Interview Tierschutzpartei zur BTW17

Bundestagswahl 2017: Interview mit Tierschutzpartei

Hallo ihr Lieben,

Auch heute möchte ich euch wieder eine Partei vorstellen. In meinem ersten Post dieser Post-Reihe zu den Wahlen habe ich euch ja erklärt, dass es durchaus auch Sinn macht, kleine Parteien zu wählen. Und mit klein sind dabei nicht nur die Parteien gemeint, die vielleicht doch die 5 % knacken, sondern auch die, die noch wesentlich weniger Wähler haben.

Es stand für mich also nicht zur Diskussion, ob ich mir die Liste der kleineren, zur Wahl antretenden Parteien mal anschaue. Wer wie ich seine Meinung bei den etablierten Parteien irgendwie nicht zu 100 % wiederfinden kann, der sollte nämlich echt einen Blick und diese Liste werfen.

Und als ich so die Parteien überflog, da fiel mir eine Partei ins Auge: Die Tierschutzpartei.

Tierschutz finde ich gut – und wichtig! Also began ich auf der Website der Partei zu stöbern, informierte mich ein bisschen über die Ziele und Forderungen und klickte dann auf “Kontakt”. Ich wollte nämlich mal kurz anfragen, ob jemand bereit wäre, sich interviewen zu lassen. Es ist doch einfach authentischer, wenn ein Parteimitglied selbst die wesentlichen Standpunkte seiner Partei erläutert, als wenn ich das nur zusammenfasse.
Und im Gegensatz zu den anderen Parteien, welche ich kontaktiert habe, stieß ich hier auf einen ganz freundlichen Mann, der gerne ein wenig Zeit opferte, um mir ein paar Fragen zu beantworten. Dafür bin ich unheimlich dankbar – und ich hoffe, für euch ist das Interview, welches ich mit Matthias Ebner (Bundesvorsitzender
Vorsitzender im Land­esvorstand Ba-Wü
Partei Mensch Umwelt Tierschutz) geführt habe, für euch interessant zu lesen ist.

Das Interview

Wie ist man bei der Parteigründung auf die Idee gekommen, Menschen, Tiere und die Umwelt zu den wichtigsten Themen, die sich direkt aus dem Namen ablesen lassen, werden zu lassen?

Menschen, Tiere und die Umwelt sind die wichtigsten Themen, um die sich die Politik kümmern sollte. Allen Lebewesen dieses Planeten sollte von uns Menschen ein möglichst schönes Leben ermöglicht werden. Dazu zählen Tiere genauso wie diejenigen Menschen, die derzeit noch von der Gesellschaft benachteiligt werden. Damit alle Lebewesen ein schönes Leben haben können, ist es zudem unerlässlich, dass ihr gemeinsamer Lebensraum, unser Planet Erde mit seiner Natur, seinem ökologischen Gleichgewicht und seinen für alle wichtigen Funktionen geschützt wird. Zudem können sich Menschen auch nur dann für Tiere oder die Umwelt einsetzen, wenn ihre eigenen Grundbedürfnisse wie etwa Nahrung, Wasser und ein Dach über dem Kopf befriedigt sind. Die drei Themenbereiche sind also untrennbar miteinander verbunden.

Interview Tierschutzpartei zur BTW17

Der Tierschutz ist der oberste Punkt im Parteiprogramm – Glauben Sie, dass sich in diesem Bereich in den letzten Jahren bereits Verbesserungen ergeben haben oder sind die Zustände eher dramatischer geworden?

