Donnerstag, 14. September 2017

Bundestagswahl 2017: Die Grünen im Interview

Hallo!

So – langsam habt ihr wohl gemerkt, dass diese Woche auf meinem Blog im Zeichen der Bundestagswahl steht – und daher wird es wohl kaum jemanden verwundern, dass ich euch auch heute die Politik ein bisschen näher bringen möchte.

Als ich anfing, diese Beitragsreihe zu den Wahlen zu planen, wollte ich eigentlich alle Parteien in einem kurzen Interview vorstellen und nicht deren Programm so wie das der Grünen gestern zusammenfassen und kommentieren. Das Problem? Ich schickte 6 Anfragen an Parteien heraus und bekam einige Absagen. Manche nahmen sich nicht mal die Zeit, mir zu antworten.

Nur die Tierschutzpartei sagte mir auf Anhieb zu – das Interview gibt es dann in drei Tagen hier zu lesen.

Geschlagen geben wollte ich mich aber noch nicht wirklich, also schrieb ich bei den Grünen und den Linken auch die Ortsgruppe meines Landkreises noch an und fragte dort, ob mir jemand für ein paar Fragen zur Verfügung stehen wolle. Eine Absage kam von den Linken… aber was ist mit den Grünen?

Da zwei Monate ins Land gingen, ehe ich von denen hörte, bereitete ich in der Zwischenzeit den gestrigen Post und auch den Post über das Wahlprogramm der Linken (erscheint morgen) vor – die übrigen Parteien überlasse ich Nicole.

Die nicht vorhandene Antwort der Grünen war für mich zunächst eben ein Zeichen dafür, dass sie wohl kein Interesse hätten… aber falsch gedacht! Vor ungefähr 8 Tagen kam dann doch eine Mail von den Grünen, dass ich mich gern an Bettina Hoffmann wenden und sie ausfragen dürfe. Also habe ich das dann auch getan – und beschlossen, das Interview in einem eigenen Beitrag zusätzlich zum Wahlprogramm zu veröffentlichen, denn sonst wäre der Post gestern doch unheimlich lang geworden.

Wer ist Frau Hoffmann?

Frau Hoffmann ist nicht irgendwer… also sie ist natürlich Parteimitglied der Grünen, sonst hätte das Interview ja wenig Sinn gemacht.

Allerdings ist sie bei dieser Bundestagswahl sogar als Direktmandatin aufgestellt und möchte den Wahlkreis Schwalm-Eder im Bundestag vertreten.

Die Biologin wurde 1960 geboren und ist seit 1997 ehrenamtlich für die Grünen tätig.

Am 16.9.2017 kann man sie vormittags übrigens persönlich in Frankenberg am Wahlstand der Grünen antreffen – ich werde mir das nicht entgehen lassen!

BTW17: Interview mit Bettina Hoffmann von den Grünen

das Interview mit Bettina Hoffmann von den Grünen

1. Wie wollen die Grünen derart viel erneuerbare Energie produzieren und ganztägig verfügbar machen, dass die im Wahlprogramm genannten Ziele erreicht werden können?

Stürme, Überschwemmungen, Dürren… wir sind die erste Generation, die die Folgen der Klimaerhitzung spürt und die letzte, die etwas dagegen tun kann. Die Lösungen sind vorhanden, sie müssen nur politisch umgesetzt werden. Kohle und Öl zerstören auf Dauer unsere Natur und erhitzen das Klima und gefährden damit unsere Lebensgrundlagen. Die Natur bietet uns unerschöpfliche Quellen: In weniger als 30 Minuten strahlt die Sonne mehr Energie auf die Erde als die Menschheit in einem ganzen Jahr verbraucht. Wir haben in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht, grüne Energien zu nutzen. Schon heute gibt es Tage, an denen Deutschland fast seinen kompletten Strombedarf aus Sonne, Wind und Wasser deckt. Den Weg wollen wir konsequent weiter gehen.
Das haben wir vor:

