3 Tage wandern - Lahn

Urlaubsbericht: 3 Tage wandern oder “Der Weg ist das Ziel”

Hallo!

Heute möchte ich euch von einem Erlebnis erzählen, dass unter dem Motto: “Der Weg ist das Ziel.” stand. Und zwar im wahrsten Sinne der Redewendung. Ich bin nämlich jemand, der auf aktiven Urlaub steht – einen ganzen Tag am Strand zu liegen, das wäre einfach nichts für mich. Somit verwundert es wohl wenig, dass ich mir Anfang des Jahres vornahm, drei Tage lang zu wandern (nachzulesen in meinen Zielen für 2017). Vorgenommen, geplant, versucht – hier kommt, was daraus wurde und was ich lernte.

Die Planung

Eigentlich glaubte ich zwar nicht daran, dass sie Lust hätte, mich zu begleiten, aber dennoch fragte ich Annette, ob sie mit will. Drei Tage je um die dreißig Kilometer, das war mein Plan – und auf diese sportliche Herausforderung wollte auch Annette sich einlassen.

Also buchte ich drei Unterkünfte im Abstand von ca. dreißig Kilometern.
Das war es dann aber auch schon fast an Vorbereitung. Ich lud mir noch die entsprechenden Teile von Hessen als Offlinekarte für Google Maps runter und dann ging es am Abend vorher ans Packen: möglichst leicht, weil alles im Rucksack den ganzen Tag getragen werden muss. Nur die fette Spiegelreflex, die wollte ich einfach nicht zu Hause lassen, weil ich mir das Fotografieren der Landschaft schön vorstellte. Tja… Wer gern fotografiert, muss eben schleppen. Ansonsten war ich aber froh, dass ich im Frühjahr meine Packliste für Fahrradtouren veröffentlicht hatte, denn sonst hätte ich zumindest die Sonnencreme vergessen. Und die Schlafsachen. Manchmal helfen mir also sogar meine eigenen Blogposts weiter.

Ein bisschen Aufregung und Zweifel kamen dann aber doch noch auf… Ich war mir plötzlich, als die Wanderung unmittelbar bevor stand, nicht mehr so ganz sicher, ob ich mir nicht zu viel vorgenommen hatte.

3 Tage wandern - Landscharf

Tag 1: 34,79 Kilometer in 7,5 Stunden (zuzüglich Pausen)

Das Wandern

Der Start: Frankenberger Bahnhof. Annette reiste mit dem Schienenersatzverkehr aus Korbach an, ich absolvierte schon mal eben schnell 2,3 Kilometer von meiner Wohnung aus zum Treffpunkt, nachdem ich mich zuvor noch von meinem Pony hatte runter werfen lassen. Eine Umarmung und dann ging es los.

Die Strecke: durchwachsen. Erst waren wir überrascht, dass Google so viele kleine Wege durchs Feld kennt (die bei mir mit ihrem nassen Gras auch gleich für nasse Füße sorgten), doch dann schickte es uns teilweisen an Straßen entlang. Viel befahrene Landstraßen… Und das, obwohl wir manchmal einen Weg durch den Wald auf der Karte sahen, der ähnlich lang aussah. Falls das vorkam, wählten wir den Waldweg natürlich als Alternative. Schöne Kuhweiden am Wegesrand waren für die vielen Ecken an den Straßen entlang letztendlich doch nur eine schwache Entschädigung, obwohl Annette es doch etwas genoss, mal wieder auf dem Land zu sein…

Außerdem hatten wir einen kleinen Streit, als Annette ein kleines Reh sah, dass sie beobachten wollte. Für sie war das Wichtige am Wandern, dass sie Zeit hatte, die Natur zu genießen und bewundern.
Ich schätze aber gerade die sportliche Herausforderung und war der Meinung, dass man auch beim Laufen genießen kann. Und ich hatte Angst, dass wir nicht rechtzeitig in der Pension in Marburg ankommen würde, da der Check-in nur bis 19:00 Uhr möglich war.

3 Tage wandern - Pausen Tag 1 Pause eins und Pause zwei am ersten Wandertag

Nach nicht mal der halben Strecke brauchte Annette dringend eine Pause und hatte schon ordentlich Schmerzen in den Füßen. Aus “33 Kilometern für heute klingt doable (Das denglische Wort für machbar, was Annette erfand)” wurde eher ein “Mal sehen, wie weit ich noch durchhalte“. Aber zumindest nach der Mittagspause in Münchhausen wollte Annette sich noch nicht geschlagen geben und somit ging es weiter.