Ja, es gab beim Tierschutz in den letzten Jahren Verbesserungen. Diese waren aber sehr geringfügig. So wurde z. B. das Schnabelkürzen bei Küken verboten und die Anforderungen an die Käfige bei der Tierhaltung für die Pelz-Produktion so erhöht, dass diese nun in Deutschland auf legale Weise nicht mehr wirtschaftlich machbar ist. Da aber kein Pelz-Handelsverbot erlassen wurde, wird einfach mehr Pelz importiert werden, sobald die neuen Haltungsbedingungen auch wirklich durchgesetzt werden. Im Endeffekt hat das also nichts gebracht. Um die Massentierhaltung zu reduzieren oder gar zu stoppen, wurde gar nichts unternommen. So wird in Deutschland immer mehr Fleisch produziert, obwohl die Deutschen immer weniger davon konsumieren, weil der Rest einfach exportiert wird, womit übrigens auch die lokalen Märkte in Afrika ruiniert werden. Dieser Zustand zeigt ganz deutlich, wie rückschrittlich CDU, CSU und SPD sind und wie wichtig es gleichzeitig ist, dass die Tierschutzpartei in die Parlamente einzieht, da über den Konsum allein die Massentierhaltung nicht beendet werden kann.

Was möchte ihre Partei konkret tun, um das Wohl der Tiere in Zukunft zu verbessern? Und kann man ihre Partei dabei vielleicht auch abseits der Wahlen unterstützen?

Wir haben in unserem aktuellen Bundestagswahlprogramm etliche Forderungen, mit denen wir Tierleid reduzieren wollen, davon zahlreiche, um die Massentierhaltung schnellstmöglich zu beenden und stattdessen eine bio-vegane Landwirtschaft zu etablieren. Auch müssen etwa die grausamen Tierversuche umgehend verboten und durch moderne Forschung ersetzt werden, die auch tatsächlich einen Nutzen für den Menschen hat. Das langfristige Ziel ist dann ein eigener Artikel im Grundgesetz, der Tieren die grundlegenden Rechte auf Leben, körperliche Unversehrtheit und Freiheit garantiert. Auch abseits der Wahlen setzen wir uns aktiv für Tierschutz und Tierrechte ein, indem wir z.B. Infostände und Demonstrationen betreiben sowie Flyer verteilen, um die Bevölkerung zu informieren. Dabei freuen wir uns immer über weitere Unterstützer_innen. Auch kann man uns natürlich unterstützen, indem man Mitglied wird, was ganz einfach über unsere Website geht. Man muss dazu auch ganz und gar kein Politiker-Typ sein, denn das sind wir alle nicht. 😉 Wir sind Menschen, die erkannt haben, dass unsere Ziele nur auf dem politischen Weg erreicht werden können und deshalb engagieren wir uns in der Tierschutzpartei.

Interview Tierschutzpartei zur BTW17

Ihre Partei positioniert sich sehr klar gegen sämtliche Tierversuche. Auch solche, die eventuell dabei helfen könnten, in der Medizin Fortschritte für die Menschheit zu erzielen, sofern ich das richtig verstanden habe. Wie vereinen Sie das damit, dass auch das Wohlbefinden aller Menschen eigentlich zu den wichtigen Aspekten ihres Parteiprogrammes zählen?

Die Frage, ob man sich bei Tierversuchen zwischen Tierleid und der Rettung von Menschen entscheiden muss, stellt sich bei Tierversuchen gar nicht, weil sie mittelalterliche Pseudo-Forschung darstellen, die überhaupt nicht auf Menschen übertragbar ist. Wenn wir schon vor Jahren oder Jahrzehnten moderne Methoden wie Zellkulturen, Computersimulationen und Biochips intensiver vorangetrieben hätten, wäre die Medizin schon sehr viel weiter und Skandale wie bei Contergan wären nie passiert. Wenn man sich bei der Entwicklung neuer Medikamente immer blind auf Tierversuche verlassen hätte, hätten wir wichtige Medikamente wie Penicillin, Aspirin oder Paracetamol heute nicht, da diese für verschiedene Tierarten schädlich oder gar tödlich sind.

Artgerechte Tierhaltung sieht Ihre Partei nur als Übergangslösung zu einer vollkommen veganen Landwirtschaft. Das bedeutet, langfristig möchten Sie, dass Tiere kein Teil der Nahrungsmittelproduktion mehr sind… Welche Vorteile sehen Sie darin abgesehen von vermiedenen Tierleid für die Umwelt und eventuell sogar die Menschen?