  • Raus aus der klimaschädlichen Kohle: Wir wollen das Ende der Kohleverstromung verbindlich einleiten – jetzt. Wir werden unverzüglich die 20 dreckigsten Kohlekraftwerke vom Netz nehmen und den CO2-Ausstoß der verbleibendenKohlekraftwerke analog zu den Klimazielen deckeln. Wir werden den Kohleausstieg in Einklang zu unseren Zielen 100 Prozent Erneuerbare Energien im Strombereich bis 2030 gestalten. Dazu führen wir jährliche CO2-Obergrenzen(„Budgets“) für die Kraftwerke ein, die entsprechend der steigenden Klimaschutzanforderungen regelmäßig verschärft werden. Die betroffenen Regionen wollen wir über einen neuen Strukturentwicklungsfonds unterstützen, um neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen.
  • Erneuerbare dynamisch ausbauen: Wir wollen den Ausbau erneuerbarer Energien wieder deutlich steigern und an die Klimaziele des Pariser Klimaabkommens anpassen. Wer eigenen Strom erneuerbar erzeugt, soll dafür keine EEG-Umlage mehr zahlen müssen. So erreicht kostengünstiger Ökostrom Mieter, Hausbesitzerinnen und Unternehmen.
  • Bürgerengagement stärken: Wir wollen die Energiewende wieder zu ein gesellschaftlichen Projekt machen, bei dem jeder zum Mitmachen eingeladen wird. Kleinere Wind- und Solarprojekte werden wir komplett von der neuen, bürokratischen Ausschreibungspflicht befreien. Außerdem wollen wir die Direktvermarktung von Ökostrom in der Region wieder erleichtern.
  • Strom, Wärme und Verkehr zusammenbringen: Ökostrom wird verstärkt Einzug halten in die Wärme- und Verkehrswelt. Er heizt dann Wohnungen, Autos fahren mit Batterien und LKW mit ökologisch erzeugtem Wasserstoff. Das spart Geld und senkt den CO2-Ausstoß. Über ein Markteinführungsprogramm wollen wir die dafür erforderlichen Speicher bereitstellen. Denn sie sind die entscheidende Schnittstelle zwischen Strom-, Wärme- und Verkehrssektor.
  • Atomausstieg konsequent vollenden: Atomkraft ist eine unberechenbare Risikotechnologie. Deshalb wird Deutschland richtigerweise bis 2022 aus der Atomkraft aussteigen. Dieser grüne Erfolg ist ein notwendiger Schritt, aber er ist noch nicht hinreichend. Er ist nur eine Zwischenetappe auf dem Weg zum Ende der Atomkraft. Die Mammutaufgabe der Endlagerung radioaktiver Abfälle wird uns noch über Jahrzehnte beschäftigen. Dank grünem Einsatz konnten wichtige Fortschritte durch die Endlager-Kommission erreicht werden. Dies ist jedoch erst der Anfang. Es gilt in einem transparenten Verfahren unter umfassender Einbeziehung der Öffentlichkeit den bestmöglichen Standort in Deutschland zu finden, der eine sichere Lagerung des Atommülls für einen Zeitraum von einer Million Jahren gewährleistet. Zugleich wollen wir dafür sorgen, dass die gefährlichen Alt-AKWs entlang der deutschen Grenze abgeschaltet und die Urananreicherung und Brennelementeherstellung in Deutschland beendet werden.

2. Wie wollen Sie die Massentierhaltung bekämpfen, ohne Bürger zu verärgern, da Preise für einige Lebensmittel zwangsläufig steigen werden?

Lebensmittel sind heute so billig wie nie. Die Agrarindustrie wirft Fleisch, Milch oder Brot oft zu Dumpingpreisen auf den Markt. Dumpingpreise bedeuten mindere Qualität, Tierquälerei und Naturzerstörung. Und sie führen zu ruinösen Wettbewerb in der Landwirtschaft, der vielen Bäuerinnen und Bauern die Existenzgrundlage nimmt.
Viele Menschen haben die Nase voll von Lebensmittelskandalen und Gift im Essen. Sie sind bereit für gutes und gesundes Essen einen fairen Preis zu zahlen.
Es geht nicht um 100% Bio für alle. Wir wollen gutes Essen zu fairen Preisen, das sich Verbraucherinnen und Verbraucher leisten können, und die den Bauern ein Auskommen sichern. Selbst die Gutachten der Bundesregierung zeigen: die nötigen Veränderungen sind bezahlbar, es geht eher um Cent- als um Eurobeträge.
Da wo das Geld besonders knapp ist, kann auch das zu viel sein. Deshalb wollen wir den ALG-II-Regelsatz erhöhen. Davon profitieren gerade Kinder aus armen Familien. Denn Kinder brauchen gesundes Essen. Wir wollen, dass sie gut versorgt sind: mit gutem Essen auch in Schule und Kita.

Wir Grüne kämpfen für gutes und gesundes Essen ohne Gift, Gentechnik und Tierquälerei.
Wir wollen eine grüne Landwirtschaft, die sich an der Gesundheit der Menschen
und dem Schutz unserer Umwelt ausrichtet. Sie muss Milliarden Menschen ernähren
und die Lebensgrundlagen von morgen erhalten. Darum wollen wir aus der industriellen
Massentierhaltung aussteigen und die industrielle Landwirtschaft umbauen.
Tierleid, Güllefluten, verschmutztes Wasser, zunehmend unfruchtbare Böden, Artensterben,
Gift auf dem Acker und im Essen sind ihre Folgen. Deshalb kämpfen wir für eine grüne Agrarwende.