Weiter an stark befahrenen Straßen entlang…

Ich brauchte nun langsam dringend Wasser, da meine Vorräte erschöpft waren. An einem heißen Tag soll man ja viel trinken… Doof nur, wenn weit und breit kein Restaurant, Bäcker oder Ähnliches anzutreffen ist und der einzige Imbiss kein Wasser hat. Somit klingelte ich irgendwann bei Privatleuten – in Todenhausen hatte ich dann beim dritten Versuch endlich Glück und mir öffnete jemand die Tür. Eine nette alte Dame gab mir gern ein bisschen Leitungswasser.

Nachdem das Handy uns irgendwann endlich ein Stück durchs Feld führte, verliefen wir uns sogar, weil die Straßen nicht so verliefen, wie Google dachte. Ein Mann teilte uns den Weg mit… Wir liefen weiter, mussten wieder an einer befahrenen Straße entlang, nachdem wir den Ort durchquert hatten.

Zum Glück wurden wir aber schnell auf einen gesperrten Abschnitt der Landstraße geführt, auf dem sich in der Mitte eine Baustelle befand. Nun gönnten wir uns eine weitere größere Pause, als wir den Bagger hinter uns gelassen hatten. Annette beneidete mich zwischendrin immer mal wieder um die Fähigkeit, im Laufen zu essen… Aber bei meinem langsamen Esstempo geht das auch gar nicht anders.

3 Tage wandern - Lahn

Nach der Pause kam ein sehr schöner Anruf: Die Unterkunft teilte mit, dass wir den Schlüssel aus einem Schlüsselkasten bekommen würden und daher auch nach 19:00 Uhr ankommen könnten. Von mir fiel da gleich etwas Anspannung ab!

Erschrocken war ich trotzdem, als Annette schon kurz später wieder eine kleine Pause brauchte… Und ins Gesicht sehen konnte ich ihr auch nicht mehr, weil sie so gequält aussah. Was bin ich eigentlich für eine Freundin, dass ich ihr so eine Wanderung zumute? Ich versank also während der restlichen Strecke in Selbsthass. Und sie hatte das Gefühl, dass ich kein bisschen Mitleid mit ihr hätte, weil ich sie nicht ansah… Na toll. Tabby ist doch irgendwie sozial unfähig.

In Wehrda mussten wir dann noch mal bei einer privaten Wohnung um Wasser bitten, weil die umliegenden Kneipen zu hatten und wir beide nichts mehr zu trinken hatten. Und warm war es nach wie vor. Immerhin klappte es dieses Mal beim ersten Versuch und wir schlossen noch eine kleine Pause an, bevor wir die verbleibenden 2,5 Kilometer zurücklegten.

Das Ortsschild von Marburg löste bei mir große Freude aus und wir mussten als Andenken einfach ein Selfie schießen – egal, wie fertig wir aussahen. Den Rossmann, der auf unserem Weg lag, besuchten wir auch noch – Objekt unserer Begierde: Blasenpfaster für Annettes Fuß.

3 Tage wandern - ElisabethZimmer im Elisabeth und die Zimmervermietung von außen
3 Tage wandern - ElisabethkircheElisabethkirche

Der Abend in Marburg

Und dann waren wir da, ich sprang unter die Dusche, Annette anschließend auch.

Fehlte als Abschluss des Tages nur noch was zu essen… Gut, dass der Istanbul Döner direkt gegenüber von unserer Unterkunft, dem Elisabeth¹, lag. Bloß keine überflüssigen Meter mehr laufen! ?

Wir bestellten einen Falafelteller und ein Fladenbrot, dass mit gebratenem Gemüse und Käse gefüllt war. Also mein Fladenbrot war nicht schlecht, aber das Gemüse leider echt mega fettig. Daher hatte ich dann später auch die halbe Nacht Bauchschmerzen…

3 Tage wandern - Essen

Tag 2: ca. 36 Kilometer in 7 Stunden, allein

Der Morgen

Morgens stand ich wie gewohnt gegen halb 6 auf, verkrümmelte mich dann aber mit Handy ins Bad, weil ich Annette nicht stören wollte. Ich tippte die ersten Zeilen dieses Posts und später machten wir beide uns zum Aufbruch bereit.

Der Aufbruch war aber zunächst einer zum Bäcker, weil Annette gern frühstücken wollte und ich kein Essen zum Zimmer dazu gebucht hatte. Hier lohnte es sich aber wirklich: Sie bekam ihr Brötchen, das Crossiant und den Aufstrich für gerade mal 2,20€, während Frühstück in Hotels ja meist um die sieben Euro pro Person kostet.

