Die Schwierigkeiten beim Verfassen von Reiseberichten

Hallo ihr Lieben,

letztes Jahr im Sommer, mitten in der Urlaubszeit, habe ich mich darüber aufgeregt, dass ich Urlaubsberichte nicht mag… okay, aufgeregt ist vielleicht doch etwas überspitzt formuliert. Aber erklärt, warum ich Urlaubsberichte oder viel mehr Travelguides meist gar nicht mehr so gern lese und teils sogar völlig ignoriere. Heute möchte ich nun daran anknüpfen und mal wieder über Urlaubsberichte schreiben – nur eben dieses Mal nicht aus Sicht des Bloglesers, sondern aus Sicht des Blogschreibers.

Bis so ein Urlaubsbericht oder Travelguide fertig werden kann, dauert es nämlich schon mal seine Zeit und ich muss mir einige Gedanken machen. Also, schauen wir uns mal den „Fahrplan zum Urlaubsbericht / Travelguide“ an.

Von „leerer Bildschirm“ zu „Urlaubsbericht“

1. Ist das einen Bericht wert?

Fangen wir mal beim ganz grundsätzlichen an. Wenn man nämlich etwas erlebt hat, stellt sich vor dem Tippen des Blogposts zu diesen Erlebnis doch erst mal die Frage, ob das überhaupt einen eigenen Beitrag verdient oder doch nur irgendwie (z. B. im Monatsrückblick) am Rande erwähnt werden sollte.

Diese Frage ist manchmal gar nicht so leicht zu beantworten, denn manchmal fühlt sich schon ein Tagesausflug in die nähere Umgebung an wie ein kleiner Urlaub… aber manchmal ist man auch länger von zu Hause weg, ohne, dass es der Rede wert wäre (vielleicht bei einer Dienstreise oder einem Besuch bei der Familie). Daher kann pauschal wohl niemand sagen, welche Erlebnisse man als Urlaub, über den es sich zu schreiben lohnt, werten darf.

Ich für meinen Teil beurteile auch nach Gefühl, wann ich einen ganzen Text tippe und wann nur einen Absatz für den Monatsbericht…

2. Was für ein Bericht soll es werden?

Wenn ich mich dann dafür entschieden habe, einen kompletten Beitrag dem Urlaub zu widmen, dann kommen auch gleich die nächsten Fragen: Soll es ein Travelguide werden, der anderen Leuten hilft, an dem Ort ebenfalls eine schöne oder gar eine noch bessere Zeit zu verbringen? (Und hier kommt gleich die nächste Frage zum Tragen: Schreibe ich einen allgemeingültigen Guide oder richte ich mich an eine bestimmte Zielgruppe wie Rentner, Familien mit Kindern, junge Erwachsene?)

Oder möchte ich nur für mich und meine Mitreisenden eine Erinnerung schaffen, die keinen Informationsgehalt bieten muss? Oder möchte ich doch vorwiegend meinen Lesern Unterhaltungswert bieten können?

Ab und zu können sich die Absichten, die ein Bericht über den Urlaub verfolgt, natürlich auch gewaltig mischen und man möchte irgendwie alles vereinen…

Bei mir ist es häufig so, dass die Erinnerung klar im Vordergrund steht. Gerade die witzigen Momente, kleinen Zufälle und auch Pleiten und Pannen sind daher für mich ein wichtiger Bestandteil, der nicht in Vergessenheit geraten soll. Somit hoffe ich dann, dass der Text auch für meine Leser unterhaltsam ist – aber gezielt informieren über mein Urlaubsziel will ich nicht, denn das können andere Leute meistens eh besser.

3. Was ist erwähnenswert und was nicht?

Egal, ob es nun nur ein Tag Urlaub oder gleich ein ganzer Monat war – die Frage, welche Dinge man unbedingt erwähnen möchte und welche nicht, stellt sich jedes Mal wieder.

Man könnte also überlegen, ob man nur die schönsten Sachen erwähnt, oder doch auch die „schlechten“ Momente des Urlaubs mit aufnimmt, um ein realistisches Bild zu vermitteln und nicht durch die rosarote Sonnenbrille auf die erlebte Zeit zurückzuschauen. Gerade, wenn man viel erlebt hat, kann es also sein, dass man es sinnvoll findet, ein paar Erlebnisse einfach auszusortieren.

