Hessentag – ein fotografisches Fazit

Hallihallo,

Eigentlich bin ich mit meinen Posts zum Hessentag durch, aber der Konzertheld hat sich noch einen weiteren gewünscht. Er hat mich nämlich schon nach den ersten wenigen Berichten gefragt, ob ich auch von meinen fotografischen Erfahrungen erzählen werde.

Hessentag Korbach, Black & Neon

Warum ausgerechnet die fotografischen Erfahrungen?

Ich war nicht nur privat an vielen Tagen auf dem Hessentag, sondern auch als Fotoscout für die Stadt Korbach im Einsatz. Daher habe ich ca. 2000 Fotos von Hessentag gemacht.
Zweitausend Bilder sind so viele, dass man da ein paar Erfahrungen sammeln sollte. Außerdem habe ich als Fotoscout natürlich auch Sachen fotografiert, die ich sonst noch nie fotografiert habe.
Daher hier ein Post mit meinen Erfahrungen.

Hessentag Korbach, Black & Neon

Die Foto-Ausrüstung

Nicht, dass nachher Fragen kommen…
Ich habe mit einer Canon EOS 1200D fotografiert. Also eine ganz billige Spiegelreflex ohne Wlan oder Touch oder Schwenkdisplay.
Dazu dann das Standartobjektiv. EFS 35-55 mm, f3.5-5.5. Lichtstark ist was anderes. Weitwinklige Aufnahmen gehen gerade noch so, aber dicht dran kommt man an nichts.

Optimal ist also sicher was anderes.

Ich hätte noch ein Pentacon 1.8/50 aus analogen Zeiten benutzen können. Das habe ich wegen des fehlenden Autofokusses direkt zu Hause gelassen. Bei dem Ding habe ich nämlich immer Probleme mit dem Scharfstellen.

Von daher war ich nur mit dieser Kamera, dem einen Objektiv und Handy unterwegs.

Hessentag Korbach

1. Die Sonne ist böse.

Ja… Wusste ich auch vorher schon. Aber als Fotoscout konnte ich mir nicht immer aussuchen, wann und wo ich fotografiere. Gleich am ersten Einsatztag war es meine Aufgabe, Herrn Buffiers Besuch bei der Landesausstellung zu dokumentieren. Er erschien um halb 11. Es war sonnig ohne Ende und der herr blieb am Polizeiorchester hängen und wollte zunächst mal ein bisschen dirigieren. Ich kämpfte gegen das Licht. Letztendlich habe ich die Personen leicht unterbelichtet und die Schatten später aufgehellt. Zu blitzen wäre vielleicht besser gewesen, aber bei den ganzen Kameras, die anwesend waren, fand ich das unangemessen.
Generell haben viele meiner Bilder jetzt einen überbelichteten Himmel, weil der Rest sonst zu dunkel wäre.

Aber: Auf die Idee, eine Sonnenblende zu benutzen, kam ich erst viel zu spät (und auch nur, weil die meisten anderen Fotoscouts eine benutzt haben). Vielleicht hätte die geholfen,…?

To-do: Mich mit Sonnenblende und meiner Filtersammlung auseinandersetzen!

Hessentag Korbach, Landesausstellung mit Bouffier

Hessentag Korbach, Landesausstellung

2. Lichteffekte sind böser.

Sonntag Abend hat man mich als Scout für das Dance Event im Festzelt eingeteilt. Während die Tanzgruppen getanzt haben, war die Bühne beleuchtet, der Rest dunkel. Mein Problem war jedoch, dass die Beleuchtung der Bühne immer wieder sekundenschnell wechselte. Mal heller, mal dunkler, mal bunter.

Dazu kam noch, dass die Beleuchtung der Bühne trotz allem nicht den Anforderungen meines Objektivs entsprach. Folglich musste ich mit ISO 6400 fotografieren.
Natürlich hätte ich die Belichtungszeit stattdessen erhöhen können, aber macht das mal bei tanzenden Menschen – die verwischen und werden zu Geistern.

Mich damit abzufinden, dass es einfach nicht besser zu lösen ist, war das Schwierigste. Nachher habe ich außerdem viele Bilder aussortiert, weil sie zu hell oder zu dunkel waren, obwohl ich ständig versucht habe, die Verschlusszeit anzupassen.

Die Ergebnisse? In geringer Auslösung kann man sie ansehen. Wenn ich sie groß mache, ärgere ich mich über das Rauschen. Aber dass mein Co-Fotograf das gleiche Problem hatte, beruhigt mich.

Hessentag Korbach, Sinfonic Rock

Hessentag Korbach, Black & Neon

3. Fotografen versenkt man im Graben.

Ich war auf drei Events als Fotograf akkreditiert.

