Ein Jahr Adena

Hallo – oder vielleicht auch „Meine sehr geehrten Damen und Herren“?

Die feierliche Anrede wäre heute nämlich anbracht, denn es gibt ein Jubiläum zu feiern. Heute vor 365 Tagen bin ich mit dem Auto nach Edertal-Wellen gefahren und habe ein Pony gekauft.

Aber schön der Reihe nach:
Der Kauf war ein chaotische Aktion. Ich hatte mich vorab natürlich angemeldet und einen Termin ausgemacht. Als ich auf dem Hof ankam, war trotzdem niemand vorbereitet. Der Hofbesitzer beauftragte zwei Reitschülerinnen damit, mir zwei Ponys zu zeigen. Adena war das sympatischere von beiden. Ich suchte einen Verantwortlichen, der mir mehr über sie verrät. Mit einer Decke, einem Gurt und einer x-beliebigen Trense durfte ich einen Proberitt machen. Kurze Absprache mit Mama via Telefon. Gekauft. Überzeugt war ich, kurze Absprache mit Mama und gekauft.

Zu Hause einen Stall gesucht. Traumhafte Behausung für das Pony gefunden – am 7. April konnte sie einziehen.

Und dann? Ungezählte Stürze, Angst vor dem Pony, Beritt für Adena, weitere Stürze.
Ende November landete ich mit einem Verdacht auf Gehirnblutung im CT. Die Familie geschockt – das Tabeachen kam mit einer Gehirnerschütterung davon.
Trotzdem: Adena sollte weg. Alles hatten Angst um mich.

24 Tage stand sie zum Verkauf. Weihnachten habe ich die Anzeige gelöscht. Zu wissen, dass sie weg muss, aber sie nicht loszuwerden, hat mich fertig gemacht. Also galt dann: “Wenn mich dieses Pony umbringt, bin ich wenigstens glücklich gestorben.”
Familie war nicht begeistert, aber hat es akzeptiert.

Plötzlich fing es an: Leute lobten uns, dass wir doch noch zueinander gefunden hätten.

Und dann kam der 24. Februar. 3 Monate nach meinem letzten Sturz zickte Adena beim Reiten. “Nee, da kann ich nicht hin. Ich hab Angst!”, jammerte sie. Dabei waren wir in der Halle, die genauso war wie immer. Das Wetter war auch gut.
Irgendwie haben wir uns durchgekämpft und ein paar Sachen geübt, die wir zuvor im Reitunterricht ausprobiert haben.
Ich wollte nur noch ein paar Runden Schritt reiten … als sie zur Seite sprang und losrannte.
Was genau passiert ist, weiß ich nicht. Ich bin gefallen, habe Hufe von unten gesehen und irgendwas am Helm hat “Klack” gemacht.
Ich lag auf dem Boden und habe überlegt, ob ich aufstehen soll. Ob ich das überhaupt kann.
Nach einer Weile habe ich mich am Pferdetier hochgezogen. Stehen? Schmerzhaft. Gehen? Schmerzhafter.

Ein Jahr Pony Adena

Aber ich musste ja wieder aufsteigen, damit sie nicht mit ihrer Gemeinheit durchkommt. Fragt mich nicht, wie ich wieder hochgekommen bin. Aber ich bin tatsächlich noch ein paar Runden geritten – jedes Mal hat sie an der Stelle, an der ich gefallen bin, gezickt.
Jemand hat mich nach Hause gebracht. Und dann habe ich geduscht und saß wie immer am Laptop. Allerdings waren die Schmerzen so stark, dass ich auch nicht mehr aufstehen wollte. Eine Freundin wollte, dass ich es untersuchen lasse – nicht, dass die Hüfte gebrochen ist.
Also landete ich an einem Samstag Abend in der Notaufnahme. Eine studentische Hilfskraft hat mich abgetastet. Eine Beckenprellung. Als ich geheult habe – ich weiß nicht, ob wegen der Schmerzen oder des Schocks – hat sie mich in den Arm genommen.

An den folgenden Tagen bewegte ich mich eher wenig und ungelenk. Sitzen ging, stehen ging, Bewegung aber nicht. Eine neue Anzeige landete im Internet: Pony abzugeben.

Eine Woche später hatte ich plötzlich Schmerzen im linken Bein. Sehr doll. Ich habe überlegt, auf dem Fußboden zu schlafen, weil ich nicht wusste, wie ich in mein Bett kommen soll. Der Arzt diagnostizierte am nächsten Morgen eine Leistenzerrung, die angeblich nicht vom Sturz kommen kann. Aber woher dann?