Aber auch dann, wenn ich nur von einer kurzen Reise berichte, dann frage ich mich immer wieder, ob die Anreise erwähnenswert ist. Sind Gesprächsinhalte so interessant, dass ich sie auf ewig in Erinnerung behalten möchte? Beschreibe ich lieber knapp den ganzen Tagesablauf in allen Einzelheiten oder fokussiere ich mich auf das Besondere?

Beispiel: „Ich frühstückte, wir packten unseren Proviant und radelten zur Fähre, um dann einen Tag in Glückstadt zu verbringen.“ Oder „Diesen Tag verbrachten wir in Glückstadt, was eine sehr gute Idee war, weil man da sich da sehr schön durch die Straßen treiben lassen kann.“ (Nur am Rande erwähnt: Ich war leider nicht in Glückstadt, aber hatte das ursprünglich vor, als ich meinen Vater 2017 besuchte.)

Aber nicht nur bei Berichten stellen sich solche Fragen, denn auch ein Schreiber eines Travelguides muss sich überlegen, welche Punkte er in seinen Artikel aufnimmt: Anreisemöglichkeiten, Unterkunft, Essen und Sehenswürdigkeiten sind meist Standard, aber vielleicht gibt es ja noch mehr?

Allgemeingültig habe ich hier wirklich noch keine Antwort gefunden… wobei ich eben doch gerne den Fokus auf die Zeit mit anderen Menschen und besondere Erlebnisse lege. Daher finde ich auch, dass Gesprächsinhalte einen Platz in meinem Berichten verdienen… aber bei welchem Imbiss wir nun das Mittagessen bekommen haben, kann man ruhig vernachlässigen. Sehr wichtig sind mir dagegen wie witzigen kleinen Äußerungen, die sich eben manchmal in Gesprächen ergeben,… und auch alle Dinge, die schief gelaufen sind. An Pannen erinnere ich mich nämlich gern zurück, weil ich später so gut über die lachen kann.

4. Wie lang darf es werden?

Gerade wenn man länger als einen Tag Urlaub gemacht hat, dann erlebt man eine Menge. Wenn man dann, wie ich es häufig tue, auch solche Kleinigkeiten gern mit in den Text aufnehmen will, dann geht die Anzahl der Wörter gern mal ziemlich schnell in die Höhe… Google freut sich, oder wie war das? Aber ich schreibe ja nicht für Google!!! Und von daher macht es bei Blogposts doch Sinn, diese so kurz zu halten, dass auch ein paar Leute noch Lust haben, den kompletten Text zu lesen und nicht nur zu überfliegen.

Hier gerät man also schnell in einen Konflikt: Ich als Autorin will möglichst nichts wichtiges rauskürzen müssen, aber meine Leser möchten vielleicht nicht die Hälfte ihrer Freizeit damit verbringen, einen einzigen Reisebericht zu lesen.

Ich könnte nun also zu Stichpunkten übergehen, so habe ich viele Informationen, aber wenige Wörter und somit eine kurze Lesezeit. Doch das liest sich nicht mehr schön – und da ich ja auch Unterhaltungswert bieten will, ist das also keine Option.

Irgendwie muss daher jeder beim Verfassen seiner Reiseberichte und Travelguides abwägen, wie viel Text er seinen Lesern zumuten möchte. Ich bin ja leider kein gutes Vorbild, denn ehrlich gesagt würde ich so lange Texte, wie ich sie ab und zu tippe, wohl kaum auf anderen Blogs lesen… aber beim Schreiben kann ich mich halt nicht wirklich bremsen und auch einen kurzen, knackigen, aber dennoch lesenswerten, Schreibstil habe ich eher nicht. (Allein schon, weil ich gerne Füllwörter verwende…)

Wie baue ich das auf?

Okay, grundsätzlich weiß ich nun also, was ich in meinem Urlaubsbericht stehen haben will… Also kann ich mich auch gleich noch fragen, wie ich das Ganze aufbauen will.

