#Buchliebenetz – Blind-Date-Rezension

Hallo ihr Lieben,

heute ist es wieder Zeit für einen Buchliebenetz-Post. Eigentlich ist das heutige Thema ein Stranger-Things-Tag, aber ich hatte keine Lust. Generell bin ich gar nicht so wirklich ein Freund von Tags … Frage-Antwort-Spiele gibt es in Klausuren oft genug. Falls ihr aber Lust auf den Tag habt, dann schaut einfach mal bei meinen Buchliebenetz-Kollegen rein:

Nicole
Tamara
Sonja

So, und was ist jetzt mit mir? Ich wollte noch mal auf den letzten Monat zurückkommen. Da haben wir ja ein Book-Blinddate veranstaltet. Wie genau das ablief, könnt ihr gern ausführlich in meinem Post vom April nachlesen.
Ansonsten, in aller Kürze: Wir haben uns gegenseitig Bücher geschickt.

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Ich habe von Nossy das Buch „Das Labyrinth der Wörter“* erhalten. Innen drin gab es von ihr noch ein paar nette Worte – sowas wie ein persönliches Vorwort, dass es sich lohnt zu lesen. Und: Ihre Worte haben mich neugierig gemacht, denn sie meinte, die Geschichte hätte sie beeindruckt. Heute gibt es also von mir sowas wie eine Buchrezension – oder vielleicht auch eher einen Haufen wirre Gedanken zu einem tollen Buch.

Das Labyrinth der Wörter - Nossys Begrüßungsworte

Der Klappentext

“Nachmittage mit Margueritte

Mit Mitte 40 und ohne festen Job haust Germain in einem alten Wohnwagen, schnitzt Holzfiguren, baut Gemüse an und trifft sich ab und zu mit Annette – ob es Liebe ist, kann er jedoch nicht sagen, denn die hat er im Leben noch nie erfahren. Bis er eines Tages im Park die zierliche Margueritte kennen lernt, die dort, genau wie er, die Tauben zählt. Obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, sind die beiden bald ein Herz und eine Seele. Die lebenskluge alte Dame ist zudem eine passionierte Leserin, und als sie dem ungeschliffenen Hünen vorzulesen beginnt, eröffnet sich Germain eine völlig neue Welt.”

Der Lesefluss

Joar, sagen wir es mal so: Erst war ich neugierig, doch dann habe ich nach den ersten Seiten wochenlang nicht gelesen. Das Buch ist keins, was mich so richtig gepackt hat. Wenn ich es weggelegt habe, ist es mir auch nicht im Kopf rumgegeistert. Ich habe es auch zwischenzeitlich von meinem Bett zu meinem Schreibtisch getragen, damit ich öfter drüber stolpere und weiterlese … aber nicht mal das hat geholfen.
Irgendwie war es komisch. Normalerweise ist entweder das Buch doof oder ich lese es verdammt schnell durch. Hier war keins von beiden der Fall. Ich würde nur behaupten, dass die Handlung eben doch ein bisschen plätschert. Ich konnte – mal aus Deutschunterricht-Sichtweise gesehen – auch keinen Spannungshöhepunkt oder sowas ausmachen.
Aber: Die Sätze waren gut zu lesen. Und flüssig. Zumindest meistens, denn ab und zu bin ich über eingeschobene „siehe: xxx“ und sowas gestolpert. Zunächst fand ich das verwirrend, doch später ergab es Sinn.

Der Inhalt

Die Geschichte handelt also von einem Mann mit eher geringem Bildungsgrad – er war zwar in der Schule, aber er hat, soweit ich mich erinnere, keinen Abschluss und kann weder flüssig lesen noch das Alphabet. Allein diese Tatsache sprengte mein Vorstellungsvermögen. Das Alphabet konnte ich nach der Grundschule ganz sicher – wie man ein Wörterbuch benutzt habe ich in der zweiten oder dritten Klasse gelernt. Wie also kann ein erwachsener Mann das Alphabet nicht können? Mal davon abgesehen, dass ich es auch gehasst habe, lesen lernen zu müssen (und meine Mutter er sicher gehasst hat, mit mir das Lesen üben zu müssen, weil ich so unmotiviert war), kann ich lesen. Und auch das kann ich schon ziemlich lange. Wie also kann es sein, dass der Protagonist, der eine Schule besucht hat, nicht in der Lage ist, zusammenhängende Sätze zu verstehen, wenn er sie lesen muss?

Das wäre also der größte Kritikpunkt von meiner Seite. Verblüffend fand ich auch, wie schnell er sich mit der alten Frau angefreundet hat – ich denke, nicht jeder Erwachsene würde sich auf einer Parkbank etwas vorlesen lassen, oder?

Dennoch: Im Laufe der Geschichte bekamen durch diese Freundschaft wenigstens die „siehe: xxx“ einen Sinn. Und: Ich fand es toll, wie die Reaktion der Freunde des Protagonisten beschrieben wird. Traurig ist es trotzdem, dass der Freundeskreis so sehr vom Bildungsgrad abhängt, finde ich.

Auch die Mutter des Protagonisten und ihr Schicksal wird ganz gut beschrieben – verkrachte Familien in Geschichten finde ich immer „gut“. Vielleicht liegt das daran, dass ich selbst nicht wirklich in einer „Mutter-Vater-2-Kinder“-Familie groß geworden bin. Zumal hier das Schicksal der Mutter auch ein Stück weit die eher bildungsferne Ausgangssituation des Protagonisten erklärt.