Anschließend beschlossen wir, dass es besser für uns beide ist, wenn wir uns aufteilen. Ihre Füße taten zu sehr weh, um weiter zu laufen, und meine Motivation, meinen Vorsatz umzusetzen, war zu groß, um mit ihr einen ganzen Tag ohne allzu viel Bewegung zu verbringen.

Das Wandern allein

Also lief ich los – ohne Annette und ohne GPS. Das funktionierte auf meinem Handy nicht mehr, sodass ich mir mit Offlinekarten behelfen musste. Nicht schön… Aber irgendwie ging es doch.

Der erste Streckenabschnitt war alles andere als schön, an großen Straßen entlang durch Marburg durch. Immerhin hatte ich da Gelegenheit, mir was zu essen für die Mittagspause zu besorgen. Danach hatte ich dann sogar einen richtig schönen Radweg entlang der Lahn durch einen Wald. Die Lahn sollte ich an diesem Tag wohl echt noch öfters sehen.

Mir begegneten Kanalarbeiter und viele Autos, denn ich durfte wieder auf einigen befahrenen Straßen laufen. Grasweg gab es kaum – das bedeutete immerhin trockene Füße.
Die Landschaft war trotzdem meistens ein Traum, worüber ich sehr froh bin. Da nimmt man dann auch gern mal in Kauf, dass man ständig einen Berg hoch muss, um ihn gleich darauf wieder runter zu laufen… Oder, dass man in einer KFZ-Werkstatt nach Wasser fragen muss, weil man so wenig Zivilisation durchquert hat und der Vorrat alle ist.

3 Tage wandern - bergauf

Meine erste größere Pause, die über “aufs Klo gehen”, Flasche füllen lassen und fotografieren hinaus ging, legte ich gegen halb eins ein. Als ich schon so um die 20 meiner 35 Kilometer hinter mir hatte, war es eben einfach an der Zeit, etwas zu essen.
Lange dehnte ich aber auch diese Pause in Lölach nicht aus und lief nach 20 Minuten einfach mal zum nächsten Bäcker, um mir erneut was zu trinken zu besorgen.

Es folgte der wohl beste Abschnitt der Strecke auf kleinen Pfaden entlang der Lahn (Okay, ich hab mich verlaufen und einen kleinen Umweg gemacht, weil ich so auf die Lahn fixiert war ?.)… Und dann kam ich an Wege, die die Bauern wohl so unwichtig fanden, dass sie den Weg einfach mit in ihr Feld integriert hatten. Nur ein Trampelpfad war deutlich zu erkennen, sodass ich da guten Gewissens lang laufen konnte: Erst ein Stoppelfeld, dann schulterhohes Gras und zum Abschluss dann ein Feld, auf dem kleine grüne Pflanzen aus der Erde blickten. Ein Glück, dass die Bauerstochter erkennt, dass das nur ausgefallene, aufgelaufene Körner sind und keine frische Einsaat.

Nett war auch, dass Brombeeren am Straßenrand mich anlachten – die nahm ich mir als Entschädigung für den unebenen, nicht vorhandenen Weg gerne mit.

Kurz später war auch Gießen schon erreicht und es ging nach einem Stück an der Lahn dann doch nur noch an großen Straßen entlang. Und das, wo der Himmel immer dunkler wurde und es leicht donnerte… ähm.
Ich hetzte also die Lahnstraße lang, um zum Beginn des Regens, welcher unweigerlich kommen würde, einen Unterstand zu finden.

Hat geklappt. Eine Brücke tauchte auf und eine Minute, nachdem ich dort keinen Rucksack abgestellt hatte, fing es an zu schütten und das Gewitter ging richtig los. Zwangspause also – und das so kurz vor meinem Ziel.
In der dreiviertel Stunde unter dem Brückendach schrieb ich dann kurz meiner Familie… Und als es wieder trocken war, lief ich das restliche Stück nach Linden, um schon gegen Viertel nach fünf Annette schreiben zu können, dass ich unser Ziel erreicht habe.

3 Tage wandern - BrückeZwangspause unter einer Brücke bei Gewitter

Der Abend in Linden (Nähe Gießen)

Das Zimmer im Ibis Budget ist übrigens nicht so das Wahre gewesen: klein und mit Dusche neben dem Bett. Nur das Klo war immerhin separat in einem kleinen Raum.
Während Annette noch auf ihren Zug von Mathematikum nach Linden wartete, freute ich mich also, noch vor ihrer Ankunft allein duschen zu können.