Ich habe behauptet, dass ich nicht mehr reite. Also gar nicht mehr. Niemand wollte Adena haben – nicht mal ein Pferdehändler.

Wochen zogen dahin. Irgendwann kamen doch Interessenten – nicht alle freundlich und manche mit merkwürdigen Vorstellungen.

Irgendwann bin ich doch wieder geritten, weil ich mich nicht zu beschäftigen wusste. Meiner Familie habe ich das erst gebeichtet, als ich heile wieder unten war. Aber was ich jetzt weiß: Nach Adena brauche ich ein neues Pony. Ein Leben ohne Pony geht nicht. Doch dazu muss erst mal Adena weg. Und das ist ein Problem.

Also: Ich wünschte, dieses Jubiläum hätte es nicht mehr gegeben. Das Gefühl, das Pferd “abzuschieben” ist ein ziemlich blödes. Das Gefühl, dass sich meine Familie permanent Sorgen um mich macht, ist noch schlimmer.
Mal davon ab: Ich habe keine Zeit für dieses Pony. Ich habe keine Zeit, mich nicht alle paar Wochen wegen eines Sturzes krankschreiben lassen.

Warum also dieser Post? Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil das Pferd einen Großteil meiner Freizeit der letzten 365 Tage eingenommen hat. Vielleicht, weil auch Geschichten ohne Happy End erzählt werden wollen.

- geschrieben von Tabea -


6 Gedanken zu „Ein Jahr Adena“

  1. Fühle dich gedrückt!
    Ich finde es so schade, dass sich Adena nicht ans reiten gewöhnen kann und es immer wieder Momente gibt, wo sie zurück schreckt und rumbockt. Deine Gesundheit ist allerdings das wichtigste. Ich wünsche dir daher, dass sich bald neue Besitzer für Adena finden lassen und du sie in gute Hände abgeben kannst.
    Traurige Geschichten gehören auch zum Leben dazu, sie machen uns stärker und meist geschiet danach etwas wundervolles 🙂

    Liebste Grüße, nossy

    1. Vielleicht kann sie sich nur nicht an mich gewöhnen? Bei anderen Leuten benimmt sie sich ganz anders. Ich werde gleich noch einen Interessenten treffen und kann jetzt nur hoffen. Irgendwann fehlt mir wirklich die Willenskraft dazu, es weiter zu versuchen …
      Liebe Grüße

  2. Liebe Tabea,

    ich reite auch seit ich 8 Jahre alt bin und kenne deine Sorgen. In den Genuss eines eigenen Pferdes bin ich leider nie gekommen.
    Ich hatte lange Zeit ein Pferd namens Cäsar, bei dem es genau umgekehrt war, er bockte bei allen, biss und trat und hat einfach alle tyrannisiert. Nur bei mir ging er in der Bahn ganz brav.

    Allerdings habe ich wie du, auch hart lernen müssen das es sowohl bei Menschen als auch bei Tieren so ist, dass sich manche einfach nie einig werden können.
    Das Sprichwort ‘Die beiden können sich nicht riechen’, stimmt dann doch irgendwo.
    Manche Tiere und Menschen passen nunmal nicht zusammen und da ist es nicht schlimm wenn du Adena weg giebst.

    Das du allerdings so heftige Stürze hattest und trotzdem wieder aufgestiegen bist und nicht das Reiten an den Nagel gehängt hast, bewundere ich sehr!

    Stark bleiben, du schaffst es du wirst ein neues Pony finden, dass dich lieben wird und bei dem dann alles passt, also Kopf hoch meine Liebe!
    Und Adena wird einen anderen Besitzer bekommen, den sie riechen kann und umgekehrt.

    Wünsche dir ganz viel Kraft!

    Liebe Grüße,

    Sarah

    1. Bei mir ist es schon das dritte eigene Pony gewesen – und meine Mutter hatte auch noch einige, die ich reiten durfte.

      Vielleicht hätte ich nach dem ersten Sturz direkt aufgeben sollen – das hätte meiner Familie einige Sorgen erspart. Jetzt weiß ich gerade nicht mal, ob es einen Nachfolger für das Pony geben wird. Am liebsten würde ich wieder Shettys reiten … aber dafür bin ich inzwischen zu schwer.

      Dass ich bald einen neuen Besitzer finde, hoffe ich auch.

      Liebe Grüße

    1. Geschichten mit Happy End sind wirklich selten im echten Leben – denn wenn etwas schön ist, beendet man es nicht. 😉

      Letztendlich ist es aber ein gutes Gefühl, sie jetzt verkauft zu wissen. So ist es wenigstens abgeschlossen.

      Liebe Grüße

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