Tierprodukte sind per se ungesund. Milch und Fleisch sind maßgeblich für die beiden Haupt-Todesursachen in Deutschland mitverantwortlich: Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem ist die Tierhaltung auch einer der entscheidenden Faktoren, die für den Welthunger verantwortlich sind. Statt 1 kg Rindfleisch zu erzeugen, könnte man z. B. bis zu 20 kg Getreide erzeugen, sprich 20 mal mehr Menschen ernähren. Zudem ist die Massentierhaltung der Regenwald- und Klimakiller Nr. 1 sowie der Hauptgrund für die Versauerung/Nitrat-Verseuchung unserer Böden. Daher spricht nichts dafür, weiterhin landwirtschaftliche Tierhaltung zu betreiben, im Gegenteil: deren Ende ist dringend nötig, wenn wir all diese enormen Herausforderungen unserer Zeit in den Griff bekommen wollen.

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Mit dem Ende der Tierhaltung in der Landwirtschaft würden jedoch auch viele Tierarten weitestgehend verschwinden – sehen Sie das nicht als Nachteil?

Nein, denn diese Tierarten sind nahezu ausschließlich Qualzuchten, die lediglich auf die Maximierung des menschlichen Profits hin optimiert wurden. Diese Tierarten wären in der Natur nicht auf Dauer überlebensfähig. Wenn wir sie aussterben lassen, tun wir diesen Tieren einen großen Gefallen, denn ihr Leben ist stark von Leid geprägt.

Welche Position haben Sie zur Haltung von Haustieren?
Wir sprechen uns klar für ein Verbot von Qualzuchten (im “Haus”tier- natürlich genauso wie im “Nutz”tierbereich) und jeglichen Import von exotischen Haustieren aus. Des Weiteren fordern wir eine sofortige Beschränkung von gewerbsmäßiger Zucht sowie gewerbsmäßigem Handel mit Haustieren durch Erlass eines Haus- und Heimtierzucht-Gesetzes. Generell sprechen wir uns natürlich dafür aus, dass Tiere aus dem Tierheim bzw. von Tierschutzorganisationen adoptiert statt von Züchtern gekauft werden. Die Tierheime sind nachwievor voll und viele Tiere freuen sich auf ein besseres Zuhause. Dass es auch wirklich ein solches, möglichst artgerechtes ist, muss aber freilich sichergestellt werden. Deshalb fordern wir z. B. einen Sachkundenachweis für Menschen, die Tiere kaufen oder adoptieren wollen, welcher für erstere kostenpflichtig und für letztere kostenlos sein soll.

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Sie wollen das Gesundheitssystem grundlegend verändern, um jeden Menschen wieder mehr Gesundheit zu ermöglichen. Welche Umgestaltungen sind dabei die wichtigsten?

Die wichtigsten Maßnahmen sind hier die Abschaffung der strikten Trennung von privaten und gesetzlichen Krankenkassen durch die Höhe des Einkommens und das Ziel Einheitskasse sowie der Ausbau der Präventivmedizin. Ersteres ist dringend nötig, um die massive soziale Ungerechtigkeit in unserem Gesundheitssystem abzuschaffen und eine gerechte und bestmögliche medizinische Versorgung für alle sicherzustellen. Letzteres ist essentiell, da derzeit ganz bewusst nicht dafür gesorgt wird, dass die Auslöser von Krankheiten abgestellt, sondern nur mittels teuren Medikamenten die Symptome bekämpft werden. So verdient die Massentierhaltungsindustrie als einer der Haupt-Faktoren für zahlreiche Zivilisationskrankheiten auf der einen Seite und die Pharmaindustrie auf der anderen Seite. Neben den Tieren sind in diesem System somit auch die Bürger_innen die großen Verlierer_innen.

Wie würde ihre Partei versuchen, der unzureichenden medizinischen Versorgung auf dem Land zu begegnen?