Ein kleines bisschen ging ich ihr dann entgegen und erhöhte somit meine Tages Kilometer von geplanten 35 auf mindestens 36. Das Chin Thai lag auf dem Rückweg und daher schauten wir einfach mal kurz in die Karte, um festzustellen, ob da auch Gerichte drauf stehen, die uns ansprechen.
Nachschauen geglückt, Angebot für essbar befunden – also blieben wir gleich da und bestellten.

3 Tage wandern - LndenZimmer im Ibis Budget & Essen im Chin Thai

Jetzt konnte Annette mir auch von ihren Erlebnissen in Ruhe erzählen: In Marburg war sie beim Schloss und in der Elisabethkirche, was ihr scheinbar ganz gut gefiel. Mit der Bahn reiste sie dann nach Gießen und verbrachte einige Zeit im Mathematikum, weil die ja ein ganz großer Mathefreund ist.
Sie hatte den Urlaubstag also genossen… Und ich meinen auch, weil es doch entspannter war, Pausen frei einteilen zu können und schneller voran zu kommen. Für unsere Freundschaft war es also besser, dass wir uns aufgeteilt hatten und nun nur den Abend wieder gemeinsam ausklingen ließen.

Lecker war das Essen hier nämlich auch, die Bedienung freundlich und überhaupt stehe ich ja total auf Currygerichte. Anschließend verkündete mir meine Freundin dann, dass sie am folgenden Tag den Urlaub beenden und nach Hause fahren würde – weil sie garantiert keine fünf Kilometer mehr laufen könne und es sich für nur einen weiteren gemeinsamen Abend auch nicht lohnt, extra noch die Bahnfahrt zu machen, da sie auch nicht so recht wusste, wie sie sich dann über Tag hätte beschäftigen sollte. Ich konnte also verstehen, dass ich allein die letzten 30 Kilometer und eine letzte Nacht verbringen würde. Außerdem: Ihr Glückskeks, den es nach dem Essen gab, sagte ihr, sie solle das Schiff verlassen und auf festem Boden zurückkehren. Na, wenn das keine Aufforderung zum Urlaubsabbruch ist, dann weiß ich es auch nicht.

Abends auf dem Zimmer plauderten wir noch ein bisschen und dann schlief ich ziemlich unruhig und war alle dreißig Minuten wach. Woran das wohl lag?

3 Tage wandern - Waldweg

Tag drei: 34 + 4 Kilometer (7 Stunden Wandern + Schlendern in der Stadt)

Der Morgen mit Annette

Morgens saß ich ich mit dem Handy in Bett und tippte. Danach ging es, als ich Annette geweckt hatte, zum Frühstück in den nächsten Bäcker. Wenigstens während sie frühstückte, wollte ich ihr noch Gesellschaft leisten. Danach konnten wir sogar noch gemeinsam zum Bahnhof laufen, weil der auf meinem Weg lag. Hier endete dann unser gemeinsamer Urlaub wirklich, denn Annette reiste nach Hause, nach wie vor humpelnd vor Schmerzen. So ein bisschen schlecht fühlte ich mich dann doch – denn viel Zeit hatte ich in diesem gemeinsamen Urlaub nicht mit ihr verbracht. Vielleicht bin ich doch zu egoistisch und zu verbissen auf die Umsetzung meiner Ziele, um eine gute Freundin zu sein.

Die Wanderung allein

Das GPS war über Nacht nicht zu mir zurückgekehrt, sodass ich wieder nur nach Karte laufen konnte. Zuerst klappte das noch ganz gut und ich knipste hier und da ein paar Bilder. Doch dann waren die Wege im Wald irgendwie anders, ich lief über Wege, die seit Jahren nicht genutzt schienen. Nass, Brennnesseln, Dornen… Und dann stand ich da und wusste: Ich bin falsch. Voll verlaufen. Meine Rettung war eine Nordic Walking Gruppe, die mir sagen konnte, zu welchen Orten die Häusergruppen gehörten. Ich lief dann eben mal über eine Stunde lang einen Umweg und kam dann nach Butzbach. Eigentlich hätte ich an dem Ort auch nur vorbei laufen müssen, aber hier konnte ich nun meine Route neu bestimmen lassen und wusste dann, dass noch 16 km bis nach Friedberg fehlten. Klang machbar, sodass ich mich nach 2-3 weiteren Kilometern mit der ersten Pause belohnte, nachdem ich freundlicherweise von der Allianz Versicherung frisches Wasser für meine leere Flasche bekommen hatte.