Das haben wir vor:

  • Raus aus der industriellen Massentierhaltung: Wir wollen die industrielle Massentierhaltung in den nächsten 20 Jahren beenden. Mit schärferen Gesetzen sorgen wir für eine artgerechte Tierhaltung, so dass Tiere mehr Platz, Auslauf,L icht und Beschäftigung bekommen. Wir beenden Kükentöten, Amputationen und Qualzucht. Schweine dürfen ihren Ringelschwanz behalten. Puten dürfen nicht mehr so gezüchtet werden, dass sie unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen.
  • Mehr Geld für Grüne Landwirtschaft: Wir wollen die Fördergelder für die Landwirtschaft umschichten. Öffentliches Geld nur noch für gesellschaftliche Leistungen. Statt agrarindustriellen Fleischfabriken fördern wir eine bäuerlich- ökologische Landwirtschaft ohne Ackergifte, Tierleid und Gentechnik. 1 Mrd. € jährlich könnte man schon heute schnell umleiten.
  • Kein Gift und keine Gentechnik in der Landwirtschaft: Glyphosat ist ein Ackergift, mit dem heute Unkraut bekämpft wird. Es ist gesundheitsgefährdend und es ist heute einer der größten Killer der Artenvielfalt im ländlichen Raum. Neonicotinoide sind Insektengifte, mit denen Schädlinge bekämpft werden. Sie verursachen massenhaftes Bienensterben. Solche Stoffe wollen wir abschaffen. Für alle Pestizide brauchen wir striktere Zulassungsverfahren. Nur für Mensch und Natur wirklich unbedenkliche Stoffe dürfen eingesetzt werden. Wir wollen den Einsatz von Pestiziden (Insekten und Ackergifte) eindämmen, fordern eine Abgabe auf Pestizide und fördern die Forschung zu einer pestizidarmen Landwirtschaft. Wir werden ein Gentechnikgesetz auflegen, das unsere Äcker und unsere Teller frei von Gentechnik hält, auch wenn sie sich als „neu“ tarnt.
  • Lebensmittel für die Verbraucherinnen und Verbraucher besser kennzeichnen: Wir kennzeichnen tierische Produkte (Fleisch, Wurst, Milch, Käse) so, dass die Bürgerinnen und Bürger wissen, was sie kaufen. Wir tun das klar und verlässlich so wie es bei Eiern schon erfolgreich ist. Künftig muss daher auf der Packung gut sichtbar sein, wo und wie die Tiere gehalten wurden: „0“ für ökologische Tierhaltung, „1“ für mehr Platz und Zugang ins Freie, „2“ für mehr Platz und höhere Anforderungen an den Stall, „3“ für die gesetzlichen Mindeststandards.

3. Wie soll das Rentenniveau unserer alternden Bevölkerung stabilisiert werden?

Wir Grüne wollen eine Alterssicherung, die für alle Menschen funktioniert und in der alle solidarisch füreinander einstehen. Alle sollen sicher sein können, dass sich die Rentenbeiträge auszahlen und im Alter keine Armut droht. Dafür stabilisieren wir das Rentenniveau und bauen die gesetzliche Rente zu einer Versicherung für alle Bürgerinnen und Bürger um. Wir führen eine Garantierente gegen Altersarmut ein. Frauen unterstützten wir dabei, eine eigenständige Altersvorsorge aufzubauen.
Wir machen Betriebsrente und private Vorsorge (Riester) attraktiver – besonders für Geringverdienende.

Das haben wir vor:

