunken benehmen. Und wenn ich betrunken bin, dann tanze ich. Und das mach ich jetzt.“

Montag, Hessentag, Radio Bob Bühne

Und so verschwand er und ich tanzte auch. Erst hinten, dann vorne vor der Bühne. Und dann war da ein Bernd. Der war da dann der Meinung, mich anbaggern zu müssen. Nunja, und nachdem er sechs Mal gefragt hat, ob ich mir sicher bin, dass ich nicht schwanger bin, war ich leicht genervt. Er bot mir eine Zigarette an, ich lehnte ab. Er steckte sich selbst eine an, ich nahm Abstand. Er meinte, das wäre nicht so nett gewesen, was er gesagt hätte. Und jetzt wäre ich sauer.
„Nee. Ich kann nur Raucher nicht ausstehen.“
„Du bist sauer.“
„Nö. Aber ich geh jetzt nach Hause.“

Und so ließ ich ihn stehen und war stolz, das erste Mal in meinem Leben einen Kerl selbst wieder losgeworden zu sein. Letztes Jahr und bei einer Kirmes letztens hab ich mich ja von Freundinnen retten lassen.

„Nothing else matters“ lief, als ich Richtung Obermarkt lief. Doch dieses Mal wollte ich nicht heulen. An diesem Tag wollte ich glücklich sein und lief einfach weiter.
6 Minuten vor zu Hause sprach mich jemand an und wollte Feuer. Hab ich nicht – schließlich kann ich Raucher nicht ausstehen. Und dann wollte er wissen wie ich nach Hause komme und lief neben mir her. Ich wechselte die Straßenseite. Er lief weiter in die Richtung, in die ich eigentlich auch musste. Ich bog die nächste Straße rechts rein. Umwege sind manchmal eine gute Sache. Er folgte nicht mehr. Ein Glück! Ich meine – ich laufe gerne nachts allein durch Städte. Mache ich auch schon seit Jahren. Aber ab und zu sind dann doch komische Menschen unterwegs.
Kurz vor eins. Ich schließe die Tür auf.

Gute Nacht.

- geschrieben von Tabea -


2 Gedanken zu „Hessentag – MO, 28.5.18“

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