Übrigens lernte ich auch gleich zwei Dinge noch vor der Pause:
Meine Hochschule hat eigene Busse. Ich sah nämlich einen da herum stehen…
Spargel sieht total irre aus, wenn er sich nach der Saison ohne Plane erholen darf.

3 Tage wandern - THM Bus, Spargel

Nach der Pause kam dann der schlimmste Teil: mein Handy schickte mich an der 3 entlang… Kein Seitenstreifen, viel befahren und einen Radweg gab es auch nicht. Und weil die Autobahn überquert werden musste, konnte ich nicht mal querfeldein laufen. Aber gut, dass ich allein war, denn sonst hätte Annette mir wieder total leid getan und ich mich schuldig gefühlt, weil ich keinen alternativen Weg vorab gesucht hatte.

3 Tage wandern - UsaWanderweg an der Usa
3 Tage wandern - Bad NaumburgParkanlage in Bad Naumburg

Als ich dann aber einen Ortsteil von Bad Naumburg erreichte, da wollte Google wohl alles wieder gut machen und ließ mich fernab von Straßen an der Usa langlaufen. Ein Traum… Und dann durch den Park von Bad Naumburg. Eine Eisdiele gab mir noch mal frisches Wasser und dann machte ich, vier Kilometer vorm Ziel, noch mal eine kleine Pause.
Nun öffnete ich auch meinen Glückskeks aus dem Restaurant vom Vorabend. Total gespannt war ich auf die Botschaft, aber… Der Keks war leer! Total enttäuschend – oder heißt das etwa, dass ich keine Zukunft habe?

Ziel erreicht: Friedberg

Schon im kurz vor vier erreichte ich nach ungefähr 33-34 Kilometern in knapp unter sieben Stunden reiner Laufzeit das Haus von Simone, in dem ich mir über airbnb ein Zimmer gebucht hatte. Die Lage ist wirklich nicht zu sehr ab vom Schuss und von dem Zimmer selbst war ich einfach nur begeistert. Groß, sauber, freundlich. Und da sie kein Frühstück anbot, hatte sie mir Waffeln hingelegt, Müsli bereitgestellt und auch eine Milchpackung im Kühlschrank stehen. Dass es Tee zur freien Verfügung gab, war dann für mich neben dem eigenen Bad der krönende Abschluss.

Aber genug vom Zimmer geschwärmt, denn nach einer schnellen Dusche wollte ich erst mal was sehen. Wenn man schon mal da ist… Kann man ja mit der Kamera Richtung Burg laufen und auf dem Rückweg was fürs Abendessen mitbringen.

Die Burg war schnell erreicht, die ersten Fotos geknipst und dann fiel mir ein Mann auf, der auch mit seiner Kamera unterwegs war. Den fragte ich einfach so, ob er auch in Friedberg Urlaub machen würde und daraus entstand dann ein Gespräch über die Leidenschaft zur Fotografie, über das Studieren und über das Reisen. Lustigerweise war er auch jemand, der auf aktiven Urlaub steht und gern mit dem Fahrrad unterwegs ist. Mosel, Elbe,… Wo er nicht schon alles geradelt ist. Manchmal wundert es mich echt, wie oft ich solche Menschen, die lange Radtouren machen, auf meinen Reisen treffe.

3 Tage wandern - Burg
3 Tage wandern - Burggarten

Als er sich dann verabschiedete und wir beide weiter die Burg knipsten, dachte ich mal wieder: Ich bin doch eher ein allein-Urlauber. Warum? Da kann ich dann machen, worauf ich Lust habe. Außerdem quatsche ich dann eher mal Fremde an, und solche kleinen Unterhaltungen finde ich immer spannend.

Ein bisschen schlenderte ich anschließend noch durch die Stadt und stolperte dabei über die Kirche der Stadt… Wirklich pompös, dieses Ding. Drinnen fotografierte ich aus Respekt wieder nicht, aber irgendwie ist die Atmosphäre in solchen Bauwerken immer ein wenig magisch, finde ich.

3 Tage wandern - Kirchen FriedbergKirchen in Friedberg: Die Kirche in der Stadt und die Burgkirche

Zurück in meiner Unterkunft freute ich mich über das bereitgestellte Obst und machte mich über meine Brötchen her. Nebenbei las ich einige Blogposts und hörte Podcasts… Nach ca. 38 Tageskilometern darf man auch mal faul sein und dann um neun schon ins Bett fallen. Echt gut habe ich da geschlafen.