  • Wir stabilisieren das Rentenniveau. Dabei achten wir darauf, dass die eingezahlten Beiträge zur Rentenversicherung und die ausgezahlten Leistungen in einem angemessenen Verhältnis stehen. Damit kann auch die junge Generation weiter Vertrauen in die Rentenversicherung haben.
  • Eine Rente für alle: Mit der Grünen Bürgerversicherung wollen wir die bestehenden Ungerechtigkeiten beenden. Alle Bürgerinnen und Bürger werden unter der Berücksichtigung aller Einkunftsarten in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen. So sind sie gut abgesichert und versorgt und beteiligen sich entsprechend ihres Einkommens an der Finanzierung. Vor allem für viele Selbständige ist das ein Riesenschritt hin zu mehr sozialer Sicherheit. Und langfristig sorgt es dafür, dass die Rentenversicherung stabil und verlässlich finanziert ist. Mit der Grünen Bürgerversicherung in der Rente ließe sich eine starke positive Wirkung auf Rentenniveau und Beitragssatz erreichen. Wir wollen in einem ersten Schritt zur Bürgerversicherung die nicht anderweitig abgesicherten Selbständigen, Minijobberinnen und Minijobber, Langzeitarbeitslose und Abgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen.
  • Bessere Altersvorsorge für Frauen: Frauen sollen sich im Berufsleben genauso verwirklichen können wie Männer. Das ist gerecht und es schützt Frauen vor Armut im Alter. Dazu muss Familien- und Erwerbsarbeit besser vereinbar werden. Frauen dürfen am Arbeitsmarkt nicht länger benachteiligt werden. So wird es ihnen möglich eigene Renten zu erarbeiten und sich eigenständig sozial abzusichern.
  • Wir wollen eine „Garantierente“ einführen, die Altersarmut verhindert: Langjährig Versicherte, also Menschen, die den größten Teil ihres Lebens gearbeitet haben, Kinder erzogen, andere Menschen gepflegt oder sonstige Anwartschaften in der Rentenversicherung erworben haben, sollen im Alter eine Rente beziehen, die oberhalb der Grundsicherung liegt – ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Anrechnung von betrieblicher und privater Altersvorsorge.
  • Wir wollen auch die private und betriebliche Altersvorsorge stärken. Kapitalgedeckte Altersvorsorge kann man deutlich billiger und deutlich gewinnträchtiger machen als das heute geschieht. Wir wollen deshalb einen „Bürgerfonds“ in öffentlicher Verwaltung einführen, den wir für die betriebliche wie auch die private Vorsorge öffnen. Alle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sollen künftig ihren Beschäftigten eine Betriebsrente anbieten und sie dabei mit einem eigenen Arbeitgeberbeitrag unterstützen. Die öffentliche Förderung der privaten Altersvorsorge soll in Zukunft vor allem Geringverdienenden zugutekommen.
  • Flexible Übergänge in die Rente: Grundsätzlich halten wir an der Rente mit 67 fest. Wir wollen aber, dass Menschenselbst entscheiden können, wann sie in Rente gehen wollen. Dazu fördern wir eine echte Altersteilzeitdurch eine attraktive Teilrente ab 60 Jahren, die insbesondere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in belastenden Berufen zugutekommt. Für Menschen, die länger arbeiten wollen, soll sich das lohnen – u.a. durch bessere Hinzuverdienstregeln. Wer allein aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in Rente gehen muss, darf nicht mehr durch Abschläge bestraft werden.

4. Welche konkreten Maßnahmen hat Ihre Partei zur Förderung von Familien und insbesondere Alleinerziehenden und sozial schwachen Familien geplant?

Familien sind so vielfältig wie das Leben. Wir Grüne unterstützen alle Familien – ob mit oder ohne Trauschein, alleinerziehend oder verpartnert. Familien leisten viel. Viele sind mit ihrem Alltag und Leben zufrieden. Doch immer mehr Eltern machen sich finanzielle Sorgen oder ihnen droht zwischen Familie und Beruf die Puste auszugehen. Mit unserem grünen Familienbudget wollen wir Familien mit zusätzlich 12 Milliarden Euro pro Jahr entlasten und die Kinderarmut verringern. Wir schaffen in den nächsten Jahren weitere 350.000 Krippen- und Kitaplätze und regeln gesetzlich, dass ausreichend Erzieherinnen und Erzieher für unsere Kinder da sind.