Zum einen muss der öffentliche Personenverkehr auf dem Land deutlich ausgebaut und besser vernetzt werden, sodass eine größere Bereitschaft besteht, auf dem Land zu leben. Zudem müssen vom Staat finanzielle Anreize geschaffen werden, dass Mediziner_innen bereits sind, auf dem Land zu arbeiten.

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Sie setzen sich auch gegen den Einsatz chemischer Mittel und sogar gegen die Verwendung von Zusatzstoffen in der Nahrung ein. Sehen Sie in all Ihren Forderungen keine Bevormundung der Bevölkerung?

Bei sog. Schädlingsbekämpfungsmitteln und Dünger geht es nicht um Bevormundung. Was die Menschen an Lebensmitteln einkaufen, können sie derzeit zwar selbst entscheiden, ob das Grundwasser, der Boden, die Pflanzen und die Luft um ihr Wohngebäude herum vergiftet werden oder nicht, können sie jedoch meist nicht selbst entscheiden. Zudem geht es hier auch nicht nur um den Konsum der Menschen, sondern um die Frage, ob wir es schaffen, die dramatischen Entwicklungen des Artensterbens, des Klimawandels und der Bodenverseuchung zu stoppen oder zumindest soweit abzumildern, dass sie die Lebensgrundlagen der Menschheit nicht weiter extrem gefährden. Die Gesellschaft muss sich fragen, ob sie für den Profit einiger weniger weiterhin ihre eigene Existenz aufs Spiel setzen will. Zusatzstoffe in der Nahrung sind vielen Menschen gar nicht bekannt. Daher konsumieren sie oft Dinge, die sie nicht zu sich nehmen würden, wenn sie sie kennen würden. Die Praxis der E-Nummern bei konventionellen Lebensmitteln ist daher absolut inakzeptabel. Wenn die Menschen davon krank werden, hat die Gesellschaft zudem ein Interesse daran, dies künftig zu verhindern, zumal sie in der Solidargemeinschaft die Gesundheitskosten des Einzelnen trägt.

Was möchte Ihre Partei bezüglich des Umweltschutzes verwirklichen? Hier gibt es heutzutage ja endlos viele problematische Bereiche.

Absolut richtig. Die dramatischen Entwicklungen des Artensterbens, des Klimawandels, der Bodenverseuchung, des Leerfischens und Verschmutzens (s.u. Plastiktüten) der Meere, der Bedrohung durch Gentechnik, des Ressourcenverbrauchs sowie der Urwaldzerstörung sind wirklich katastrophal. Wir müssen all diese dringend energisch angehen, wenn wir verhindern wollen, dass eine Katastrophe die nächste jagt. Ein sehr großer Faktor bei mehreren dieser Probleme ist die Agrarindustrie. Deshalb muss diese schnellstmöglich auf eine bio-vegane Landwirtschaft umgebaut werden. Zudem sind z. B. der Verkehr zu reformieren, die Energiewende wieder energisch voranzutreiben, der Import von Produkten aus Urwaldzerstörung zu stoppen und Plastiktüten zu verbieten. Unser Programm beinhaltet noch viele weitere Punkte, was diesen Rahmen sprengen würde.

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Sie sind sowohl gegen fossile Energien als auch Kernkraftwerke. Wie steht Ihre Partei dazu, dass erneuerbare Energien aus Wind und Sonne momentan nicht konstant in benötigten Maße zur Verfügung stehen?

Das ist uns bewusst. Deshalb fordern wir den Umstieg auch nicht von heute auf morgen. Der Ausstieg aus der Kohlekraft kann neben dem sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft aber bis 2030 gelingen, wenn die Erneuerbaren ausreichend stark gefördert werden. Bis 2050 kann dann auch der Ausstieg aus der Energiegewinnung mittels Gas gelingen. Leider wurde die Förderung des Ausbaus der Erneuerbaren von CDU/CSU und SPD wieder stark zurückgefahren. Dies war ein fataler Fehler, der schnellstmöglich korrigiert werden muss. Um die Schwankungen in der Verfügbarkeit von Solar- und Windenergie auszugleichen, ist es zudem wichtig, stärker in moderne Energiespeicher-Technologien zu investieren. Mindestens genauso wichtig wäre eine deutlich stärkere Förderung des Umstiegs auf Erneuerbare bei der Wärmegewinnung.