Tag vier: Rückreise

Wie immer stand ich früh auf. Rückreise via Bahn… Meine Trinkflasche ließ ich leider im Zug nach Marburg liegen, aber dieser Verlust ist verschmerzbar.
Ansonsten arbeitete ich an diesem Blogpost und überlegte, wie ich all die Fotos eigentlich unterbringen soll… Und freute mich darauf, mein Pony wieder zu sehen.

3 Tage wandern - Bahnhof


Die Unterkünfte im Überblick

¹ Das Elisabeth Bräu ist eine Pension, die direkt an der Elisabethkirche ziemlich zentral in Marburg liegt. Wir hatten ein Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad gebucht und waren damit sehr glücklich, denn alles war sauber und da es zwei Bäder gab, hatten wir auch nie das Problem, dass beide von anderen Gästen blockiert waren. Das Zimmer war zudem auch sehr schön und der Kontakt zu Rezeption sehr freundlich. Also eine eindeutige Empfehlung!

² Das Ibis Budget in Linden konnte mich nicht überzeugen. In unserem Zweibettzimmer waren Waschbecken und Dusche direkt im Raum neben den Betten. Es gab nur eine Sitzgelegenheit und der Platz war sehr beengt… Immerhin eine Toilette hatte das Zimmer, die in einem kleinen Raum abgetrennt war.
Das Hotel liegt eher in einem Industriegebiet, Fastfood gibt es in der Umgebung ebenso wie einige Restaurants, Supermärkte und zwei Bäcker.

³ das Zimmer bei Simone habe ich über airbnb gebucht und war sehr zufrieden. Das Haus liegt in einem Wohngebiet, aber in ca. 10-15 Minuten erreicht man die Kaiserstraße (mit zahlreichen Restaurants, Läden und Bäckern) und auch der Bahnhof ist kaum weiter entfernt.
Das Zimmer selbst war total groß und gemütlich eingerichtet. Ein Wasserkocher, Kaffeemaschine und Kühlschrank begrüßten mich – inklusive Teebeuteln und Kaffeepads. Als Ersatz für das Frühstück, welches Simone nicht anbietet, hatte sie mir Fertigwaffeln, Müsli und Milch besorgt – und Obst lag auch bereit.
Das Bad, welches nebenan lag, hatte ich während des Aufenthalts auch für mich allein und es war groß, schön und sauber.

Also alles in allen kann ich Simones Zimmer nur empfehlen!


P. S.: Diese Wanderung mit Annette hat mich auch dazu gebracht, mich über die Panoramafreiheit schlau zu machen. Was das mit der Wanderung zu tun hat und was ich bei der Recherche lernte, könnt ihr in “Urheberrecht und Panoramafreiheit” lesen.

Und Fotos vom Rost, den ich während der Wanderung aufspürte, könnt ihr in einem Beitrag zur Rostparade sehen.


Dieser Post ist übrigens nicht nur mein Urlaubs Bericht von der dreitägigen Wanderung, sondern auch ein Beitrag zur Blogparade “Urlaubszeit – die schönste Zeit des Jahres”, bei der ihr bis Ende September selbst noch mitmachen könnt.

vor 2 Jahren

15 Kommentare

  1. Klasse, dass Du so weit wanderst. Ich glaube es gibt nicht viele Jugendliche, die solch eine Wanderung gemacht hätten, geschweige denn allein zu Ende gebracht. Allein etwas zu machen ist nicht jedermanns/fraus Sache.

    Zu Deinem GPS/Karten-Problem – Touren plane ich mit Komoot, wenn es um Wanderung oder Radfahren geht. Die kann ich dann am Rechner mit großer Karte planen, die Routen auf andere Wege legen oder gezielt an einer Sehenswürdigkeit vorbei – ich habe später einen passenden GPX-Track um die Bilder zu taggen und Komoot kann die Wanderung auch ohne GPS anzeigen, wenn man sich vorher die Offline-Karte gezogen hat. Sehr praktisch – die Version für ganz Europa – damit plane ich zum Beispiel auch Touren wie die durch Rotterdam – kostet 30 Euro. Zum testen bekommst du Deine Umgebungskarte gratis. Jegliche GPX-Tracks, die von anderen Wanderseiten angeboten werden kann ich in Komoot hochladen und auf meine Bedürfnisse abändern. Richtig klasse diese App! Die kann man übrigens auch laufen lassen, wenn man sein Auto in einer unbekannten Stadt parkt – findet man immer wieder zurück 😉 und hat dann auch von dort einen Track, wo man war. Möchte ich nicht mehr missen 🙂 Mit Netz kann Komoot dich auch aktiv navigieren – ohne Netz steht diese Funktion leider nicht zur Verfügung.