  1. Wir werden ein Familienbudget von jährlich 12 Mrd. Euro auflegen, um Familien insgesamt stärker zu fördern und Kinderarmut zu lindern. Das Familien-Budget besteht aus drei Reformteilen
    • Mit uns werden die Regelsätze für Kinder in der Grundsicherung so bemessen, dass sie dentatsächlichen Bedarf decken, auch den für Teilhabe am sozialen Leben, an Bildung, Kultur und Mobilität.
    • Mit unserem Kindergeld-Bonus garantieren wir, dass Kinder in Familien mit geringem Einkommen und von Alleinerziehende bekommen, was sie zum Leben brauchen – und zwar aus einer Hand und ohne es beantragen zu müssen. Eltern mit geringen Einkommen erhalten den Kindergeld-Bonus in voller Höhe. Bei höherem Einkommen der Eltern wird der Betrag abgeschmolzen.
    • In der Kindergrundsicherung werden Kindergeld und Steuerfreibeträge für Kinder zusammengefasst. Damit beenden wir die Ungerechtigkeit, dass sich die staatliche Unterstützung für Kinder am Einkommen ihrer Eltern bemisst, und wir entlasten Familien mit mittlerem Einkommen. Diese neue Kindergrundsicherung sollte mit der Einführung einer Individualbesteuerung mit einem übertragbaren Grundfreibetrag verknüpft werden. Eltern, die heute bereits verheiratet oder verpartnert sind, können zwischen dem alten Ehegattensplitting und dem neuen Familientarif plus Kindergrundsicherung wählen. Der Familientarif sieht eine individuelle Besteuerung der Partner mit doppeltem Grundfreibetrag vor. Das heutige Bildungs- und Teilhabepaket erreicht sein Ziel nicht und soll deswegen abgeschafft werden. Wir wollen stattdessen die bisherigen Leistungen für die betroffenen Kinder zum Teil durch einen vom Bund finanzierten kostenfreien Zugang zu den entsprechenden Angeboten und zum Teil im Regelsatz gewähren.
  2. Wir wollen verhindern, dass Eltern die Puste ausgeht. Daher wollen wir
    • mit unserer KinderZeit Plus das Elterngeld weiter entwickeln, flexibilisieren und verlängern: Jeder
      Elternteil hat Anspruch auf acht Monate Unterstützung. Weitere acht Monate können die Eltern frei
      untereinander aufteilen. Im ersten Lebensjahr des Kindes können beide Eltern – nacheinander oder
      gleichzeitig – vollständig aus dem Beruf aussteigen. Danach wird eine Reduzierung der Arbeitszeit
      finanziell abgefedert. Um sich das Mehr an Zeit für die Familie leisten zu können, gleichen wir das
      geringere Einkommen mit einer Lohnersatzleistung aus;
    • das bestehende Recht auf Teilzeit um ein Rückkehrrecht auf den alten Stundenumfang ergänzen;
    • das Recht auf Home-Office als Ergänzung zum Büroarbeitsplatz einführen.
  3. Mit uns Grünen wird es mehr und vor allem wirklich gute Kita-Angebote und Schulen geben.
    • Unser Ziel sind gute Kitas überall. Mindeststandards für die Qualität wollen wir gesetzlich festlegen –. Damit Erzieherinnen und Erzieher ausreichend Zeit für die Kinder, für Vor- und Nachbereitung und Elterngespräche haben. Eine Erzieherin oder ein Erzieher sollen künftig höchstens drei Kinder unter drei Jahren bzw. höchstens zehn ältere Kinder betreuen.
    • Kinder sollen ab dem zweiten Lebensjahr bis zur Einschulung einen Rechtsanspruch auf ein ganztägiges Angebot frühkindlicher Bildung und Betreuung bekommen.
    • Grundsätzlich ist unser Ziel, beitragsfreie Bildung von Anfang an zu ermöglichen– so auch in Kitas. Da es aber noch vielerorts an Angeboten mangelt und die Qualität so verbesserungsbedürftig ist, wollen wir zunächst sicherstellen, dass keinem Kind wegen der Kita-Gebühren der Zugang zu Bildung verwehrt wird.
    • Wir wollen deutlich mehr Ganztagsschulen schaffen, um weiterhin gute Betreuung zu gewährleisten bzw. einen Anspruch auf Hortbetreuung schaffen.
    • Der Bund soll dafür mit den Ländern zusammenarbeiten dürfen und diesen Ausbau mitfinanzieren
      (Abschaffung des Kooperationsverbots).

5. Was möchten Sie persönlich als Direktmandatin für den Landkreis Waldeck-Frankenberg im Bundestag bewirkten?

Ich stehe für Lebensqualität auf dem Land mit neuen Arbeitsplätzen, schnellem Internet und gutem öffentlichen Nahverkehr. Und für ein gutes Miteinander in einer bunten Gesellschaft mit gleichen Verwirklichungschancen für alle Menschen!

Abschließende Worte meinerseits

Wie ihr seht, habe ich Frau Hoffmann nur wenige Fragen gestellt. Woran das liegt? Ursprünglich wollte ich das Interview einfach noch an den gestrigen Beitrag anfügen, da ich einer Partei nur ungern mehr Aufmerksamkeit schenken wollte als den anderen beiden.

Da Frau Hoffmann sich allerdings voll ins Zeug gelegt hat und so umfangreich geantwortet hat, hat sie nun doch ihren eigenen Post bekommen. Immerhin habe ich die Chance zu einem Interview ja allen Parteien gegeben – selbst Schuld, wenn die Linken das nicht nutzen wollen!

Frau Hoffmann danke ich jedoch noch mal herzlich dafür, dass sie sich die Zeit für mich und diesen Blog genommen hat. Ich hatte wirklich nicht mehr mit einer Antwort gerechnet – und dann auch nicht damit, dass man so schnell noch was in diesem Umfang auf die Beine stellen kann.