Das Labyrinth der Wörter

Mein Fazit

Nossy fand die Geschichte emotional berührend, ich schließe mich zumindest ein Stück weit an. Trotzdem weiß ich nicht, ob ich das Buch irgendwem empfehlen würde, weil es mich einfach nicht so mitgerissen hat. Meiner Meinung nach steht der Protagonist einfach zu sehr im Vordergrund und es gibt nicht genug Handlung, da er ständig in Rückblenden von seiner Vergangenheit erzählt. Es wirkt ein bisschen, als würde er damit sein aktuelles Verhalten erst erklären müssen, bevor die Geschichte weitergehen kann.
Aber: Alles in allem ist die Geschichte rund und schön. Ein bisschen kaputte Welt, die wieder heiler wird.

Kennt ihr das Buch?


Hast du Lust, noch weitere Beiträge zu lesen, die auf Habutschu zum Buchliebenetz erschienen sind? Dann schau mal hier in mein Buchliebenetz-Archiv.

6 Gedanken zu „#Buchliebenetz – Blind-Date-Rezension“

  1. Schade, dass dir das Buch nicht so gefallen hat. Aber du hast recht, es gibt keinen riesigen Handlungsstrang, keine aufregende Geschichte. Dafür steht im Mittelpunkt der herzensgute, aber dumme Germain.

    Das Buch macht auf ein sehr wichtiges Thema aufmerksam: Analphabetismus.
    Ich finde es sehr merkwürdig, dass dieses Thema deine Vorstellungskraft sprengt. Hast du noch nie davon gehört?

    Wikipedia sagt: “In Deutschland waren 2011 nach einer Studie der Universität Hamburg ca. 4 % bzw. 2 Millionen der Erwachsenen totale sowie mehr als 14 % bzw. 7,5 Millionen funktionale Analphabeten.”
    Auch wenn die Geschichte in Frankreich spielt, wird es dort nicht anders sein als in Deutschland. Es ist immer noch ein Tabuthema, aber es gibt in allen Industrieländern viele betroffene Menschen. Erst 2016 hat unser lieber Vater Staat rund 180 Mio Euro bereit gestellt um u.a. mehr Lernangebote für Erwachsene finanzieren zu können.

    Wenn dich das Thema interessieren sollte, habe ich hier noch einen interessanten Artikel für dich: https://www.spektrum.de/news/warum-gibt-es-so-viele-analphabeten-in-deutschland/1371326

    Viele Grüße, nossy

    1. Hallo Nossy,

      Dass mir das Buch nicht gefallen hat, ist etwas hart formuliert. Mir hat halt nur eine packende Handlung gefehlt.
      Doch, von Analphabetismus habe ich natürlich schon mal gehört… Aber ich kenne niemanden, den das betrifft. Von daher ist das für mich wirklich schwer nachzuvollziehen.

      Liebe Grüße und danke für den Link!

  2. In welcher Zeit spielt denn die Geschichte? Wörterbücher habe ich (1996 eingeschult) erst ab der fünften Klasse oder später verwendet. Will sagen: Das Tempo, mit dem man Dinge in der Schule lernt, ändert sich. Davon ab gibt es auch Menschen, denen das Lesen (lernen) aus kognitiven Gründen schwerer fällt oder unmöglich ist. Kann natürlich trotzdem sein, dass es einfach unlogisch ist, aber mit irgendwas davon hätte ich es mir vermutlich erklärt. 🙂

    1. Wann genau das Buch spielt, habe ich nicht mehr im Kopf. Aber der Protagonist ist wahrscheinlich doch noch vor dir eingeschult worden.
      Wie Nossy schon sagte, ist das wohl alles nicht so unwirklich, wie es mir vorkommt. Das mag auch daran liegen, dass alle in meiner Familie gern lesen und ich meine Freunde fast alle auf dem Gymnasium kennen gelernt habe…
      Liebe Grüße

  3. Ich finde der Klappentext klingt schonmal ansprechend, allerdings kann ich verstehen, warum du nicht so ganz in einen Lesefluss gekommen bist. Ich kann mich auch überhaupt nicht in das Thema Analphabetismus hinein versetzen, aber ich finde es auf jeden Fall eine interessante Idee als Thema für ein Buch. Vielleicht gucke ich mal, ob es Das Labyrinth der Wörter in meiner Bücherei gibt und lese mich dann mal rein.
    Grundsätzlich sind eigentlich fast alle Bücher, die ich lese, aus der Bücherei – die, die mir gut gefallen, kaufe ich mir und lese sie wieder und wieder 😉
    Liebe Grüße,
    ich hoffe es geht dir gut?
    Caro

    1. Ich lese ja auch die meisten Bücher aus der Bücherei, wenn ich sie nicht geschenkt bekomme oder es Rezensionsexemplare sind. Aber kaufen tue ich die meisten nicht, weil ich mein Regal nicht so vollstopfen will… und mehrmals lese ich Bücher so gut wie nie.
      Falls du das Buch findest, würde ich mich freuen, auch von deinem Eindruck noch zu hören!
      Aber ja: Mir geht es bestens!

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