    Der Waldweg oder entlang der Usa – so gefallen mir Wanderwege auch 🙂 Das leise Plätschern des Baches hören, die Vögel, das Rauschen der Blätter … und ansonsten nur Ruhe! Hach – sowas ist schön!

    Zimmer und Essen waren auch klasse, wie ich sehe. Gab es “bei Simone” für Deine Freundin noch ein gesondertes Zimmer?

    Beim lesen hatte ich nach dem 1. Tag schon einen virtuellen Muskelkater? Ich könnte mir vorstellen, dass es ganz schön schwer war den 2. Tag zu starten 😉

    Ich hoffe die Füße Deiner Freundin sind mittlerweile wieder heile. Wandern ohne passende gut eingelatscherte Schuhe birgt leider immer diese Gefahr.

    Herzliche Grüße
    Birgit

    1. Ja, wandern ist ja generell nichts, was allzu viele jüngere Leute gerne tun, glaube ich. Und gerade im Urlaub wollen eben viele lieber entspannen oder einen neuen Ort kennen lernen.

      Ich glaube aber doch, das Komoot nicht unbedingt das richtige für mich ist. Irgendwie​ mag ich es nicht wirklich, lange planen zu müssen… Ich nehme nächstes mal einfach eine echte Wanderkarte mit und das reicht mir. Denn einen Weg und eine Karte hatte ich ja Dank Google noch… Nur wusste ich eben manchmal nicht so genau, wo ich bin. Dass könnte auch deine App sicher nicht lösen ohne GPS.

      Bei Simone hätte meine Freundin auch in dem Zimmer geschlafen. Hinter den Holzbalken auf der linken Seite befindet sich ein weiteres Bett.

      Dass Annettes Füße nun wieder fit sind, hoffe ich aber auch. Ich muss allerdings sagen, dass ich keinerlei Muskelkater vom Wandern bekommen habe… Sogar fürs Joggen war ich am Tag der Heimreise fit genug. Aber das hat mich selbst auch gewundert.

      Liebe Grüße

      1. Stimmt – du hast natürlich Recht – auch Komoot kommt nicht ohne ein GPS-Signal aus.

        Und auch trotz Navi habe ich immer noch ein Set gutes altes Analognavi auf Papier im Auto liegen. Es geht halt nichts über eine gute Karte, wenn man weiß wie man damit umgehen muss 😉

        LG, Birgit

      2. Das einzige Problem, was ich mich Karten habe, ist, wenn da Wege drauf sind, die es nicht mehr gibt… Oder wenn kleine Waldwege oder so fehlen. Im Feld kann man ja leider nicht die Straßennamen zur Orientierung verwenden…
        Liebe Grüße

  2. Hallo Tabea,

    ich habe nicht viel Zeit, deshalb nur ein kurzer Kommentar: Vielen Dank für deinen schönen Reisebericht, es hat viel Spaß gemacht, ihn zu lesen. Und Respekt, dass du deine lange Tour trotz aller Widrigkeiten durchgezogen hast!

    Liebe Grüße
    Peter

      1. Ja, das stimmt. Aber dafür war dann nicht mehr so viel Zeit für einen ausführlichen Kommentar 😀

        Und ich finde, es gab ja schon Schwierigkeiten auf deiner Wanderung: Laufen an vielbefahrenen Straßen, unterschiedliche Wandervorlieben mit deiner Freundin, Wassermangel, falsche Wege … Aber das ist ja wahrscheinlich normal bei so vielen Kilometern 🙂

        Liebe Grüße

      2. Ach, also die Schwierigkeiten hätte ich jetzt eher für undramatisch gehalten… Und von Wassermangel kann man auch eher nicht sprechen, da wir ja von den netten Leuten die Flasche aufgefüllt bekamen. So war das nämlich auch geplant, weil es mir zu viel zu tragen wäre, wenn ich meinen Vorrat morgens für den ganzen Tag gefüllt hätte. Und die falschen Wege hielten sich wirklich in Grenzen. Ich hatte mit Schlimmerem gerechnet 😉

        Liebe Grüße

  3. Hui, das ist ja schon eine ordentliche Tour! Bei so vielen Kilometern am Tag muss man, glaub ich, echt voll auf einer Wellenlänge sein, was die Bedürfnisse nach Sport, Essen und Pausen angeht.