Ich hoffe, für euch waren meine Fragen interessant – und Frau Hoffmanns Antworten natürlich ebenfalls 😉.

Habt ihr euch eigentlich schon über die Kandidaten eures Landkreises für die Direktwahl (Erststimme) erkundigt?


Das Foto von sich hat Frau Hoffmann mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt – ich finde es ja immer schöner, wenn man zu einer Person auch ein Bild vor Augen hat.


P. S.: Dieser Post hier ist Teil eines Specials von mir und Nicole zur Bundestagswahl 2017 in Deutschland.

Bisher habe ich einen Beitrag darüber, warum man auch kleine Parteien wählen sollte, verfasst und euch das Programm der Grünen vorgestellt. Morgen gibt es eine Vorstellung des Programms der Linken und abschließend habe ich am Sonntag ein Interview mit einem Vorsitzenden der Tierschutzpartei für euch.

Nicole schreibt darüber, warum es so wichtig ist, sich an den Wahlen zu beteiligen und geht auf die Programme der SPD, der CDU und der FDP ein.

Noch mehr Blogposts über die Thematik „Bundestagswahlen 2017“ gibt es bei #BloggerfuerBTW.

- geschrieben von Tabea -


8 Kommentare zu Bundestagswahl 2017: Die Grünen im Interview

  1. Nicole am

    Ein sehr spannendes Interview. Finde deine Fragen decken auch die für die Leser relevanten Infos ab ;). Was ich bei den grünen ja immer gut finde sind ihre Vorsätze im Bereich der Massentierhaltung und Lebensmittelkennzeichnung. Gerade letzteres ist für mich nicht nur hinsichtlich der Tierhaltung wichtig, sondern auch in Bezug auf die Inhaltsstoffe, denn als Allergiker hat man es da echt nicht leicht und somit wünsche ich mir schon länger das sich da was ändert. Ansonsten denke ich wie eure Direktkandiat für Fleisch und Milch würden viele Verbraucher mehr zahlen, wenn sie wissen, dass dann die Bauern davon leben können und es den Tieren gut geht. Zumal sich der Preis auch nicht so drastisch steigern würde, dass man sich Fleich und Milch dann gar nicht mehr leisten könnte.

    Etwas unrealistisch finde ich hingegen das Ziel, dass man ja bis 2020 den Verbrennungsmotor abschaffen möchte. Es gibt im Moment halt noch keine Alternative, die flächendeckend eingesetzt werden könnte und gerade auf dem Land wäre das problematisch. Elektro Autos schön und gut, aber hier gibt es noch überhaupt keine Ladestadionen und letztens habe ich auch in einem Bericht gehört, dass es sogar noch fraglich ist wo die ganzen Batterien herkommen sollen.

    Das sich das Rentenalter flexibilisert finde ich aber gut, vor allem der Zusatz das diejenigen die gesundheitlich eher in Rente müssen keine Abzüge bekommen. Denn das finde ich eh ne Frechheit. Da mein Dad ja in einer Gieserei und sehr anstregenden und harten Beindungen arbeitet, ist das bei uns natürlicih oft Thema, somit ist das für meine Familie ein wichtiger Punkt. Das ist ein Beruf, denn kann man körperlich einfach nicht bis 70 Jahren oder länger machen. Selbst bis 67 ist das schon gesundheitlich für einige nicht machbar. Das Home Office sich bei allen Parteien wiederfindet finde ich auch toll, denn da sehe ich eh die Zukunft der Arbeit. Gerade da wo es möglich ist, kann man so natürlich Familie und Beruf am besten vereinbaren.

    Danke auch für dein liebes Kommentar zu meinem Monatsbericht.
    Die Erdbeeren waren in dem Jahr aber auch verdammt teuer. Würde ich nicht zu Hause wohnen, dann hätte ich wohl auch viel weniger gegessen, weil ich sie mir nicht ständig hätte leisten können. Da hat das Hotel Mama halt dann doch einige Vorteile. Dafür habe ich leider keine einzige Himbeere gegessen :/.

    Ich hoffe du hattest dann Glück beim Bratwurst Verkauf und es hatte nicht geregnet? Derzeit regnet es ja auch ohne Ende. Ich hoffe ja, dass das Wetter bei der Wahlveranstaltung der SPD mitspielt.