Was möchten Sie für Familien erreichen?

Familie ist für uns da, wo Menschen zusammenleben und füreinander Verantwortung übernehmen. Dies muss nicht zwingend ein Mann und eine Frau sein. Daher setzen wir uns bereits seit Jahren für die vollständige Gleichstellung von homo- und bisexuellen Menschen im Ehe- und Adoptionsrecht ein, was ja erfreulicherweise vor Kurzem bereits vor der Wahl endlich Realität geworden ist. Trotzdem werden LSBTTIQ-Menschen nach wie vor in verschiedenen Bereichen diskriminiert. Hier setzen wir uns für ein Ende dieser Diskriminierungen ein. Zudem fordern wir echte Chancengleichheit in der Bildung, welche wir u. a. durch Einführung eines staatlichen Stipendienprogramms für Studierende aus einkommensschwachen Familien erreichen wollen. Des Weiteren fordern wir ein Mehrgenerationenkonzept, welches z. B. die Förderung von Mehrgenerationenhaushalten beinhaltet und die Rahmenbedingungen für pflegende Familienangehörige stark verbessert. Zudem setzen wir uns für die komplette juristische Gleichstellung von ehelichen und nichtehelichen Kindern ein. Weitere Beispiel für unsere Forderungen sind kostenlose empfängnisverhütende Methoden für sozial schwache Frauen, eine deutliche Vereinfachung der Adoption und die Bekämpfung von Kinderarmut durch eine steuerliche Besserstellung von geringen Einkommen und bessere soziale Absicherung von Scheidungswaisen und deren Erziehungsberechtigten.

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An den vorangegangenen Punkt knüpft auch die Frage nach Bildung an. Wie würden Sie diese verbessern wollen?

Bildung ist in Deutschland (noch) Ländersache, auch wenn wir das im Sinne der Gleichbehandlung und des einfacheren Wohnortwechsels gerne ändern würden. Daher sieht unser Bundestagswahlprogramm zu diesem Thema außer der genannten Forderung nach einer Vereinheitlichung und Verlagerung auf die Bundeskompetenz keine Forderungen zur Bildungspolitik vor. In unserem Grundsatzprogramm haben wir jedoch ausführlich dargelegt, wie wir die Bildung gerne reformieren würden. Der Grundgedanke hierbei ist, dass alle Schüler_innen nach ihren Fähigkeiten gefördert werden müssen statt wie aktuell allen ein Standardprogramm überzustülpen, von dem sie später einen Großteil nicht mehr brauchen werden. Zudem muss dringend mehr Ethik Einzug in den Unterricht halten.

Altersarmut und auch ein Leben an der Armutsgrenze trotz Job sind immer wieder ein Thema. Wie wollen Sie diese gesellschaftlichen Probleme lösen?

Wir wollen das Renteneintrittsalter wieder senken und flexibler gestalten sowie eine Bürgerrente in Höhe von mind. 600,- Euro ab dem 65. Lebensjahr einführen, die Altersarmut verhindert. Zudem befürworten wir die Erprobung und darauf folgende Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens, das sozial ausgerichtet, ökonomisch machbar und nachhaltig ist und eine dringende und sinnvolle Antwort auf kommende ökonomische Herausforderungen (Industrie 4.0, ethische Orientierung der Arbeit) darstellt.

Wie stehen Sie zur Asylpolitik?