  • Event Nr. 1 war das Dance Event. Graben? Nicht vorhanden. Das Publikum saß in Reihen mit 5 m Abstand vor der Bühne. Die Bühne war ca. 1,5 m hoch.

    Die Anweisung: Bilder dürfen während der ganzen Veranstaltung gemacht werden, entweder Bilder stehend hinter dem Publikum machen oder sich zwischen Bühne und Publikum auf den Boden hocken.

    Option A: mit meinem Objektiv keine gute Idee. Fotos von hinten übernahm also der andere Fotoscout.
    Option B: Tut erstens in den Knien weh und zweitens hat man immer die Lautsprecher im Bild, welche die Tänzer verdecken.

    Die Lösung: Der Zeitungsfotograf stand zwischen den großen Lautsprechern direkt vor der Bühne. Ich gestellte mich dazu. Die Kamera konnte ich also fast auf der Bühne auflegen. Und die Sicht habe ich auch niemandem versperrt, weil mein Kopf nicht so viel höher als die Bühne war, wie die kleinen Lautsprecher es waren.

  • Event Nr. 2 war Black & Neon im Festzelt. Hier gab es einen Graben. Wir durften die ersten fünf Minuten von jedem Act fotografieren.

    Beim ersten Act lieh mir der andere Fotoscout ein Objektiv mit höherer Lichtstärke und höherer Brennweite. Ich kletterte auf das Treppchen am Grabenzaun und wollte Steroact fotografieren. Problem: Die stehen hinter einem hohen LED-Mischpult auf einer 1,5 m hohen Bühne. Ich hatte also selbst aus dem Graben das LED-Ding vor dem halben Gesicht der Leute. Klasse. Dann wollte ich die Menge knipsen… Auch das ist aus dem Graben schwierig, weil man kaum Menschen auf das Bild bekommt. Normalerweise würde ich einen Schritt nach hinten machen, aber da war ja die Bühne.
    Der andere Scout hatte ähnliche Probleme.

    Die Lösung: Bei den letzten beiden Acts durften wir auf die Bühne und vom Rand aus sowohl die Leute am Mischpult als auch die Feierwütigen im Zelt knipsen. Total genial!

  • Event Nr. 3 war ein Konzert auf der Freilichtbühne.

    Es gab keinen Graben, die Bühne war deutlich höher als meine Körpergröße. So mischten der zweite Fotoscout und ich ins neben und hinter das Publikum. Wieder stieß ich an Grenzen. Dieses Mal gab die Brennweite einfach keine Aufnahmen her, auf denen weniger als die komplette Bühne drauf ist. Sitzend von vor der Bühne bekam ich höchstens die vorderen beiden Reihen drauf.

    Mhmpf. Aber abends mit Beleuchtung sah es cool aus und dieses mal passten sogar Bühne und Publikum aufs Bild.

Hessentag Korbach, Festzug

Hessentag Korbach, Dance Event

4. DSGVO.

Alter! Dieser gottverdammte Datenschutz. Mir ging das Zeug schon seit Monaten auf die Nerven, weil ich den Blog umbasteln musste.

Aber als Fotograf auf dem Hessentag nahm es noch ganz andere Dimensionen an. Sobald ich kleine Personengruppen oder Einzelpersonen fotografieren wollte, musste ich mir eine Datenschutzerklärung von jedem Abgebildeten unterschreiben lassen. Inklusive Adresse. Wisst ihr wie viel Zeit das kostet?
Wisst ihr, wie viele Leute das affig finden?

Ergebnis: Kaum Menschen fotografiert. Oder die Bilder nicht in die Hessentagscloud geladen, sondern den Leuten lediglich per Mail geschickt, falls die Erklärung unvollständig war. (und falls ich die betrunken hingekritzelten E-Mail-Adressen halbwegs entziffern konnte …)

Hessentag Korbach, Sinfonic Rock

5. Fotografieren im Team ist spitze!

Super Sache! Auf die großen Events gingen wir mindestens zu zweit. Das heißt, meine Bilder mussten nicht gut werden, weil es zur Not immer noch die des anderen gab. Außerdem musste ich nicht alle Perspektiven abdecken – alles, was meine Ausrüstung nicht hergab, überließ ich anderen.

Aber: Es macht auch mehr Spaß, wenn man zu zweit unterwegs ist und sich zwischendurch ein bisschen unterhält. Und ich hab so viele interessante Leute kennen gelernt!

Hessentag Korbach, Totenhagen

Hessentag Korbach, The Weight

6. Das Anti-Highlight namens “Fotografieren mit Kopfschmerzen”

Nicht so cool dagegen ist es, wenn der Körper irgendwann genug hat. Ich wollte nicht aufgeben. Nicht am letzten Tag. Also fotografierte ich den Festzug mit Kopfschmerzen. Sehr geil, wenn die Orchester-Leutchen immer direkt vor mir stehen bleiben, wenn der Festzug wieder im Stau steht.

