Montag, 27. November 2017

gelesen: Bestseller

Werbung – Dieses Buch wurde mir Verlag Voland & Quist zur Verfügung gestellt.

Hallo ihr Lieben!

Eigentlich gibt es meine Rezensionen ja eher gesammelt und in aller Kürze, damit dieser Blog trotz meines anhaltenden Lesefiebers nicht von Inhalten rund ums Buch überflutet wird. Heute muss ich aber eine Ausnahme machen – mein Herz zwingt mich dazu.

Bei dem Buch, um das es heute geht, fällt mir die Rezension nämlich wirklich schwer. Und warum? Ich schwankte zwischen purer Liebe und abgrundtiefen Hass. In einem Moment wollte ich es abbrechen und für immer zur Seite legen, doch nachdem ich in solchen Momenten noch einen Satz weiter gelesen hatte, war ich wieder so begeistert, dass ich unbedingt JEDE Seite von „Bestseller“ verschlingen wollte.

Und wenn es mir so mit einem Buch geht, dann verdient das einen ganzen Post, finde ich. Denn ich will euch gerne erklären, warum das Werk bei mir die Achterbahnfahrt der Lesegefühle auslöste – und das geht nicht mit 10 Sätzen und einer Bewertung in Form von 1 – 5 Hühner-Punkten.

Die Eckdaten

Bestseller ist ein Roman von Beka Adamaschwii. Das Buch erschien 2017 im Verlag Voland & Quist.
Die Originalausgabe ist jedoch georgisch und von 2014. Sybilla Heinze hat den Text daher für uns deutschsprachige Leser übersetzt.
Ihr könnt das Buch, welches nach 172 Seiten endet, beispielsweise über Amazon* kaufen.

Handlung

Ein Autor ist frustriert darüber, dass er nur wenige Fans hat – also stürzt er sich in den Tod, da er sich davon zunehmendes Interesse an seinen Werken verspricht. Er selbst landet nach dem Selbstmord allerdings in der Literaturhölle – einem Ort, an dem Schriftsteller gequält werden…
Nebenbei erfahren wir außerdem, wie einer seiner echten Fans den Tod des Autors verarbeitet und auf eine dritte Person trifft. Jemand versucht übrigens auch, ein Herz zu erobern, und in die Fußstapfen von Schriftstellern zu treten und
– tja, was ist wirklich wie passiert? Diese Frage wirft das Buch nämlich auch auf.

Der Autor in der Hölle muss währenddessen ein Rätsel knacken… Ob er es schafft?

Rezension Bestseller

Pluspunkte

Trotz der Perspektivwechsel fiel es mir nicht ein Mal schwer, den Überblick zu behalten, aus der Sicht welcher Figur ich gerade den Roman lese. Auch die Szenenwechsel sind gut voneinander abgesetzt.

Einen Bonuspunkt bekommt das Buch von mir auch dafür, dass immer mal wieder Zitate aus anderen Büchern eingestreut sind – und zwar vom Text abgesetzt mit Quellenangabe. Der Inhalt dieser Zitate regt erstens zum Nachdenken an und passt zweitens auch immer zur aktuellen Handlung.

Die Kapitellänge war auch angenehm.

Bücher sind Glückssache, bei manchen verliert man Zeit durchs Lesen, bei manchen noch mehr durchs Nicht-lesen.
- Bestseller, S. 61

Minuspunkte

Verwirrung! Zu Beginn wird oft von „dem Autoren“ gesprochen und mir war viele Seiten lang nicht klar, ob der Autor des Buches sich selbst meint oder aber den Protagonisten, der den Selbstmord begannen hat. Nur, falls ihr das Buch irgendwann selbst lesen wollte: Der Autor ist keine Romanfigur, sondern der Schreiber vom Buch „Bestseller“, der seinen Gedanken, die er beim Schreiben hatte, einfließen lassen möchte.

Ein richtiger Lesefluss kam bei mir aber auf den ganzen Seiten nie zustande, denn die Formulierungen sind eher wirr. Zudem hat gefühlt jede zweite Seite eine Fußnote, die irgendwas erläutern soll, aber mir selten weitergeholfen hat. (Und das, obwohl weiter hinten im Buch sogar geschrieben steht, dass Fußnoten grausam sind!)

Du sollst keine dicken Bücher schreiben. Schreib nur so viel – wie man in einer Nacht lesen kann.
- Bestseller, Seite 55

Und trotz aller Erläuterungen sind da immer noch viele unerklärte Fremdwörter, die mir den Spaß am Lesen nahmen, da ich keine Lust hatte, ihre Bedeutung nachzuschlagen.
Auserdem: Muss man wirklich ständig französische und lateinische Phrasen einbauen, wenn man sie nicht erklärt? Ich konnte mangels Vokabelkenntnissen also gar nicht das Werk in seiner gesamten Tiefe erfassen…

Ach, und die Handlung an sich ist total verwirrend, sodass ich am Ende des Buches nicht mehr wusste, was wirklich passiert war. Man springt nämlich auch in der Zeit umher und liest Passagen mehrmals, aber mit leicht verändertem Ausgang.