Wer aus eindeutig politischen, rassistischen, sexistischen oder religiösen Gründen verfolgt wird, an Hunger leidet oder auf Grund von Krieg oder Bürgerkrieg aus seinem Land flüchtet, muss nach genauer Prüfung Asyl finden. Wir müssen jedoch auch Kriege und Flüchtlingsströme präventiv verhindern. Daher fordern wir ein Verbot sämtlicher Rüstungsexporte. Dadurch werden Fluchtursachen wirkungsvoll bekämpft. Auch darf es keine Bundeswehreinsätze im Ausland oder logistische Unterstützung von Kriegen durch US-Luftwaffenstützpunkte auf deutschem Boden mehr geben. Zudem fordern wir den Abzug aller US-Atomwaffen von deutschem Boden.
Um flüchtenden und geflüchteten Menschen zu helfen fordern wir eine menschliche Asylpolitik. Dazu gehört die Schaffung sicherer Fluchtrouten, die finanzielle und personelle Aufstockung der Ämter und Erstaufnahmestellen, höhere Investitionen in Sprach- und Integrationskurse sowie eine Beschleunigung der Anerkennung von Ausbildungsnachweisen und der Integration in den Arbeitsmarkt, damit Geflüchtete ihren eigenen Unterhalt erarbeiten und ihren Beitrag zu unserem Sozialsystem erbringen können. Eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen soll schließlich statt Sammelunterkünften zur besseren Integration und zur Einsparung von Kosten bevorzugt werden.
Gleichzeitig muss aber auch eine unverzügliche Aufklärung über unsere wichtigsten Gesetze vorgenommen werden, samt Verpflichtungserklärung der Asylbewerber, sich daran zu halten.

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Seit der Diskussion um den Brexit und der Krise in Griechenland ist ja auch die EU immer wieder ein wichtiges Thema. Wie positioniert sich Ihre Partei bezüglich der Europäischen Union?

Wir stehen klar zur Europäischen Union. Sie hat uns eine so lange Periode des Friedens ermöglicht wie noch nie zuvor. Die EU muss deutlich gestärkt und auch weiter ausgebaut werden. Oberste Ziele müssen hierbei jedoch die Stärkung der Menschenrechte, des Tier- und Umweltschutzes sowie des Verbraucher- und Arbeitnehmerschutzes in Europa und der Welt sein. Die derzeitige Situation, bei der die EU hauptsächlich den Interessen der Großkonzerne, der Banken, der Agrar-, Pharma-, Auto- und Flugindustrie dient, ist eine Katastrophe und muss schnellstmöglich korrigiert werden.

Welche wichtigen Ziele hat Ihre Partei außerdem noch, auf die ich bisher nicht zu sprechen kam?

Demokratie statt Lobbykratie ist ebenfalls ein sehr wichtiges Thema, das uns sehr am Herzen liegt. Derzeit wird die Politik leider hauptsächlich von der Industrie gesteuert, wie gerade bereits angedeutet. Daher fordern wir Spenden von Unternehmen und Privatpersonen an Parteien auf 50.000 Euro pro Spender und Jahr zu beschränken, ein Verbot von gleichzeitigem Mandat in Parlamenten und Tätigkeit in Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen, eine ausnahmslose Karenzzeit von mindestens drei Jahren für ausscheidende Politiker in Aufsichtsrats-, Vorstands- oder Top-Management-Positionen der Wirtschaft, ein Verbot von „Leihbeamten“ in Ministerien, ein Gesetz zur Offenlegung von Zuwendungen über 250,- Euro pro Monat an Mandatsträger durch Vertreter der Wirtschaft sowie die Offenlegung von Nebenverdiensten durch Seminare und Vorträge von Parlamentariern und Beschränkung auf einen Höchstbetrag pro Jahr, um einer Einflussnahme auf Politiker durch die Hintertür entgegenzuwirken. Schließlich brauchen wir Volksabstimmungen, u. a. über Freihandelsabkommen wie TTIP, CETA und JEFTA, um eine Einschränkung von Arbeitnehmer-, Verbraucher-, Umwelt- und Tierschutzstandards und das Ende des Rechtsstaats zu verhindern.