Fotografieren macht nicht mal mehr halb so viel Spaß, wenn es mir nicht gut geht. Zukünftig bin ich also nur noch mit Kamera unterwegs, wenn alles heile und gesund ist.

Hessentag Korbach, SDP

7. Speicherkarte und Akkus braucht man auch.

Bis zu zehn Stunden am Stück mit der Kamera unterwegs. Das war, was ich vor dem Hessentag wusste. Also besorgte ich mir zwei Ersatzakkus und eine neue Speicherkarte.

Fotos wollte die Stadt in maximaler Auflösung – also machte ich RAWs und JPGs gleichzeitig, damit ich nur konvertieren muss, wenn ich aufwändig bearbeiten will.

Haha. Nach dem Dance Event waren 850 Fotos auf der Karte und damit war diese voll. Ich musste meinen Dienst vorzeitig beenden. Danach gab es dann nur noch hochauflösende JPGs und nie wieder so viele Fotos, weil ich ja aus meinen Fehlern lerne. Aber beim Dance Event war eben so viel Bewegung und Lichterchaos, dass ich mit der Serienaufnahme auf Glückstreffer hoffte.

Die Karte habe ich nach jedem Einsatz geleert, den Akku dagegen nicht ausgetauscht oder geladen. Denn: 1 Akku = 4,5 Foto-Schichten. Ich legte also nur ein Mal im Dienst schnell einen Ersatzakku ein und das wars.

Merke: Akku hält ewig und ich brauche eher noch weitere Speicherkarten. Oder sollte entweder RAW oder JPG aufnehmen. Nicht beides.

Hessentag Korbach, Dance Event

8. Das grüne T-Shirt ist der Schlüssel.

Unsere Dienstkleidung was das grüne Hessentagsshirt. Das trugen alle Fotoscouts und alle freiwilligen Helfer außer denen im Polizeibistro, denen von der Feuerwehr und den Sanitätern.

  1. Effekt: Man lächelt alle anderen in Grün an. Schließlich gehört man irgendwie zusammen.
  2. Effekt: Der Bürgermeister freut sich, wenn man mit Kamera bei seinen Auftritten ist. Man kriegt sogar eine Begrüßung mit Handschlag.
  3. Effekt: Besucher fragen einen nach dem Weg. Oder nach dem nächsten dm oder dem Shuttlebus.
    Die Fotoscouts waren für sowas zwar nicht zuständig, aber für Besucher war eben jeder in Grün einer, der Ahnung haben muss. Ein Glück, dass ich Korbach kenne.
  4. Effekt: Wenn man auf einem Foto ist, sticht man heraus. Das war nicht so cool, wenn man bei Top Acts fotografieren sollte. Der HR mochte das gar nicht und forderte, dass wir in schwarz kommen. Hahaha! Der Hessentag ist grün.

    Nur ein Mal fühlte ich mich auch unwohl. Beim Finale des Dance Events waren Tänzer auf und vor der Bühne – und ich dazwischen bei meinen Lautsprecherboxen. Dabei wollte ich doch keinem die Bilder verderben. (Ich bin hinter den Lautsprechern untergetaucht.)

Hessentag Korbach, Black & Neon

Fazit!

Das waren meine Erfahrungen aus 2000 Fotos. Viele davon sind inzwischen bereits gelöscht, aber eine ganze Menge ist auch noch da. Und die Erfahrungen bleiben.

Und: Die Fotoscouts bleiben auch. Da werden weitere Treffen geplant. Ich freu mich. Und ich bin froh, dabei gewesen zu sein!

3 Gedanken zu „Hessentag – ein fotografisches Fazit“

  1. Aaah, supercool! Und so so viele Dinge, wo ich beim Lesen nur genickt und gegrinst habe. Trotzdem natürlich ein paar Gedanken. 🙂

    Die “Sonnenblende” heißt offiziell “Streulichtblende” und ist auf jeden Fall nützlich, nicht aber für die Situation, in der du an sie gedacht hast. Sie fängt seitliches Licht ab, will aber an sich nicht die Lichtmenge reduzieren. Sollte man trotzdem haben, ist manchmal nützlich, will man, wenn man sie braucht, nicht erst draufschrauben und außerdem ist es ein prima Stoß- und Sturzschutz.