Zur Auswahl stehen da zwei grundverschiedene Ansätze:

– Chronologisch von Anreise bis Abreise von allen Erlebnissen erzählen
– Nach Unterpunkten gliedern: Wie bin ich an- und abgereist, wo habe ich gewohnt, was habe ich gesehen, was gegessen und mit wem mich worüber ausgetauscht

Wenn man sich hier für eine der beiden Methoden entschieden hat, dann kann man auch gleich weiter machen mit den Entscheidungen, denn dann geht es um folgendes:

– Will ich Zwischenüberschriften einsetzen oder einen durchgehenden Text wie eine Geschichte schreiben?
– Will ich Stichpunktartig berichten oder ausgeschmückte Absätze über alle Erlebnisse schreiben?

Man kann da also über einiges nachdenken… oder man lässt es bleiben und haut wie ich einfach in die Tasten, ohne nachzudenken. Chronologisch von Anfang bis Ende, anschließend nach dem Schreiben mit Zwischenüberschriften wie „Anreise“, „Tag 1“, „Tag 2“,… versehen. Irgendwie kommt das bei mir ganz intuitiv, auch wenn andere Aufbauten sicher auch mal einen Versuch wert wären. Vielleicht liegt es bei mir einfach daran, dass ich oft schon während des Urlaubs los tippe und mir daher nicht vorab die gesamte Struktur ausmalen kann und somit lieber bei der zeitlichen Abfolge bleibe?

Welche Bilder?

Reiseberichte ohne Fotos sind wie… wie… wie ein Teller Suppe ohne Löffel. Kann man zwar sicher machen (Suppe aus dem Teller schlürfen…), aber schön ist das nicht. Wir Menschen legen einfach zu viel Wert auf die Optik von allem möglichen, oder? Und seien wir doch mal ehrlich: Ihr selbst wollt doch auch den Urlaubsort wieder vor Augen haben, wenn ihr später noch mal auf euren Urlaubsbericht klickt, oder?

Also, fest steht, dass ihr Bilder braucht. Aber habt ihr wirklich Lust, im Urlaub IMMER die schwere, gute Kamera dabei zu haben, um alles wirklich schöne optimal knipsen zu können? Als normale Urlaubserinnerung würde ja auch ein Handybild reichen… Mir zumindest.

Aber gut, Handyfotos und Blogs… das ist manchen Bloggern dann doch qualitativ nicht hochwertig genug.

Ich sehe das zum Glück ein wenig lockerer und knipse immer mit dem, was ich gerade zur Hand habe… denn auf meine „sportlichen“ Urlaube (Fahrradtour 1, Fahrradtour 2) will ich die Spiegelreflex einfach nicht mitschleppen, weil sie zu schwer ist und kaputt gehen könnte.

Ganz gelöst ist das Problem mit den Bildern aber noch lange nicht, denn man muss sich dann eben im Urlaub manchmal auch entscheiden, ob man immer an Fotos denken möchte, damit auch schöne dabei sind, oder ob man lieber genießt und dann nachher eben keine so umfangreiche Auswahl hat. Außerdem: Wenn man mit anderen gemeinsam unterwegs ist, wollen diese oft nicht mit auf Fotos drauf, die ins Internet kommen. Da gilt bei mir dann manchmal, dass ich die doppelte Menge an Bildern schieße – eine Version mit meiner netten Begleitung für meine Fotowand und eine Version auf der niemand oder höchstens ich drauf erscheint für den Blog.

Aber gut… wir sind ja beim Urlaubsbericht, nicht beim Fotografieren im Urlaub… (Vielleicht sollte ich einen Post dazu machen, warum Urlaub machen als Blogger AUCH schwer ist?)

Also, nun gilt es die besten Bilder auszuwählen – wobei: Die besten oder doch lieber die, die der Realität am nähsten kommen? Und wie gesagt: Achtung, dass niemand abgebildet ist, der nicht damit einverstanden ist, wenn das Foto auf dem Blog erscheint.