    Danke für deine Tipp, dass hört sich aber auch gut an, vor allem die Größe. Muss ich mir merken. Mein Praktikum ging sechs Wochen, so lange müssen bei uns die Pflichtpraktikas gehen und da ich ja noch eine Hausarbeit zu schreiben habe, konnte ich den Zeitraum jetzt auch nicht groß verlängern. Aber ich habe auch in den sechs Wochen einiges gelernt und mitgenommen. Das hört sich aber nicht gut an, wie sieht dein Studenplan denn so aus? Ich kann mich ja zum Glück komplett auf meine Bachelorarbeit konzentrieren und bin dafür echt dankbar.

    Der nächste SuB-Teil ist nach unserer politischer Aktion geplant ;). Aber jetzt haben die Pareiprogramme und die Wahlkolumne erstmal vorrang. Teil Zwei ist aber schon komplett geschrieben im System und auch schon mit Bildern versehen. Danach erwarten euch dann noch zwei weitere Teile davon, wo aber andere Genre im Mittelpunkt stehen.

    Instagram ist aber auch Geschmackssache, mich stört dort auch einiges, aber so lange der Spaß noch da ist, werde ich dort auch aktiv sein. Was gefällt dir denn nicht am Netzwerk?

    • Freut mich, dass dir die Fragen gefallen. Ich habe mir echt Mühe gegeben, passende zu finden und mit denen auch an den gestrigen Post anzuknüpfen.

      Gerade wegen der Vorsätze im Bereich der Lebensmittelkennzeichnung und bei der Landwirtschaft waren die Grünen früher immer meine Lieblingspartei.
      Das mit den Preisen der Lebensmittel muss wohl echt staatlich geregelt werden, denn viele Leute kaufen ja echt nur das billigste Zeug. Ich finde es schon extrem, wie sich über die Preissteigerung bei Butter aufgeregt wird momentan – also ich weiß nicht, ob wir Verbraucher da echt so gerne mehr zahlen, wenn die Qualität steigt. Viele Menschen denken nur an sich – und können es nicht verkraften, wenn sie auf das neue iPhone einen Monat länger sparen sollen, weil sie endlich faire Preise für tierische Produkte zahlen.

      Bei der Mobilität kann ich dir nur zustimmen und das ist auch meine größte Kritik am Programm der Grünen. In meinem Landkreis gibt das Stromnetz ist gar nicht her, ausreichend Ladestationen aufzustellen. Hat die Energiegesellschaft im Frühjahr auf einer Mobilitätsmesse verbreitet und die werden es wohl wissen.

      Bei Rente und Home Office stimme ich dir zu! Jeder muss selbst wissen, wie lange sein Job in welchem Umfang für ihn machbar ist – und das darf nicht zu Angst vor Altersarmut führen. Und von Home Office träume ich ja ehrlich gesagt, auch, wenn ich dafür den falschen Beruf gewählt habe.

      Also mein Stundenplan hält drei Tage morgens bis abends und einen halben Tag pro Woche bereit – alles in Folge. Suboptimal, wenn man sich mal um das Pony kümmern will, was jetzt im Winter ja nicht mehr auf die Weide kann.

      Genau kann ich nicht sagen, was mich an Instagram stört. Vielleicht, dass man nicht verlinkten kann. Und kommentieren ist da auch nicht schön, wenn man mal mehr schreibt. Und ich hab halt nicht immer ein Bild, was passt, wenn ich was sagen will. Twitter ist mehr meine Welt!

      Liebe Grüße

  2. laura am

    ich muss sagen, dass ich es unheimlich toll von dir finde, dass du auf deinen blog über die bundestagswahl schreibst und dich sogar richtig ins zeug legst und die partein kontaktierst!

    • Irgendwie ist mir das Thema einfach zu wichtig, um es auszulassen. Und gerade, da auch viele meiner Freunde erstmalig wählen, finde ich es wichtig, vernünftig zu informieren.
      Tja, und wenn ich über etwas schreibe, dann gebe ich mir dabei eben auch Mühe – sonst bringt das ja nichts. Und es tut ja nicht weh, Parteien zu kontaktieren – schlimmstenfalls kommt eben keine Antwort oder eine Absage.

      Liebe Grüße

  3. Hans am

    Hallo Tabea,

    gratuliere zu dem Interview und dass du Frau Hoffmann überreden, oder besser gesagt überzeugen konntest. Ich finde es bemerkenswert, dass sie sich bürgernah zeigt und sich den Fragen einer privaten Bloggerin stellt. Von der ausführlichen Antwort auf deine Fragen, können beide Seiten profitieren.

    Ich sehe es auch wie du. Dann sind die anderen selbst schuld, wen sie das Angebot zum Interview ablehnen.