Achja, und Blocksatz! Nicht gerade förderlich für das angenehme Lesen.

Ein Paradies gibt es zwar, aber keines für Literaten. Es gibt nämlich keinen Schriftsteller, der nicht mindestens einMal einen Leser gequält hat.
- Beststeller, Seite 165

Meine Gedanken zum Buch

Wie gesagt, ich schwankte zwischen Begeisterung und Verachtung. Der wirre Schreibstil und die vielen Wörter, die ich nicht verstand, ärgerten mich. Das gibt einem einfach das Gefühl, man selbst sei bezüglich des Bildungsstandes unterdurchschnittlich… Und es wirkte auf mich auch so, als blickte der Autor des Buches damit von oben auf uns Leser herab. Dieses ungute Gefühl und der fehlende Lesefluss weckten also mehrfach in mir den Wunsch, das Buch zur Seite zu legen und nicht mehr anzufassen. Nicht mal verschenkt hätte ich es in diesen Momenten… Denn niemanden hätte ich mit so einem Schreibstil ärgern wollen – es anzuzünden wäre also eine nette Option, da das Buch dann immerhin sehenswerte Fotos liefern könnte.

Andererseits hatte ich das Gefühl, dass ich aus diesem Buch viel mitnehmen kann. Denn der mir nicht zusagende Schreibstil machte mir deutlich, wie ich nie schreiben möchte. Und der Protagonist erlebt in der Literaturhölle auch eine Menge spannende Dinge. Seine Gedanken über schriftstellerische Sünden regen dabei zum Nachdenken an – zumindest, wenn man gerne selbst darüber grübelt, was gute Bücher von schlechten unterscheidet. Und da ich ja momentan an eigenen Buchprojekten arbeite (wovon ich euch bei Zeiten auch noch mal vernünftig berichten will) packte mich das Buch dann doch.

Wenn es so weiter geht, haben wir bald mehr Schriftsteller als Leser.
- Bestseller, S. 31

Zudem ist die eine Nebenhandlung mit dem Fan irgendwie interessant gewesen und die Grundidee der Geschichte fand ich auch nicht so schlecht – obwohl sich mir der Sinn des dritten, später hinzukommenden Handlungsstranges erst recht spät erschloss…

Rezension Bestseller

Eine Empfehlung?

Also: Wenn ihr ein Buch sucht, um entspannt den Alltag zu vergessen und eine schöne Lesezeit zu haben, dann vergesst das Werk „Bestseller“. Tut euch den Schreibstil nicht an… Das ist es nicht wert.
Falls ihr aber allgemein ein Interesse am Schriftstellerdasein habt und auch mal ein bisschen über die Verwendung bestimmter Wörter oder diverse Schreibstile nachdenken wollt, dann dürft ihr Beka Adamascheilis Buch doch lesen – und versuchen, es zu genießen. Mir persönlich hat es am Ende doch etwas gebracht, denke ich. Es hat mich dafür sensibilisiert, gewisse, ausgelutschte Wörter seltener zu verwenden und lange Bandwurmsätze zu meiden… Und so verwirrende Handlungsstränge will ich auch niemals schreiben!

Nur: Nicht alles, was das Buch sagt, muss man umsetzen. „Schreib nur so viel, wie man in einer Nacht lesen kann“ ist meiner Meinung nach zum Beispiel eine unberechtigte Empfehlung. Und das, obwohl ich dicke Bücher oft genug meide. 😉

Fazit: Man kann „Bestseller“ lesen, wenn man bereit ist, sich auf einen gewöhnungsbedürftigen Schreibstil mit vielen gedanklichen Einschüben, Fremdwörtern und Fußnoten einzulassen. Man wird zum Nachdenken über Literatur und ihre Stärken sowie Schwächen angeregt – aber entspanntes Lesen sieht anders aus und das kann der Plot dann auch nicht rausreißen, da er nur manchmal spannend ist, aber hauptsächlich verwirrt.

Ich vergebe heute also zwei Bewertungen in Hühner-Punkten:

Bewertung: ein Huhn

Ein Huhn vergebe ich aus Sicht eines Lesers, der unterhalten werden will und nicht selbst schreibt. Aber nur, weil ich die Idee mit der Literaturhölle und die Story mit dem einen Fan mochte… Der Rest des Buches ist aber so grausam umgesetzt, dass mehr Hühner einfach nicht drin sind.