Ihre Partei scheint sehr viele Ziele zu haben, von deren Erreichen Deutschland noch meilenweit entfernt ist. Wie gedenken Sie, all diese Maßnahmen zu finanzieren? Müssen dazu die Steuern ansteigen?

Die Steuern müssen nicht allgemein ansteigen. Geringe Einkommen wollen wir z. B. steuerlich entlasten, hohe Einkommen dafür stärker besteuern. Manche Steuern wie die auf Tierprodukte müssen ebenfalls steigen, andere wie die auf pflanzliche Alternativen müssen sinken. Zudem müssen die Subventionen für Banken, Agrar-, Pharma-, Auto- und Flugindustrie beendet oder sinnvoll umverteilt werden. Schließlich bezahlen die Steuerzahler_innen derzeit Unsummen, um die volkswirtschaftlichen Schäden, die diese Industrien verursachen, wieder zu beheben. Diese Kosten werden wegfallen, wenn endlich verhindert wird, dass diese Industrien weiter unser Klima, unsere Umwelt, unser ökologisches Gleichgewicht und unsere Gesundheit ruinieren.

Interview Tierschutzpartei zur BTW17

Abschließende Worte meinerseits

Äh, wow. Also ganz ehrlich – als ich auf die Idee mit dem Interview kam, hätte ich eigentlich nicht gedacht, dass das Ganze so umfangreich werden würde. Aber als ich auf der Website der Tierschutzpartei war, da war es um mich geschehen und ich fand unendlich viele Punkte, zu denen ich im Interview Fragen stellen wollte. Dementsprechend lang war also mein Fragenkatalog.

Zugegeben muss ich aber, dass ich wirklich versucht habe, kritische Punkte im Programm zu finden und dort nachzuhaken…

Dass Herr Ebner sich so viel Zeit für die Beantwortung meiner Fragen nehmen würde, hatte ich nicht erwartet und umso mehr habe ich mich darüber gefreut. Ich bin echt begeistert davon, wie umfangreich die Antworten ausgefallen sind.

Obwohl ich skeptisch war, nachdem ich die Fragen formuliert hatte, konnte Herr Ebner mich doch in einigen Punkten wieder umstimmen. Somit ziehe ich nun wirklich wieder in Erwägung, meine Stimme dieser kleinen Partei zu geben.

Kanntet ihr die Tierschutzpartei schon? Und ist es für euch eine Überlegung wert, sie zu wählen?


P. S.: Dieser Post hier ist Teil eines Specials von mir und Nicole zur Bundestagswahl 2017 in Deutschland.

Meine bisherigen Posts sind ein Beitrag darüber, warum man auch kleine Parteien wählen sollte, und eine Vorstellung des Programms der Grünen sowie ein Interview mit Frau Hoffmann von den Grünen. Auch das Wahlprogramm der Linken habe ich erläutert und kommentiert.
Nicole schreibt darüber, warum es so wichtig ist, sich an den Wahlen zu beteiligen und geht auf die Programme der SPD, der CDU und der FDP ein.

Noch mehr Blogposts über die Thematik “Bundestagswahlen 2017” gibt es bei #BloggerfuerBTW.


Quellen

Grundsatzprogramm der Tierschutzpartei, Stand

vor 1 Jahr

8 Kommentare

  1. Hallo Tabea,
    ein schöner aber leider viel zu langer Beitrag. Da tut man sich echt schwer das alles zu lesen.

    btw. habe ich mal eine Frage. Warum gibt es eine Tierschutz Partei aber keine Kinderschutz Partei?

    Das es beim Kinderschutz viel mehr Nachholbedarf gibt als beim Tierschutz sollte jedem klar sein.

    Gibt es Parteien die sich den Kinderschutz in das Wahlprogramm geschrieben haben?

    Ich habe die Frage mal in meinem Blog thematisiert und auf Deinen Artikel als Ideengeber einen Link gesetzt.

    http://www.blogwurst-mit-senf.de/warum-gibt-es-keine-kinderschutz-partei.html

    Ich hoffe das war ok so.