    Noch was zur Technik: Hee, als ob der Schwenkbildschirm und Touch das Beste an den teureren Spiegelreflexen wären! Ok, Schwenkbildschirm IST praktisch, aber wichtig sind auch das Handling, das höhere Gewicht und der bessere Sensor (Stichwort Rauschen). Und bei den ganz teuren halt auch der Vollformatsensor, der nochmal einen groooßen Sprung nach vorne bringt. Aber auch ein entsprechendes Loch im Geldbeutel. Zustimmung dafür zum Thema Akku / Speicherkarte, hab ich auch gelernt, Ersatzakku braucht man doch eher selten, Speicherkarte schon eher. Wobei auf meine ca. 1100 Fotos in RAW passen, das reicht dann doch auch meist. Tipp hierzu: RAW lohnt sich schon, wenn man ein passendes Programm hat, dann lieber die Auflösung runterschrauben, gerade bei hohen ISOs skalierst du ja eh hinterher runter – das kann die Kamera auch direkt, spart Speicherplatz. Außerdem verbessert es die Lichtsituation leicht, weil die gleiche Lichtmenge auf weniger Pixel fällt = mehr Licht pro Pixel. Nicht vergessen wieder hochzudrehen wenn wieder Licht da ist!

    Ich finde es cool, wie du das mit der Rücksichtnahme gelöst hast. Leuten im Bild stehen ist immer doof, es ist schon üblich, erwünscht und sinnvoll und auch respektvoll, sich als Fotograf möglichst unsichtbar zu machen. Ob man dazu auch schwarze T-Shirts trägt, ist diskutabel. Das kenne ich eher als Techniker – da ist man dann aber extern und repräsentiert eher seine Firma als das Event.

    Die Datenschutzvorschriften sind sehr sehr krass. Ich frage mich, ob sich das durchsetzen wird. Muss ich mal meine Festival-fotografierenden Ex-Kollegen fragen… Sinnvoller wäre beim spontanen “eeey du, fotografier uns mal *Bier hochhalt*” sicher eher sowas wie “alles klar, kurzes Selfie-Video, sagt mal “ich möchte fotografiert werden und du darfst das veröffentlichen” und gut. Aber Unterschrift mit Adresse ist natürlich bei Rechtssicherheit der Klassiker und du hast blöderweise halt die Anfangszeit der “neuen Ära” erwischt…

    Trotzdem hat’s dir offensichtlich Spaß gemacht, sehr cool. Und danke für den schönen Erfahrungsbericht! 🙂

    1. Und jetzt bin ich die, die nickt. Natürlich ist das Schwenk-Display nicht das, was die teuren Kameras besser macht – aber Vollformat kam bei mir noch nie in Frage, weil ich Geld in der Regel lieber für Pferde als für Kameras ausgebe. Beim Gewicht bin ich aber froh, dass meine Kamera nicht viel wiegt, denn sonst wäre das Fotografieren mir am Ende noch zu anstrengend. Nur beim Rauschen hast du eindeutig Recht – das ärgert mich IMMER WIEDER.

      Für den Tipp mit der Auflösung bei wenig Licht muss ich mich jetzt mal bedanken! Auf die Idee wäre ich nie im Leben gekommen. Inzwischen fotografiere ich auch wieder in RAW, eben weil es sich lohnt. Aber bei der Flut an Fotos auf dem Hessentag hatte ich auf Fotobearbeitung absolut keine Lust.

      Das mit dem Datenschutz war echt doof – zumal mir einige (betrunkene) Menschen auch eine E-Mail dazugeschrieben haben, damit ich ihnen die Fotos schicken kann. Habe ich auch versucht – und bei 60 % der Fälle eine Fehlermeldung gekriegt, dass die Adresse gar nicht existiert. Entweder kann ich nicht gut genug lesen oder die Menschen schreiben nicht mehr deutlich genug, wenn der Abend fortschreitet.

      Aber ja: Hat Spaß gemacht und ich würde das sofort wieder machen, wenn ich könnte.

      Liebe Grüße

      1. Das Gewicht macht die Sache natürlich ein bisschen anstrengender, hat aber eben auch den Effekt, dass eine Hand, die einen schweren Gegenstand hält, weniger schwankt als eine Hand, die einen leichten Gegenstand hält. Daher nennen viele, auch ich, das höhere Gewicht als Vorteil. (Und das ist wohl auch der Hauptgrund für Batteriegriffe, denn wie du gemerkt hast, kommt man mit einer Akkuladung sehr, sehr weit.) Und, wie erwähnt, die Knöpfe und Räder sind anders verteilt auf der größeren 60D und meiner Meinung nach schlauer.

        Tjoa, doof dass du deine Zeit verschwendet hast mit dem versuchten Mailversand, aber auch Pech für die Leute. Ist sowieso nett von dir, dass du denen die Bilder überhaupt schicken würdest. 🙂

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