Bewertung: drei Hühner

Drei Hühner vergebe ich aus Sicht der Möchtegern-Autorin, die ich momentan bin. Die zwei Hühner habe ich abgezogen, weil ich eben von Schreibstil total genervt war und die Handlung mich am Ende sehr verwirrt zurück ließ.
Die restlichen Hühner gibt es als Belohnung für die ganzen Denkanstöße, denn durch „Bestseller“ fing ich an, meine eigene Wortwahl verstärkt zu hinterfragen und mir Gedanken über das ganze Drumherum im Autorenleben zu machen.
Das Buch kam hier wirklich zur richtigen Zeit, als die Liebe zum Schreiben noch keinen ganzen Monat lang wieder entdeckt war und ich voll euphorisch dem National Novel Writing Month (#NaNaWriMo) entgegen fieberte und daher natürlich alles tat, um meine eigeben Schreibfähigkeiten zu verbessern.

Kennt ihr das Buch? Und falls ja, was haltet ihr von ihm? Ich schwebe immer noch zwischen Bewunderung und Verachtung.

(Rezensionsexemplar. Herzlichen Dank an den Verlag Voland & Quist!)

- geschrieben von Tabea -


8 Kommentare zu gelesen: Bestseller

  1. nossy am

    Das Buch selbst kenne ich nicht, aber schön wenn du es bis zum Ende durchgezogen hast. Solch unbequeme Bücher sollen ja den Horizont erweitern… aber ich glaube ich verzichte da mal drauf 😉

    Lieben Gruß

  2. Ich habe noch nie von den Buch gehört und die Idee des Buches klingt wirklich sehr gut! Ich schaue mal ob es das Buch in unserer Bibliothek gibt;)
    Liebe Grüsse,
    Krisi

  3. Mir war das Buch bisher völlig unbekannt und ich hatte beim Titel sogar erst auf ein Sachbuch getippt, das sich mehr mit Bestsellern auseinandersetzt und wie manche Bücher Kult-Status erreichten bzw. wie die Kennzeichnung als Bestseller wirklich funktioniert. Dass sich dahinter nun so eine Geschichte versteckt überrascht mich. Die hört sich auf den ersten Blick auch erstmal spannend an, aber deine Kritik hat mich dann abgeschreckt. Denn Fremdwörter oder lateinische und französische Phrasen (kann beide Sprachen ja nicht sprechen) möchte ich mir dann auch nicht antun, denn das ist alles andere als entspanntes lesen und würde mich nur wieder in meine Schulzeit zurückversetzen als ich solche Klassiker lesen musste, die ich nicht verstanden habe. Grauenvoll.

    Trotzdem finde ich es interessant, dass du das Buch aus zwei Perspektiven bewertest. Ist mal was anderes und sehr aufschlussreich.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Ich bin davon eigentlich auch kein Fan, die Doku um Amanda Knox war echt ne Ausnahme, denn abseits davon schalte ich auch immer sofort um wenn sowas im Fernsehen kommt. Ich konzentriere mich auch lieber auf die schönen und guten Dinge im Leben.

    • Ich hatte auch erst an einen Schreibratgeber gedacht, aber hier muss man sich wohl selbst beibringen, wie man besser schreibt als der Autor 😉
      Mich hat der ganze Kram auch irgendwie an die Schulzeit erinnert, nur die Geschichte war spannender als Frau Jenny Treibel.

      Nur aus einer Perspektive das Buch zu bewerten, fühlte sich irgendwie falsch an… Deswegen musste auch dieser ganze Blogpost sein.

      Liebe Grüße

  4. Einerseits hört sich das nach einer verdammt guten und kreativen Idee an! Andererseits bi ich leider selbst schnell von seltsamen Schreibstillen und wirren Erzählungen genervt… Bei dem ein oder anderen Buch habe ich mich auch schon gefragt, welcher Lektor/Verleger so etwas ernsthaft hat durchgehen lassen… 😉

    Ängste sind halt etwas relatives und und sehr individuell. Nur weil sie vielleicht nicht ganz logisch erscheinen oder andere sie nicht verstehen, dahingehend vielleicht gelassener reagieren würden, heißt das ja noch lange nicht, dass sie einen selbst nicht ganz schön umtreiben. 😉

    • Wie dieses Buch veröffentlicht werden konnte, habe ich mich auch schon ab und zu gefragt… Denn gut zu lesen ist es eben wirklich nicht.
      Irgendwie auch ein bisschen schade um die Idee. Wobei ich mich ja dann auch noch frage, warum es übersetzt wurde.

      Liebe Grüße


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