    Ich wiederhole mich gerne, dass ich es toll finde, dass du dich als junge Frau schon so sehr mit dem Thema Politik befasst. Wie ich gestern schon sagte, gehört es mit zu einer funktionierenden Demokratie sich einzubringen, sich zu befassen und ggf. drüber zu diskutieren. Und es gehört dazu, seine Vertreter in den Bundestag zu wählen. Das ist es natürlich besser, wenn man die Kandidaten und das Wahlprogramm der jeweiligen Partei kennt. Ob man dann aus Überzeugung oder Protest wählt, muss sich zeigen.

    Dieser Tage höre ich „viele“ die sagen, ach das läuft doch eh wieder auf eine GroKo raus. Warum soll ich da wählen?
    Na z. B., damit es möglicherweise (unerwartet) doch nicht so kommt, wie es von vielen prophezeit wird. Mit der Vogel Strauß Methode ändert man gar nichts.

    Es kann natürlich auch anders kommen – auch, wenn es eher unwahrscheinlich sein mag. Man denkt, es kommt wieder zur GroKo. Damit bin ich auch soweit zufrieden. Da muss ich doch nicht wählen gehen. Wenn man dann die Hochrechnung sieht, dass es aber anders kommt, ist der Katzenjammer groß.

    Lieben Gruß
    Hans

    • Naja, überreden ist der falsche Begriff. Die erste Absage der Grünen kam ja direkt von der Partei auf Bundesebene… Frau Hoffmann und die Grünen hier in meinem Landkreis haben sich einfach nur viel Zeit gelassen, um mir mitzuteilen, dass sie Lust auf das Interview haben. Und dann lief wirklich alles schnell und reibungslos!

      Ich finde eigentlich, dass es für junge Leute fast noch wichtiger ist als für alte, sich mit den Programmen und der Wahl zu beschäftigen und zu wählen. Wir jungen Leute sind doch eh im Verhältnis zu den alten unterrepräsentiert, da man unter 18 noch nicht wählen darf… Und das, wo wir alle noch viel länger mit den Konsequenzen heutiger Entscheidungen leben müssen.

      Ob nun Überzeugung oder Protest ist sicher eine spannende Frage, aber beides ist meiner Meinung nach besser als Desinteresse.

      Auf Prognosen will ich mich nicht verlassen… Egal, ob sie nun in meinem Sinne oder zu meinem Unmut ausfallen. Also gehe ich wählen und kann am Ende wenigstens sagen, dass ich alles getan habe, was ich konnte.

      Liebe Grüße

  4. Charlie am

    Ich bin jetzt leider gerade zu faul, um inhaltlich viel zu sagen, aber ich würde dir an sich gerne sagen, dass ich es toll finde, dass du das mit den Interviews versucht hast und es in zwei Fällen auch umsetzen konntest. Es ist irgendwie nochmal etwas anderes, wenn man jemandem direkt Fragen stellen kann, statt nur das Wahlprogramm zu lesen. Deshalb finde ich zB auch die Idee von abgeordnetenwatch ganz cool.

    Außerdem wollte ich sagen, dass ich deine Fragen sehr gut und spannend fand. Du hast ja in etwa die Themen angesprochen, die du in deinem Post über das Wahlprogramm schon angesprochen hattest, und ich fand das kritische Nachhaken sehr wichtig. Ist ja schön, wenn Parteien etwas versprechen, aber wie sie das umsetzen wollen ist ja auch wichtig, damit man einschätzen kann, wie realistisch es ist.

    Liebe Grüße 🙂
    Charlie

    • Danke für das Kompliment. Ich lese selbst Interviews meist Lieber als Fließtexte… Vielleicht auch, weil man der Frage direkt sieht, ob der folgende Absatz einen überhaupt interessiert 😉

      Ich habe meine Fragen extra ein wenig an meinen vorangegangenen Post angepasst… Denn die Wahlversprechen kennt ja jeder von den Plakaten, aber die Umsetzungspläne erfährt man leider zu selten.

      Liebe Grüße


Natürlich freue ich mich über jedes einzelne Kommentar, da es mir viel bedeutet, wenn ihr euch Zeit für meinen Blogpost nehmt und sogar noch ein paar Zeilen an mich verfasst! Trotzdem wäre es nett, wenn ihr die Links zu eurer eigenen Website oder eurem Blog NUR in dem dafür vorgesehenen Feld eintragt, statt sie auch noch in eurem Kommentar einzufügen. Solche Links aus Kommentaren entferne ich sonst nachträglich sowieso - und das macht nur Arbeit. Außerdem erhältst du eine Benachrichtigung per Mail, wenn jemand (meistens ich) auf dein Kommentar antwortet. Wenn du damit nicht einverstanden bist, kommentiere bitte einfach nicht.

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