    Wir selber haben keine Haustiere auch weil wir keine Tiere gefangen halten möchten.
    Ich selber kann nicht mal eine Fliege was zu leide tun.
    Für Tierschutz einzutreten ist ok aber eine Partei dafür zu gründen die staatliche Wahlkampfunterstützung bekommt während jedes 5. Kind von Kinderarmut betroffen ist und keine Lobby hat ist für mich beschämend.

    Grüße Lothar

    1. Erst mal danke, dass du meinen Blogpost aufgegriffen hast!

      Das mit der Länge ist hier tatsächlich etwas ausgeartet, aber beim Lesen der noch viel längeren Parteiprogramms wollte ich einfach an zu vielen Stellen nachhaken und die Antworten waren ja dann auch ausführlich. Bei zukünftigen Interviews werde ich versuchen, mich auf weniger Fragen zu beschränken.

      Ich denke Kinderschutz wird weniger thematisiert, weil das zu anklagend klingt: Wir leben in einem Land, dass Kinderquälerei zulässt.
      Zudem wollen ja viele Parteien Familien stärken und Punkte wie Bildung haben ja auch immer was damit zu tun, die Situation der Kinder zu verbessern.

      Außerdem denke ich, unter Tierschutz kann sich einfach jeder gut was vorstellen… Aber Kinderschutz ist für viele wohl doch abstrakter.

      Der Tierschutzpartei möchte ich keine Vorwürfe machen, denn sie haben sich auch der Verbesserung der Lebenssituation für Menschen und dem Erhalt der Umwelt verschrieben. Eigentlich kommen nämlich alle drei Begriffe (Mensch, Tier, Umwelt) in Namen der Partei vor und Tierschutzpartei ist soweit ich das mitbekommen habe, eher nur umgangssprachlich der Name der Partei.

      Liebe Grüße

      1. Stimmt es war nicht wenig zu lessen, jedoch prima aufbereitet.

        PS ich habe mich für Briefwahl entschieden und eine “kleine” Partei gewählt.

        PPS sehr schöner Blog ich schau jetzt mal öfter rein

      2. Danke für das Kompliment und zum Blog. Sowas liest man doch echt gern 🙂

        Freut mich, dass du gewählt hast. Und noch mehr freut mich, dass du nicht die Großen gewählt hast, nur weil die eben ins Parlament kommen. Die eigene Meinung zu wählen ist immer besser, finde ich!

        Liebe Grüße

  2. Wow, ich muss sagen, dass ich mich bisher nicht wirklich mit dieser Partei beschäftigt habe, weil ich es immer nicht so sinnvoll finde, wenn man nur ein einziges Thema in seinem Parteinamen hat, wenn man doch eigentlich viel mehr Themen hat. Immerhin finde ich Tierschutz wichtig, andere Dinge eben auch.
    Umso spannender war es jetzt, in diesem Interview auch mal etwas über Bildungs- oder Asylpolitik aus Sicht der Tierschutzpartei zu lesen. Bei der nächsten Wahl, werde ich ihr Programm auf jeden Fall genauer unter die Lupe nehmen.
    Vielen Dank auf jeden Fall für das spannende Interview!

    1. Wenn nur ein Thema im Namen vorkommt, ist das natürlich immer etwas doof – aber immerhin weiß man dann sofort, welches das wichtigste Gebiet für eine Partei ist. Bei der Deutschen Mitte (nur als Beispiel) wüsste ich ohne mich zu informieren nämlich gar nichts… Hier wusste ich schon mal, dass Tiere geschützt werden, was ja oft auch mit Umweltschutz allgemein einhergeht.

      Dass die Partei aber auch in sozialen Fragen viel bewegen will, hat mich dann auch positiv überrascht, weswegen ich richtig froh bin, dieses Interview geführt zu haben.
      Vor den nächsten Wahlen werde ich daher wieder versuchen, diese Partei zu unterstützen…

      Liebe Grüße

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