    Ich bin vor einigen Jahren mal eine Woche lang jeden Tag ca. 20-25 Km gewandert, allerdings in einer sehr großen Truppe (es war eine Chorwanderung). Da war’s so viel wert, dass unser Gepäck gefahren wurde und eine Krankenschwester sich allabendlich um die vielen Blasen an den Füßen gekümmert hat. Trotzdem und trotz vieler Pausen musste ich an zwei Tagen aussetzen, einmal, weil die Blasen an den Füßen gar nicht mehr gingen (im wahrsten Sinne des Wortes), einmal, weil mein Kreislauf nicht mitgespielt hat.

    Trotzdem würde ich supergerne nochmal auf so eine Wandertour gehen – und sogar mein Gepäck selber tragen 😀 – und finde dein Projekt super, einfach mal ein paar Unterkünfte zu buchen und loszulaufen.

    Viele Grüße
    Maren

    1. Vermutlich hast du recht, dass man noch mehr auf einer Wellenlänge sein muss, als wir das waren. Ich hatte Annettes Sportlichkeit vielleicht einfach ein bisschen überschätzt oder die hat sich in der Klausurenphase beim Lernen mehr abgebaut, als sie erwartet hat.

      Eine ganze Woche zu wandern ist aber echt schön etwas, wovor ich Respekt habe. Da macht der Gepäcktransport auch Sinn, weil man ja mehr Zeug braucht. Als wir mit der Schule in der siebten Klasse fünf Tage in der Rhön waren, wurden unsere Koffer such gefahren. Damals gab es aber nur 11-20 Kilometer an Tag und nach den zwanzig waren wir alle ziemlich tot wegen der Berge 😉

      Einfach mal buchen und los laufen ist vielleicht doch ein bisschen idealisiert… Also gebucht habe ich schon um Ostern rum, damit nicht alles schon ausgebucht ist. Spontan ist was anderes 😉
      Vielleicht findest du ja bald mal jemanden, der Lust hat, mit dir eine Tour zu wandern.

      Liebe Grüße

  4. Hey Tabea =)
    Wandern ist zwar nicht so mein Ding, aber trotzdem fand ich deinen Post interessant!
    Dreißig Kilometer wären aber auch mir viel zu viel gewesen. Ich bin damals mit 16km an meine Grenze gestoßen, auch wenn ich da erst ca12 war, würde ich auch jetzt keine dreißig Kilometer laufen wollen oder können.
    Und wie Annette finde ich, dass es beim Wandern auch darum geht, die Landschaft und die Zweisamkeit zu genießen. Du siehst eher die sportliche Herausforderung.
    Da hattet ihr einfach zwei sehr unterschiedliche Vorstellungen und somit auch Erwartungen, denke ich…
    Schade, dass ihr euch dann getrennt habt.

    Bei rbnb würde ich ja auch gerne mal was buchen. Schön zu hören, dass du da so gute Erfahrungen gemacht hast =)

    1. Freut mich, dass der Post dir gefallen hat, obwohl du nicht der Typ Mensch bist, der solche langen Schreck selbst laufen möchte.

      Genossen habe ich die Landschaft ja auch… Ich glaube, das Problem war einfach, dass ich ein höheres Tempo als angenehm empfinde – langsames wandern strengt mich total an. Gerne hätte ich mich mit Annette auch mehr unterhalten…

      Airbnb ist wirklich eine praktische Erfindung. Es kommt zwar immer auch etwas darauf an, bei wem man übernachtet, aber generell ist das Risiko, da was weniger schönes zu erwischen, wohl auch nicht größer als bei Hotels. Das Ibis Budget war ja zum Beispiel nicht so mein Fall…

      Liebe Grüße

  5. Klasse Aktion! Und meinen herzlichen Glückwunsch, dassdu es geschafft hast. Ich habe den Beitrag schon im Urlaub gelesen und wollte jetzt nur noch schnell meinen Glückwunsch da lassen.
    Ich hoffe deine Frehndin hat jetzt kein Wandertrauma oder sowas bekommen?

    LG, nossy

    1. Danke!

      Ich hoffe auch, dass sie das Wandern weiterhin mögen wird… Aber bei kürzeren Distanzen und besser geplanten Routen wird sie das sicher auch zukünftig noch genießen können. Nur ob sie mit mir jemals wieder auf Wanderschaft gehen wird, weiß ich nicht.

      Liebe Grüße

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