Ach – aber wie viele Bilder darf / muss / kann ich den wählen? Ich meine: zu wenige vermitteln kaum ein realistisches Bild vom Urlaubsort (Vergleich: Mit einem einzigen Foto kann ich nie ein komplettes Zimmer zeigen, weil ich irgendwo stehe.), aber zu viele erschlagen den Leser, lassen den Text untergehen und brauchen schlimmstenfalls auch noch ewig zum Laden. Hier muss dann also wie bei der Textlänge auch jeder selbst wissen, wie viele Bilder er zeigen will.

Ich nehme mir also meine kompletten Urlaubsfotos und kopiere die in einen extra Ordner nur für den Blogpost. Und dann lösche ich direkt alles, wo jemand drauf ist, der nicht auf den Blog möchte.

Meist bleibt dann aber noch wesentlich mehr übrig, als ein Blogpost verträgt… Für mich verträgt ein Post übrigens maximal pro 2-3 Absätze ein Foto – zumindest dann, wenn der Text sowieso schon länger ist und es kein Post sein soll, bei dem die Fotos die Hauptrolle spielen.

Jetzt wird also von ähnlich ausschauenden Bildern immer das schönste gewählt und meist passt es dann auch schon – ansonsten lösche ich nach und nach die Bilder, die am wenigsten zum Text passen oder am schlechtesten geworden sind.

Und dann verteile ich die Bilder einfach im Post – zwischen den Absätzen, damit die Augen etwas Abwechslung haben und keine Textwüste entsteht. Aber man kann das auch anders regeln: Alle Bilder unter oder über dem Text. Das finde ich aber nur bei sehr kurzen Urlaubserzählungen angebracht, sonst mag ich meine Methode deutlich lieber.

5. Korrekur und Absegnen lassen

So, Beitrag steht. Text fertig – aber ich wette, ich habe wieder tausend Fehler beim Tippen mit eingebaut. Daher muss ich jeden meiner Blogposts mindestens ein Mal Korrektur lesen, weil ich euch den Text sonst nicht zumuten möchte. Die Optik – also, ob alle Bilder ganz verteilt sind und ob die Überschriften ansprechend klingen und Absätze nicht zu lang sind, prüfe ich auch mal kurz, indem ich die Beitragsvorschau ansehe.

Es folgt ein Klick auf die passende Kategorie (Urlaub), es werden ein paar Schlagworte zum Urlaub und den Bildern eingegeben (Urlaubsort, besuchte Sehenswürdigkeiten, …), es wird eine kurze Zusammenfassung getippt.

Normalerweise würde ich jetzt nur noch das geplante Veröffentlichungsdatum einstellen und wäre dann fertig… aber bei Urlaubsberichten gibt es da noch einen weiteren Schritt, den ich wichtig finde: Alle maßgeblich am Urlaub beteiligten Personen bekommen den Text vorab und müssen ihn absegnen. Ich möchte nicht, dass jemand nachher verletzt oder sauer ist, weil ich bestimmte Dinge erwähnt habe, die er lieber nicht im Internet wiederfinden würde. Das kann ja schnell mal passieren, wenn ich etwas witzig fand, aber die Person selbst Angst hat, dass das ein schlechtes Bild auf sie wirft.

Außerdem gibt mir das meist doch noch etwas zusätzliche Sicherheit, denn oft bekomme ich so schon vor der Veröffentlichung ein positives Feedback (oder konstruktive Verbesserungsvorschläge!) zu hören 🙂

6. FERTIG

Juhu, wir haben es geschafft. Der Blogpost geht endlich, nach tausend Gedanken und mehreren Stunden „Arbeit“ beim Tippen und Fotos wählen. Bleibt nur zu hoffen, dass ihn irgendwer lesen mag… aber wenn nicht, dann wäre es eben einfach eine Erinnerung für mich an die schöne Zeit.

(Der Ehrlichkeit halber sei gesagt, dass ich meistens sehr liebe und lange Kommentare zu meinen Urlaubsberichten bekomme, weil ihr eben tolle Leser seid! Danke dafür!)

Hättet ihr gedacht, dass man sich über Reiseberichte als Blogger solche Gedanken machen kann? Und wie seht ihr das als Leser: Wie sollte ein Reisebericht eurer Meinung nach aufgebaut und auf dem Blog präsentiert werden?

[tbea]

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